
Mehr Unterkünfte gebraucht - Zahl der Flüchtlinge in Berlin steigt stark an
Zuletzt regte sich gegen den Bau von neuen Asylbewerberheimen in Berlin zum Teil heftiger Widerstand, nicht nur von Rechtsextremen, sondern auch von normalen Bürgern. Dabei reicht der Platz für die Asylsuchenden schon jetzt kaum aus - und mehr sind auf dem Weg.
Berlin braucht noch mehr Unterkünfte für Flüchtlinge. Das geht aus einem neuen Bericht hervor, den das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) vorgestellt hat.
Allein bis Ende 2013 muss Berlin noch rund 2.500 weitere Flüchtlinge aufnehmen. Allerdings seien alle vorhandenen Unterkünfte bereits belegt. Berlin brauche mindestens noch 1.000 Plätze, betonte Sozialsenator Mario Czaja (CDU). "Die Botschaft an alle Bezirke lautet: Niemand kann sich zurücklehnen. Weiterhin müssen alle Bezirke nach Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge suchen und diese bereitstellen."
Ferner wolle das Land die 1.800 Plätze in Notunterkünften so schnell wie möglich in Gemeinschaftsunterkünfte mit besserer Ausstattung und mehr Betreuung umwandeln. Dann würden diese Plätze wieder für die Erstaufnahmen gebraucht, sagte Czaja. Allerdings verließen Flüchtlinge auch die Heime, weil ihr Asylbegehren abgelehnt wird, sie in andere Bundesländer umsiedeln oder in Wohnungen wechseln.
Jeder Fünfte kommt aus Russland
2012 sei die Zahl der Asylanträge im Bund um 41 Prozent auf rund 64.500 gestiegen, sagte LAGeSo-Präsident Franz Allert. In Berlin sei die Zahl der Erstmeldungen von Flüchtlingen 2012 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 74 Prozent auf 9418 (2011: 5413) geklettert. Das bedeute, dass 15 Prozent aller nach Deutschland einreisenden Flüchtlinge zuerst nach Berlin kämen. Das Land müsse aber nur 5 Prozent dauerhaft aufnehmen. "Die Problematik der Unterbringung liegt auch darin, dass sich die nach Deutschland kommenden Menschen häufig zuerst in Berlin melden", sagte der Präsident des Landesamtes, Franz Allert.
Ein Fünftel aller Asylbewerber in Berlin kommt aus der Russischen Föderation, vor allem Tschetschenen (21 Prozent). Jeder dritte Asylbewerber reist aus Serbien (16,7 Prozent), Bosnien und Herzegowina (15,8 Prozent) ein. Das seien vor allem Roma, sagte Allert. 9,6 Prozent seien Vietnamesen, 6 Prozent kämen aus Afghanistan, 5,3 Prozent aus Syrien und 5,1 Prozent aus Iran. Die Zahl der Flüchtlinge sei in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Wurden 2011 insgesamt im ersten Halbjahr 978 in Berlin aufgenommen, waren es 2012 schon 1183 und in den ersten sechs Monaten 2013 bereits 2344.
Berlin oft erste Anlaufstelle
Insgesamt leben nach Angaben Czajas in Berlin derzeit rund 14.000 Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen. 2012 wohnten davon rund 6.000 in Not- oder Gemeinschaftsunterkünften, die es mittlerweile in allen Bezirken der Stadt gibt.
Czaja wie Allert appellierten an die Kommunalpolitiker wie an die Bürger, gemeinsam alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf, ein faires Asylverfahren und ihren Kindern Bildungschancen zu gewährleisten. Zugleich verteidigten sie die Informationspolitik des Landes. Die Ankunft der Flüchtlinge sei oft nicht planbar, sagte der Sozialsenator. Die Anwohner würden so früh wie irgend möglich informiert. In jüngster Zeit hatte es immer wieder teils heftige Proteste von Nachbarn geplanter Flüchtlingsheime gegeben, zuletzt in Hellersdorf.



