Verfolgungsjagd in Frankfurt (Oder) - "Die Fahrer sind skrupellos"
Es sieht aus wie eine Szene aus einem Actionfilm: Ein Polizeiwagen verfolgt einen mutmaßlichen Autodieb Richtung Polen. Mit 170 km/h rast er über die Straßen, überfährt rote Ampeln und kollidiert schließlich mit einem unbeteiligten Fahrer. Ein Original-Polizeivideo zeigt, wie rücksichtslos die Täter sind, wenn es ernst wird.
Polizeikontrolle an der deutsch-polnischen Grenze. Statt zu halten gibt der Fahrer eines weißen Audi Gas - und entwischt den Beamten. Polizeimeister Mike Lier fährt in diesem Moment zufällig Streife in der Nähe - und nimmt die Verfolgung auf.
Es ist Januar, die Straßen sind nass und rutschig. Trotzdem rast der mutmaßliche Autodieb über die Fahrbahn, missachtet zwei rote Ampeln. Der Audi, in dem er sitzt, wurde in Braunschweig gestohlen, wie sich später herausstellt. Das Ziel des Fahrers: der Grenzübergang nach Polen - für ihn wäre es die Rettung, weil deutsche Polizisten ihn auf polnischer Seite nicht verfolgen dürften.
Der Streifenpolizist fordert Verstärkung an, es werden Kreuzungspunkte südlich von Frankfurt (Oder) besetzt, doch der Raser weicht aus. Als er nach rechts abbiegt, wird die Straße einspurig. Der Gegenverkehr wird zu stark, er kann dem unbeteiligten Wagen vor ihm nicht ausweichen - und prallt auf ihn drauf. Beide landen im Graben.

Fahrer erhält Gefängnisstrafe von anderthalb Jahren
Was das Polizeivideo nicht zeigt: Noch während der Audi die Böschung hinabrollt, springt der Fahrer aus dem Wagen und rennt über das Feld davon. Streifenpolizist Mike Lier rennt ihm hinterher, über Obstplantagen, klettert über Stacheldrahtzäune - und kann ihn fassen.
Weil er kein Dieb, sondern nur ein Kurier war, bekommt der junge Fahrer aus Polen für Hehlerei ein Jahr und sechs Monate Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Später im Gefängnis sagt er, dass er für den Kurier-Job umgerechnet 300 Euro bekommen hätte.
Bei dem Unfallopfer hat er sich mittlerweile mehrfach entschuldigt. Dieses hatte Glück im Unglück: ein Schleudertrauma ersten Grades, leichte Blessuren und Prellungen an der Milz.
Die Polizisten konnten den Kurier nicht glimpflich stoppen. "Die Fahrer sind zu skrupellos und wir sind zu wenig", sagt Olaf Eggert, Fahnder der "Soko Grenze". Die Verfolgungsjagd hätte zwar schlimmer ausgehen können, doch sie zeigt, wie rücksichtslos die Diebe geworden sind. Sie stehlen nicht nur Autos - wenn es hart auf hart kommt, gefährden sie auch Menschenleben.



