Ein Schild vor dem Kinder- und Jugenheim "Haus Babenberg" der Haasenburg GmbH, aufgenommen am 21.06.2013 in Jessern (Brandenburg).

Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt - Haasenburg-Heime klagen gegen Belegungsstopp

Die Betreiber der Haasenburg-Heime wehren sich gegen das Verbot, neue Kinder aufzunehmen. Nun muss das Verwaltungsgericht Cottbus entscheiden.

Die Debatte um Haasenburg-Heime in Brandenburg wird ein Fall für die Justiz. Ermittler untersuchen mit Hochdruck Misshandlungsvorwürfen gegen die Einrichtung. Richter prüfen, ob dem Betreiber die Aufnahme neuer Kinder und Jugendlicher untersagt werden kann.

"Bei uns ist ein Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz eingegangen", sagte ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Cottbus am Dienstag. Es sei noch unklar, wann die zuständige 5. Kammer über den Eilantrag entscheide. Die Haasenburg GmbH wehrt sich damit gegen Maßnahmen von Brandenburgs Bildungs- und Jugendministerium. Dieses hatte in der vergangenen Woche wegen Misshandlungsvorwürfen einen Belegungsstopp verhangen. Zudem hatte Ministerin Martina Münch (SPD) drei Erziehern eine weitere Tätigkeit in den Heimen verboten.

Ermittlungsergebnisse wohl nicht vor Ende August

Die Staatsanwaltschaft arbeite mit Hochdruck an der Aufklärung der Vorwürfe, sagte eine Behördensprecherin. "Wir werden aber trotzdem bestimmt noch bis Ende August brauchen, bis wir etwas sagen können", sagte sie. Derzeit würden Zeugen vernommen und sichergestellte Unterlagen ausgewertet. Für den Fall seien eine Staatsanwältin und drei Beamte abgestellt, hieß es. Zudem werden Computerdaten beim Landeskriminalamt ausgewertet.

In Hamburg steht Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) unterdessen zunehmend in der Kritik, weil einer der ausgerissenen Jugendlichen aus der Hansestadt zurück nach Brandenburg geschickt wurde. "Sein stures Festhalten an der Aussage, dass Hamburger Kinder in der Haasenburg nicht misshandelt wurden, steht in krassem Gegensatz zu den Aussagen der Jugendlichen, die ihre Vorwürfe jetzt erneuert haben", sagte Christiane Blömeke, jugendpolitische Sprecherin der Grünen, in Hamburg.

Jugendlicher spricht von Gewalt im Heim

Der Jugendliche nannte der Tageszeitung "taz" Details: "Sie haben mich zu dritt oder viert auf den Boden geschmissen. Ich bin mit dem Gesicht aufgekommen. Dann haben sie mich über den Boden gezogen wobei ich mir eine Schürfwunde zugezogen habe", zitiert ihn das Blatt.

Der 16-Jährige war gemeinsam mit einem Gleichaltrigen und einem 15-Jährigen aus dem Saarland aus einem der Heime ausgerissen. Er und und der jüngere Jugendliche sind zurück in Brandenburg. Der andere 16-Jährige gilt noch immer als vermisst und wird von der Polizei gesucht.

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Das Kinder- und Jugenheim «Haus Babenberg» der Haasenburg GmbH (Bild:DPA)

Inforadio | 01.07.2013 - "Die Haasenburg als letzte Chance"

In drei Brandenburger Therapieheimen der Haasenburg GmbH sollen Jugendliche schwer misshandelt worden sein. Der Cottbuser Kinder- und Jugendpsychiater Thomas Pap war als Gutachter in den betroffenen Heimen tätig. Seine Gutachten dienten als Grundlage für richterliche Beschlüsse zur Verlängerung von Heimaufenthalten. Im Interview mit Inforadio spricht er über seine Erfahrungen vor Ort.