Tagebau mit Kraftwerk im Hintergrund (Bild: Dieter Freiberg)

Die Lausitz nach der Braunkohle - Von der Mondlandschaft zum Seenland

Seit mehr als hundert Jahren durchwühlen Braunkohlebagger die Lausitz. Sie förderten Kohle für die Industrie, viel Kohle. Übrig blieben riesige Abraumhalden. Aus den Restlöchern werden jetzt Seen.

Am Anfang stand die Industrialisierung. Der Energiehunger der Maschinen zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlangte Kohle. Der Abbau erfolgte bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts unter Tage, zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden dann die Tagebaue.

Der große Energiebedarf in Metropolen und Produktionsstandorten machte die Kohle zu einem begehrten Rohstoff. Die Kohlegruben wuchsen stetig.

In der DDR wurde der Braunkohletagebau noch forciert: die ostdeutsche Wirtschaft brauchte dringend Energie. Aus Mangel an Alternativen blieb nur die Kohle, die zudem Grundstoffe für die Chemieindustrie lieferte. Die kleine DDR mit ihren Abbaugebieten in der Lausitz, im Raum Halle/Leipzig und bei Magdeburg wurde zum größten Braunkohleförderer weltweit.

In der Lausitz verschwanden in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 80 Dörfer von der Landkarte, zehntausende Menschen wurden umgesiedelt in andere Orte, viele von ihnen in neu errichtete Plattenbauten im so genannten "Energiebezirk Cottbus", wie die Gegend seit 1957 hieß.

Mit der Wende wurden viele Gruben geschlossen: Sie waren nun unrentabel oder ausgekohlt. Zurück blieben verödete Flächen, ausgehöhlt vom Bergbau und umgegraben vom Tagebau. Eine Mondlandschaft mit riesigen Abraumhalden und gigantischen Löchern war entstanden.

Konzepte für die Baggerlandschaften

Was tun mit diesen Löchern? Wieder auffüllen war nicht möglich. Die Kohle war verfeuert. An eine Wiederansiedlung der Dörfer war nicht zu denken. Die Lösung hieß: ein See. Und weil es viele Tagebaurestlöcher gab: viele Seen.

Noch zu DDR-Zeiten entstand die Idee, eine Landschaft mit vielen Seen zu bilden. Der Tagebau bei Senftenberg wurde bereits ab 1967 geflutet und 1973 als "Senftenberger See" der Öffentlichkeit übergeben. Um viele Seen entstehen zu lassen, mangelte es an Geld und Technik. Die Voraussetzungen aber änderten sich mit der Wende.

Die IBA schafft den Durchbruch

Ein entscheidender Impuls für eine Seenlandschaft in der Lausitz war die Internationale Bauausstellung in Brandenburg "Fürst-Pückler-Land 2000 - 2010". Sie schlug ihre Zelte in Großräschen am ehemaligen Tagebau Meuro auf und lud das breite Publikum in diese bizarre, mondähnliche Landschaft ein. Das Interesse war enorm.

Eine Art Konsens bei Bevölkerung und Verwaltung der Region herrschte über die Grundidee: eine Landschaft mit Lebensqualität und wirtschaftlicher Perspektive. So wurde das Konzept des "Lausitzer Seenlands" entwickelt: 23 Bergbauseen, riesige Wasserflächen, ein Paradies für Wassersportler. Das Herzstück des Seenlands ist die Lausitzer Seenkette - zehn Bergbauseen, die durch schiffbare Kanäle verbunden sind, die so genannten Überleiter.

Zuständig für die Flutung der Seen ist die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Senftenberg. Das bundeseigene Unternehmen verwaltet das schwierige Erbe des DDR-Braunkohletagebaus und verwandelt in der Lausitz insgesamt 30 Tagebaue in Gewässer - nicht alle von ihnen gehören zur "Marke Seenland".

Größte künstliche Wasserlandschaft Europas

Von den geplanten 23 Seen des Seenlandes sind acht bereits geflutet und auch nutzbar (Stand Mai 2013). Bis 2016 werden nach derzeitigem Planungsstand zehn weitere fertig gestellt und an die Öffentlichkeit übergeben. Voraussetzungen dafür sind Wasserqualität und Flutungsstand. Die restlichen fünf Seen werden entweder später fertig oder werden derzeit noch saniert.

Damit entsteht die größte künstliche Wasserlandschaft Europas. Sie wird sich über 13.000 Hektar  erstrecken. Das ist 16 Mal mehr Wasserfläche, als die Lausitz vor dem Braunkohletagebau hatte.

Beitrag von Stefan Ruwoldt / Nele Haring