Michael Müller (l) und Karsten Mühlenfeld äußern sich am 12.01.2016 in Berlin nach einer Konferenz mit den Baufirmen am BER (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 12.01.2016 | Boris Hermel

Konferenz mit dem Flughafenaufsichtsrat - Müller schwört BER-Baufirmen auf "Schlussspurt" ein

Michael Müller hat als BER-Aufsichtsratschef die großen Firmen am Flughafen in die Pflicht genommen. Beim "Schlussspurt" seien alle in der Verantwortung, den Eröffnungstermin 2017 zu halten, mahnte Müller am Dienstag nach einer Konferenz mit den Unternehmen. Sie sollen sich künftig besser abstimmen. Doch auch diese stellten Forderungen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hält einen Start des Flughafens BER im Jahr 2017 für möglich - sofern alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das sagte Müller am Dienstag nach einem Treffen mit Vertretern der sieben wichtigsten beteiligten Baufirmen im Roten Rathaus.

Der Plan, im Jahr 2016 "mit der Bautätigkeit zum Ende zu kommen und dann 2017 fliegen zu können", sei "in der Umsetzung möglich", so Müller. Allerdings sei die Zeit knapp und ein Gelingen hänge davon ab, dass alle an einem Strang zögen. Beim "Schlussspurt" seien alle in der Verantwortung, mahnte Müller. Die Firmen wurden von der Flughafengesellschaft aufgefordert, sich besser untereinander zu koordinieren.

Firmen fordern schnellere Entscheidungen

Nach Müllers Angaben verlangten die Firmen im Gegenzug eine bessere Planung und schnellere Entscheidungen von der Flughafengesellschaft. "Es ist ganz deutlich geworden, dass alle auch sagen: Wir wollen und können das Projekt in dem Rahmen und in dem Zeitplan, den wir miteinander vereinbart haben", sagte Müller, er ergänzte aber auch: "Es ist dafür auch noch einiges zu tun."

Die Firmen hätten allerdings auch erklärt, dass sich die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft im vergangenen Jahr "deutlich verbessert" habe, hieß es von Müller. Es gebe demnach eine "neue Qualität".

Mühlenfeld für weiteres Treffen

Die Opposition wähnt jedoch, dass Müller schon einmal vorsorglich den Schwarzen Peter weiterreicht, falls es nicht klappt. "Das Treffen hat den Eindruck erweckt, dass Müller nun die Verantwortung für ein etwaiges BER-Versagen vorsorglich den Unternehmen zuschieben möchte",
teilte Fraktionschefin Ramona Pop mit.

An dem Gespräch nahmen Vertreter von Bosch, Siemens, der Telekom-Tochter T-Systems, vom Imtech-Nachfolger Zech, Caverion, K. Rogge Spezialbau und der Firmen-Gemeinschaft ArGe Ausbau teil. Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld sprach sich am Dienstag für ein weiteres Treffen aus. "Wir wollen schauen, ob wir das, was wir heute vereinbart haben, auch wirklich umgesetzt haben."

"Noch nichts über die großen Baufirmen gelesen"

Im Vorfeld des Treffens hatte Mühlenfeld die Unternehmen bereits aufgerufen, stärker an einem Strang zu ziehen - nach dem Motto: "Einer für alle und alle für einen". Der Airport-Chef kritisierte, die Medien schöben die Verantwortung für Probleme primär der Flughafengesellschaft zu. "Ich habe noch nichts gelesen über die großen Baufirmen, die wir da haben." Es gehe bei dem Projekt in gewissem Maße um die Reputation Deutschlands.

Im Terminal läuft vor allem die Sanierung der Brandschutzanlage. Während das Gebäude in der Bauphase immer wieder größer geplant wurde, wurde die Steuerung nicht angepasst. In ersten Segmenten ist die Anlage nach Flughafen-Berechnungen inzwischen beherrschbar. "Aber 'proof of the pudding' (die entscheidende Bewährungsprobe) werden natürlich erst die Heißgasrauchversuche sein, wenn die Entrauchung im Realfall getestet wird", sagte Mühlenfeld.

Ziel: 2017 ist Eröffnung

Nach vier geplatzten Eröffnungsterminen seit 2011 soll der drittgrößte deutsche Flughafen nun im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen. Der Zeitplan enthielt ursprünglich einen Puffer von sechs Monaten, der nach Flughafenangaben nun zur Hälfte aufgebraucht ist.

Mühlenfeld machte deutlich, dass der Airport nicht zwangsläufig zum Start des Winterflugplans Ende Oktober 2017 in Betrieb gehen muss. Auch ein Start im November oder Dezember ist demnach möglich. Ob 2017 zu halten ist, hängt stark davon ab, ob die Behörden im Frühjahr Nachträge zur Baugenehmigung billigen, in denen der Umbau der Entrauchungsanlage niedergelegt ist.

Der BER-Chef ist aber zuversichtlich, dass die Behörde den Daumen nicht senken wird. Im Gegensatz zu der geplanten Eröffnung im Jahr 2012 sei das Bauordnungsamt jetzt gut informiert und habe regelmäßigen Zugang zur Baustelle. Wenn es große Konfliktthemen gäbe, "hätte uns eine der Institutionen sicherlich schon darauf hingewiesen", sagte Mühlenfeld weiter.

Die größten Aufgaben 2016

Neben Baugenehmigung und Brandschutz muss Flughafenchef Mühlenfeld in diesem Jahr noch weitere Aufgaben bewältigen, um den BER an den Start zu bringen. So muss zum einen der Probebetrieb organisiert und der Umzug vorbereitet werden. Ein Jahr, bevor sich etwa 1.500 Lastwagen auf der 35-Kilometer-Strecke auf den Weg machen, muss die Planung beginnen.

Im September 2016 wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Gehen die Nachträge zur Baugenehmigung beim Bauamt nicht glatt durch, könnte im Frühjahr der Eröffnungstermin 2017 kippen - und Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister Berlins und Aufsichtsratschef des Flughafens, hätte in seinem Wahlkampf ein Problem. Und Mühlenfeld auf seiner Baustelle.

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