Arbeiten an der Brandschutz- und Entrauchungsanlage des BER
Abendschau | 09.03.2016 | Boris Hermel

Wachsende Zweifel an BER-Eröffnung 2017 - Der Zeitpuffer schrumpft und schrumpft

Neue Brandschutzprobleme stellen den geplanten BER-Eröffnungstermin 2017 infrage. Die Sanierung des neuen Terminals geht zwar voran, aber die Flughafengesellschaft muss dazu Bauunterlagen nachreichen. Der BER-Chef Mühlenfeld zeigt sich trotzdem zuversichtlich - aber andere zweifeln daran, dass der Termin zu halten ist.

Der Zeitplan zur geplanten BER-Eröffnung 2017 gerät immer stärker unter Druck. Grund sind erneut Probleme mit der Entrauchungsanlage des Flughafens. Das zuständige Bauordnungsamt hält den Antrag der Flughafengesellschaft  über den Umbau der Anlage teilweise nicht für genehigungsfähig. Das geht aus einer aktuellen Stellungnahme des Amtes hervor.

Die Flughafengesellschaft hatte vor knapp vier Wochen und mit mehrmonatiger Verzögerung 53 Aktenbände über den Umbau der Brandschutzanlage beim Bauordnungsamt eingereicht. Aus dessen Sicht gibt es dabei Nachbesserungsbedarf an 13 von insgesamt 188 "Entrauchungsabläufen". Oder wie es in einem internen Schreiben des BER-Technikchefs Jörg Marks heißt: "Die Behörde bewertet diese 13 eingereichten Szenarien als nicht akzeptabel." Für das Amt ist beispielsweise nicht geklärt, wie sich Rauch in einer Etage oberhalb des unterirdischen Flughafen-Bahnhofs im Brandfall verteilen würde, falls unten ein Zug fährt.

Brandenburgs Infrastrukturministerin hält an BER-Eröffnung 2017 fest

Die deshalb nötigen Nachbesserungen an der Anlage könnten auch zusätzliche Bauarbeiten im Terminal nach sich ziehen, wie Marks weiter schreibt. Die Darstellung einiger Szenarien sei nicht tiefgehend genug, sagte auch der zuständige Landrat des Kreises Dahme-Spreewald und Chef des Ordnungsamtes, Stephan Loge (SPD), am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. "Das müssen die Gutachter und Planer des Flughafens schon abarbeiten und nicht der Baubehörde überlassen", so Loge, der trotzdem die termingerechte Eröffnung 2017 noch nicht gefährdet sieht.

Auch der Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hält nach außen hin noch am Zeitplan fest, die Eröffnung 2017 sei noch hinzubekommen. "Wir müssen diese Themen in den nächsten Wochen lösen - und das heißt nicht in zehn Wochen, sondern so vier bis sechs Wochen. Dann ist der Termin noch machbar", sagte Mühlenfeld am Mittwoch der rbb-Abendschau. Allerdings ist der Zeitpuffer für eine Eröffnung 2017 ohnehin bereits auf zwei Monate zusammengeschrumpft. Die von Mühlenfeld angekündigten weiteren Verzögerungen um vier bis sechs Wochen würden die Zeitreserven fast komplett aufbrauchen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Aufsichtsratschef wollte die neue Lage bislang nicht kommentieren. Dafür meldete sich Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) zu Wort. "Ich denke, dass die bisherige Zeitplanung, Ende 2017, nach wie vor machbar ist", sagte sie am Mittwoch in Potsdam. Sie setze darauf, dass sich die beteiligte Untere Baubehörde beim Landkreis Dahme-Spreewald und der Flughafen über die Baumaßnahmen verständigten.

Aufsichtsratssitzung am Freitag soll mehr Klarheit bringen

Mehr Klarheit soll die Sondersitzung des BER-Aufsichtsrats am Freitag bringen, dort steht der zweifelhafte Eröffnungstermin erneut auf der Agenda. Eigentlich sollte es bei der auf Druck des Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) einberufenen Sitzung um den Streit beim Bau des Regierungsterminals am BER gehen. Doch nun soll Müller - wie auch die Opposition zuvor gefordert hat - erklären, wie realistisch der Zeitplan für einen Eröffnungstermin 2017 noch ist.

"Wenn eine Verschiebung auf 2018 zunehmend realistischer wird, sollte Transparenz über die Konsequenzen und die kostenmäßigen Folgen hergestellt werden", sagte auch Berlins CDU-Fraktionschef Stefan Evers dem rbb. Der Obmann der Linken im Verkehrsausschuss des Bundestages, Herbert Behrens, ging noch weiter: "Eine Eröffnung im Jahr 2017 erscheint inzwischen nicht mehr realistisch."

Neue Probleme mit der Entrauchungsanlage

Der Sprecher des Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, Abbou, hatte am Dienstag dem rbb bestätigt, dass es neue Probleme mit dem Brandschutz gibt. Das Schreiben des Technikchefs Marks hatte die neuen Spekulationen um die Eröffnung des BER entfacht. Abbou zufolge muss die Flughafengesellschaft prüfen, wie die geforderten Nachbesserungen umgesetzt werden können. Die Auswirkungen auf den Zeitplan seien daher ungewiss.

Mit Informationen von Boris Hermel

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