Lausitzer Seenland: Luftaufnahme von der Flutung des Tagebaus Meuro zum Ilsesee 2007 (Quelle: dpa)

Tagebauseen in der Lausitz - Wie die Flutung funktioniert

30 Löcher, 60 Meter und tiefer – später soll das eine Wasserfläche von mehr als 13.000 Hektar ergeben. Woher kommt eigentlich das ganze Wasser? Und wie funktioniert die Flutung?

Bis aus einem Tagebau ein See wird, vergehen schon einige Jahre. Der größte Aufwand dabei ist nicht das Formen – also die Befestigung der Kanten oder das Abflachen der Böschungen – sondern das Fluten.

Flutung des Tagebaus Meuro
Flutung des Tagebaus Meuro
Die Flutung ist eine Herausforderung an die Technik. Der Bergbausanierer - die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) - hat dafür ein ausgeklügeltes System entwickelt, gesteuert aus der Flutungszentrale in Senftenberg.

Bis zu einem gewissen Niveau laufen die Tagebauseen von allein voll, denn das Grundwasser, von den Braunkohlekonzernen um die Tagebaue durch Dauerpumpen künstlich abgesenkt, bahnt sich seinen Weg wieder nach oben. Zusätzlich nimmt der See Regenwasser auf. Um die Seen zu füllen, reicht das aber nicht aus.

Spree, Neiße und Schwarze Elster werden zur Ader gelassen

Hinzu kommen die Wasser aus Spree, Neiße und Schwarzer Elster. Dafür hat die LMBV künstliche Zuflüsse gelegt,  durch die Wasser aus den Flüssen abgeleitet wird. Allerdings darf dabei nur so viel entnommen werden, wie wirklich "übrig" ist. Vorher wird die Wasserwirtschaft bedient und nachgerechnet, wie viel Wasser zur Aufrechterhaltung der Fließgewässer notwendig ist. Nachgesteuert wird bei Bedarf aus den Talsperren Bautzen und Spremberg.

Der Terminplan ist dabei auf hohe Regenmengen angewiesen. Der heiße trockene Sommer 2003 warf die Flutung der Tagebauseen erheblich zurück.
Verockerung der Spree (dpa, Januar 2013)
Verockertes Wasser im Spreewald

Die Wasserqualität birgt Probleme

Wasser ist dabei nicht gleich Wasser. Wenn der Tagebau geflutet wird, löst das Wasser Sulfate aus dem Gestein, denn der Tagebau hat Gesteinsschichten freigelegt, die Eisensulfite enthalten. Die Salze reagieren mit dem Sauerstoff zu Sulfat, das ausgewaschen wird. Dadurch entsteht zum Beispiel die so genannte Verockerung der Spree, die in den neuen Seen für ein extrem saures Klima sorgt - zu sauer, um den europäischen Standard für Badegewässer zu erreichen.

Also werden Tonnen an Kalk in die neu entstehenden Seen gekippt, der die Säure neutralisiert. Das zufließende Wasser wird gemischt, denn die Balance zwischen Grundwasser, Niederschlägen und Zufluss aus den Flüssen soll gehalten werden.

Für jeden der neuen Seen gibt es einen eigenen Flutungsplan, der allerdings auch niederschlagsabhängig ist. Bis die Seen voll sind, sitzen auch künftige Investoren im Seenland zunächst auf dem Trockenen.

Ein Problem der neuen Seen ist auch, dass Wasser – gerade erst hineingeflossen – unterirdisch schon wieder abfließt. Das ist abhängig von der Bodengeologie – also der Zusammensetzung des Bodens um den See und in der Umgebung. Der Bärwalder See in Sachsen zum Beispiel blieb jahrelang hinter dem Plan zurück, weil ein Teil des Wassers immer wieder ablief. 

In manche Seen strömt aber umgekehrt unterirdisch auch Wasser aus anderen Seen zu. Sie füllen sich also schneller. Das alles muss die LMBV über ihre Flutungszentrale kontrollieren und ausgleichen.

Selbst wenn alles fertig ist, muss das Wassermanagement fortgesetzt werden. Die Tagebauseen haben keine natürlichen Zu- und Abflüsse, das Wasser verdunstet also einfach. Um auf Dauer einen Wasserzufluss und - austausch zu gewährleisten, wird deshalb ein künstlicher Zufluss gebraucht. Möglich wäre dafür ein Überleiter zur wasserreichen Elbe. Dieses Projekt wird gerade geprüft.