Lausitzer Seenland: Luftbild vom Lausitzer Seenland nahe Senftenberg 2008 (Quelle: dpa)

Wirtschaftsperspektive Tourismus - Hoffnung im Seenland

Lange drohte die Lausitz auszubluten. Und noch immer wandern die jungen Leute ab. Das Konzept "Seenland" soll der Region wieder auf die Beine helfen und attraktiv machen: für Investoren und Touristen, aber auch für die Einwohner.

Das große Abwandern kam mit der Wende. Damals arbeiteten 72.000 Menschen im Lausitzer Revier. Heute sind es nach Angaben der Gewerkschaft noch 8.000. Tendenz fallend, und dass die Braunkohle keine dauerhafte Perspektive bietet, wissen hier alle.

Lausitzer Seenland: Wandergruppe auf dem Weg von den IBA-Terrassen in Großräschen zum ehemaligen Tagebau Meuro 2005 (Quelle: dpa)
Wanderung durch den ehemaligen Tagebau Meuro (jetzt bald Großräschener See)
Die touristische Vermarktung der Braunkohlewüste begann um die Jahrtausendwende. Die Internationale Bauausstellung "Fürst-Pückler-Land" warb gezielt mit dem Charme der Mondlandschaft. So wurden die 78 Meter hohe Förderbrücke F60 in Lichterfeld und die Kokstürme von Lauchhammer zu wahren Publikumsmagneten. Tagestouren durch den ehemaligen Tagebau waren immer gut nachgefragt, der Renner dabei "Die Reise zum Mars". Viele Besucher probten hier auch für Exkursionen in den Grand Canyon.
 
Eine dauerhafte Perspektive für möglichst viele Menschen in der Region bietet das Wüstenspiel aber nicht. Neuer Geld- und Arbeitsplatzbringer soll jetzt das Seenland werden.
Lausitzer Seenland: Ein Taucher vor der schwimmenden Tauchschule in Lassow nahe Vetschau 2007 (Quelle: dpa)
Tauchschule am Gräbendorfer See

Tauchen im ehemaligen Tagebau

Tatsächlich ist an den künftig 25 Seen viel Platz für Ideen. Viele davon sind bereits verwirklicht: Schwimmende Häuser am Geierswalder See, eine Tauchschule am Gräbendorfer See und Floßfahrten auf dem Senftenberger See. Außerdem ist bereits eine Bootswerft in Planung. Am Partwitzer See werden Jet Ski und Motorbootfahren angeboten.

Am neuen Stadthafen Senftenberg können Freizeitkapitäne anlegen, die sonst eher im Ausland rumschippern – aus Mangel an geeigneten Wasserflächen in Deutschland. Die Nachfrage stimmt: Als der Hafen im Frühjahr 2013 eröffnet wurde, waren die Dauerliegeplätze längst vergeben. Wer den Senftenberger Stadthafen mit dem eigenen Boot besuchen will, darf dort nur vorübergehend anlegen.

Seenland muss sich erst durchsetzen

Trotzdem: Einfach ist es nicht. Die Naturschutz-Auflagen der Braunkohle-Nachfolgeregion bremsen Investitionen aus, teilweise warten Investoren jahrelang auf die notwendigen Genehmigungen. Große Gebiete sind gesperrt, weil dort Erdrutschungen drohen.

Gastronomie und Hotelgewerbe in der Lausitz suchen händeringend nach Angestellten und vor allem Auszubildenden, denn die jungen Leute wandern trotz der verbesserten Perspektiven in ihren Heimatorten immer noch ab. Sie gehen dorthin, wo sie mehr Geld verdienen. In der Lausitz werden selten mehr als acht Euro pro Stunde gezahlt.

Und die Konkurrenz für das neue Seenland ist groß: Spreewald, Mecklenburger Seenplatte, andere Seengebiete in Brandenburg. Diese Gebiete sind natürlich entstanden, verfügen über einen Marketingvorsprung und über eine gewachsene touristische Infrastruktur.

Deutliche Zuwächse

Um dagegen anzukommen, arbeiten Brandenburg und Sachsen jetzt mit vereinten Kräften. Seit 2012 gibt es einen gemeinsamen Tourismusverband, der 20 Tagebauseen des Seenlands als Paket vermarktet.

2011 gab es knapp 400.000 Übernachtungen. 2020 sollen es dann bereits eine Million sein, doch dafür muss sich im Seenland noch einiges tun. Bisher läuft das Geschäft fast ausschließlich im Sommer.

Zur Zeit ergeben sich die Steigerungsraten noch fast von selbst, schließlich entsteht in der Lausitz jedes Jahr ein neuer See. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Zuwächse im Seenland deutlich größer sind als in den anderen Wassersportregionen.

Neues Selbstbewusstsein

Ein Selbstläufer ist das Seenland nicht. Noch dazu wäre das alles undenkbar ohne die Investitionen der öffentlichen Hand. Aber für die Menschen in der Region ist es ein deutliches Signal der Hoffnung. Jahrelang sind die Leute nur weggegangen aus der ausgelutschten Braunkohlewüste. Jetzt passiert endlich wieder etwas in der Lausitz.

Beitrag von Nele Haring