Südbahnanflug auf Berlin-Schönefeld über Waltersdorf (Quelle: rbb/Torsten Sydow)

Zunehmender Fluglärm - BER-Südbahn-Anwohner im Dauerstress

Seit Anfang Mai die Schönefelder Südbahn in Betrieb genommen wurde, ist die Fluglärm-Belastung für die Anwohner weiter gestiegen. Sie klagen über nicht ausreichenden Lärmschutz und fühlen sich von der Politik nicht ernstgenommen. Und mit der Eröffnung des BER wird sich die Situation noch einmal verschärfen. Von Torsten Sydow

Bei Ostanflug auf die Startbahn Süd muss jedes Flugzeug über das Haus von Eberhard Müller in der Waltersdorfer Lilienthal-Siedlung. "Besonders wenn im Slot geflogen wird, da werden die Flugzeuge aufgereiht bis hinter Fürstenwalde, dann geht das hier voll durch", schildert Müller die Situation. "Ich habe mal Spitzenwerte bis 96 Dezibel gemessen. Wenn dann auch noch die Scheinwerfer die Zimmer beleuchten, ist das einfach eine Katastrophe."

Ein Leben im Lärm

1999 hat Müller sein Haus in Waltersdorf gebaut, obwohl der damaligen Gemeinde klar war, das wegen eines möglichen Flughafenbaus dort kein Wohngebiet hätte entstehen dürfen. Müller hat nun Bestandsschutz - und durch die Südbahnnutzung ein Leben im Fluglärm-Ausnahmezustand. Lärmschutz fürs Dach würde mehr als 30.000 Euro kosten - Müller hofft, wünscht und erwartet deshalb Hilfe von Brandenburg: "Eine politische Lösung wäre eine Absiedelungslösung, die müsste der Landtag beschließen. Das entsprechende Geld müsste von woanders herkommen - oder die Flughafengesellschaft kauft wie bei einer Übernahme die Häuser und Grundstücke auf. Diese beiden Varianten gibt es", sagt Müller.

Seit Anfang Mai hat sich die Lage verschärft

Eberhard Müller aus Waltersdorf und auch Birgitt Klunk aus dem benachbarten Eichwalde spüren seit der Nutzung der Schönefelder Südbahn Anfang Mai deutlich mehr Fluglärm - und fühlen sich von der Flughafengesellschaft beim Lärmschutz nicht unterstützt. Birgit Klunk spricht von einer von der Flughafengesellschaft heruntergerechneten Entschädigung - und fünfstelligen Zusatzkosten, um ihr Haus in der Gosener Straße gegen Flugzeuglärm zu schützen. Sie zählt auf: "Neue Fenster, zusätzliche Dachdämmung, Küchenausbau, Treppenhaus - um das alles zu berücksichtigen, müssten wir noch weitere 30.000 Euro dazulegen. Und das ist natürlich nicht ohne. Wir sind ja vor allem mit Landungen konfrontiert, die fliegen hier 340 Meter übers Haus. Da hat man das Gefühl, man kann am Fahrwerk kratzen."

Grüne wollen Druck machen

Doch nicht nur gegen die Flughafengesellschaft richtet sich ihr Zorn: Klunk und Müller fühlen sich von der Politik nicht ernstgenommen, sagen sie dem Grünen-Fraktionschef Axel Vogel. Der Lärm heute sei erst der Anfang - kein Vergleich mit dem, was in zwei Jahren mit der BER-Eröffnung in der Luft sein wird. Vogel sagt zu, im Landtag Druck für die Schönefeld-Anwohner zu machen: "Dass alle Schallschutzmaßnahmen durchgeführt sein müssen, bevor der Flughafen in Betrieb geht. Wir wissen, dass sich die Belastungen dann noch verdoppeln oder verdreifachen werden. Jeder Anwohner muss einen vollständigen Lärmschutz erhalten - und zwar mit Außendämmung, denn eine Innendämmung ist unzumutbar."

Ingesamt sind für den BER-Lärmschutz mehr als 700 Millionen Euro beschlossen worden - projektiert und eingebaut ist bislang nur ein Bruchteil.

 

Beitrag von Torsten Sydow

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