Ein Passagierflugzeug landet neben BER am 14.08.2012 in Schönefeld (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 20.02.2017 | Dominik Lenz

Hohe Auslastung des BER erwartet - Flugrouten sollen wieder geändert werden

Weil der BER schon zum Start zu klein sein wird, sollen am Flughafen Schönefeld auch nachts und am frühen Morgen beide Startbahnen genutzt werden. Dazu sollen nun die Flugrouten geändert werden - die zuvor unter viel Streit festgelegt worden waren.

Durch den geplanten Weiterbetrieb des alten Schönefelder Terminals parallel zum Flughafen BER wird es für die Anwohner voraussichtlich lauter, als bisher erwartet: In den nächsten sechs Jahren sei nicht mit sogenannten Lärmpausen zu rechnen, hieß es am Montag vom Vorsitzenden der Schönefelder Fluglärmkommission, Gerhard Steintjes. Solche Pausen entstehen für einen Teil der Anwohner, wenn am späten Abend und am frühen Morgen nur auf einer der beiden Bahnen Flugzeuge abheben und starten.

Am Montag kam dazu eine Absage aus der Fluglärmkommission: Ziel sei es, die Maschinen gleichmäßig auf die Nord- oder Südbahn des Flughafens zu verteilen, sagte Robert Ertler, Planer der Deutschen Flugsicherung (DFS). Dazu sollen die Maschinen schon früh auf die jeweilige Bahn gelenkt werden - durch Änderung der nach viel Streit festgelegten Flugrouten.

Lange Fahrtwege bei nur einer Bahnnutzung

Grund ist, dass die Flughafengesellschaft das alte Schönefelder Terminal parallel zum BER weiterbetreiben will, um alle Passagiere abfertigen zu können - nach Aussagen vom Montag bis mindestens 2023. Das neue BER-Terminal ist schon vom Start weg zu klein.

Stehe nur eine Piste in Schönefeld zur Verfügung, müssten die Piloten mit ihren Maschinen am Boden mitunter Wege von mehr als einer Viertelstunde bis zur Startbahn zurücklegen - womit faktisch die Betriebszeit der Flughafens weiter eingeschränkt werde.

Koalition pocht auf regelmäßige Lärmpausen

Die Fluglärmkommission hat den Auftrag, die Genehmigungsbehörde sowie das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung und die Flugsicherungsorganisation über Maßnahmen zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigungen durch Flugzeuge zu beraten.

Am BER gilt ein Flugverbot von 0.00 bis 5.00 Uhr - in den zwei Stunden davor und eine Stunde danach gelten Einschränkungen. Auf Lärmpausen in diesen Zeiten hatte Rot-Rot-Grün in Berlin im Koalitionsvertrag gesetzt: "Ziel ist es, regelmäßig zu Lärmpausen von sieben Stunden in der Nacht zu kommen", heißt es dort. Auf die von Linken und Grünen geforderte Ausweitung des Nachtflugverbots auf die Zeit von 22.00 bis 6.00 Uhr legte sich Rot-Rot-Grün nicht fest.

Flugrouten sollen geändert werden

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) stellte am Montag bereits Detailpläne vor, wie die Flugzeuge nun auf beide Bahnen gelenkt werden und wie die Flugrouten entsprechend geändert werden könnten. Demnach sollen in einer Entfernung von 28 bis 46 Kilometern vom Flughafen die Anflugrouten leicht angepasst werden. Dort flögen die Maschinen noch in 1.200 bis 1.800 Metern Höhe, hieß es.

DFS-Planer Ertler betonte zugleich: "Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass es zu keiner Mehrbelastung kommt." Die Änderungen seien nur marginal. "Es bleibt bei den 2012 festgelegten Flugrouten."

In der Summe gebe es auch nicht mehr Starts oder Landungen, so Ertler. Am Boden sollen die Flugzeuge dann auf kurzen Wegen und ohne Kreuzung einer Piste ihr jeweiliges Terminal erreichen.

Zusätzliche Überflüge von Blankenfelde

Die Flugsicherung gibt nach wissenschaftlicher Beratung aus Sicherheitsgründen Flugrouten-Varianten auf, bei der Maschinen in Einzelfällen nach dem Start von der Nordbahn sofort nach Süden abdrehen. Die Entscheidung führt zu einigen zusätzlichen Überflügen in Blankenfelde.

Das Bundesunternehmen bekräftigte, dass es den Eröffnungstermin für den Flughafen mindestens 13 Monate vorher erfahren muss, um Simulationen und Schulungen zu starten sowie das Betriebssystem weltweit zu veröffentlichen.

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Der Beitrag von Heiko ist großartig und bringt die Probleme auf den Punkt. Wie sollen engagierte und kluge Bürger für gesellschaftliche Belange motiviert werden, wenn politische Entscheidungen derartige Fehlentscheidungen sind?

  2. 3.

    Kein privates Ingenieurbüro darf sich bei der Kostenschätzung um das Doppelte vertun, ganz zu schweigen vom x fachen.
    Vielleicht um 50 oder 100 Millionen bei einem Großprojekt. Meinetwegen 500 Mio. Aber hier werden die Milliarden nur so durchgewunken und keiner sagt was dazu. Welche Bauleistungen sollen denn hinter einer Verteuerung um inzwischen 4 - 5.000 Millionen Euro stecken? Wer schreibt dafür Rechnungen? Kontrolliert das noch irgend jemand? Der Quark um die angeblich neuen Mini-Flugrouten-Änderungen soll nur ablenken vom Nachtflug.
    Wenn Berlin so viele Milliarden übrig hat, warum müssen dann Gelder für Jugendarbeit und Sport zusammengestrichen werden, warum müssen immer mehr Menschen zur Tafel? Warum quietscht es im Öffentlichen Nahverkehr und im Straßen- und Kanalnetz an allen Ecken und Kanten? Warum wird kommunales Wohneigentum verscherbelt, Stadtwerke, Stadtgüter...
    Die Stadt als Beute. Man hält sich nicht mehr mit Kleinkram auf.

  3. 2.

    Warum gibt man diesen Unsinn nicht endlich auf. Kein Mensch der bei Verstand ist baut einen Flughafen an diese bewohnte Stelle. Außer es gibt viel Geld zu verdienen und man ist selbst nicht betoffen. Deutsche Politik halt. Weg mit dem Mist und einen schönen Vergnügungspark dafür hingebaut. Dann haben alles was davon.

  4. 1.

    Eine Frage: Wenn die bisher geplanten Flugrouten jetzt nochmal geändert werden: Öffnet das nicht neuen Klagen Tür und Tor? Ich glaube, der BBI wird nie fertig. Und wenn er doch fertig wird, geht er nicht in Betrieb. Und wenn er doch in Betrieb geht, ist er viel zu klein. Vielleicht sollte man das Luftwaffenmuseum aus Gatow nach Schönefeld verlegen. Und irgendwo anders nochmal neu anfangen. Oder es einfach ganz sein lassen.

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