Pressekonferenz im Flüchtlingscamp am Oranienplatz (Quelle: dpa)

Vergewaltigung im Camp? - Flüchtlinge am Oranienplatz beklagen Phantom-Debatte

Die Flüchtlinge im Camp am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg haben die Vergewaltigungsvorwürfe zurückgewiesen und fühlen sich durch die Anschuldigungen diskreditiert. Vom Land Berlin und vom Bund fordern sie die Einlösung ihrer Forderungen.
Die Bewohner des Flüchtlingscamps am Berliner Oranienplatz wissen nach eigener Auskunft nichts von einer angeblichen Vergewaltigung im Camp und fühlen sich von den Medien diskriminiert. "Für uns ist das eine Phantom-Debatte. Wir hatten keinen Kontakt zum Opfer und keinen Kontakt zum Täter. Polizeiliche Ermittlungen haben auch nicht stattgefunden", sagte ein Flüchtling am Montag auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

Die Flüchtlinge hätten keine sicheren Hinweise, dass eine Frau im Camp oder in der besetzten Schule vergewaltigt worden sei. Zugleich sprachen sie sich gegen jede Form von Gewalt, Sexismus und Rassismus aus.

"Schwarz steht für alles Böse und Schlimme"

Nach einem Medienbericht hatten drei Frauen gesagt, sie seien in der von den Flüchtlingen besetzten Schule vergewaltigt worden. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben seit dem vergangenen Wochenende aufgrund des Berichts von Amts wegen. Eine Anzeige liege nicht vor, sagte ein Polizeisprecher. Einen ersten Hinweis auf eine Vergewaltigung hatte es zwei Monate zuvor auf der alternativen Internet-Plattform "Indymedia" gegeben. Danach soll eine Frau von einem Mann aus dem Unterstützerkreis in einer Privatwohnung vergewaltigt worden sein.

Die Flüchtlinge warfen den Medien vor, solche Vorwürfe ohne gesicherten Erkenntnisse und Beweise zu verbreiten, um Stimmung gegen sie zu machen. "Die Flüchtlinge sind nicht in Deutschland willkommen. Wir sind immer unter Druck", hieß es in einer verlesenen Erklärung. "Wir wollen reden über Sexualgewalt und Vergewaltigung, die allen Afrikanern zugeschrieben wird. Schwarz steht für alles Böse und Schlimme", kritisierte eine Flüchtlingsfrau. Als Beispiele in der deutschen Sprache nannte sie "Schwarzarbeit" oder "Schwarzfahren".
Zelte im Flüchtlingscamp am Berliner Oranienplatz (Bild: Imago)
Anwohner sollen sich über die hygienischen Zustände beschwert haben.

Abschaffung der Residenzpflicht und der Gemeinschaftsunterkünfte gefordert

"Wir lassen uns nicht erniedrigen und instrumentalisieren für Stereotype, die allen Flüchtlingen zugeschrieben werden", betonten sie. Zugleich wurden die Spannungen im Camp deutlich. Mehrere Schwarzafrikaner aus Mali und Nigeria störten massiv die Veranstaltung. Sie warfen den Flüchtlingen, die die Pressekonferenz abhielten, vor, sie seien weder Flüchtlinge noch wohnten sie in dem Camp am Oranienplatz. Sie hätten keinerlei Recht, für alle Flüchtlinge zu sprechen.

Die Flüchtlinge warfen zudem dem Senat und Bundespolitikern vor, bisher keine ihrer Forderungen erfüllt zu haben. "Wir sind Spielball der europäischen Flüchtlingspolitik", erklärten sie. Die etwa 100 Flüchtlinge protestieren seit Monaten auf dem Oranienplatz dafür, dass die Lebensbedingungen für Asylsuchende in Deutschland verbessert werden. Sie fordern etwa die Abschaffung der Residenzpflicht und der Gemeinschaftsunterkünfte sowie eine Arbeitserlaubnis. Sie wollten arbeiten und nicht abgeschoben werden.

Dem Senat hielten sie vor, er wolle jetzt einen Seuchenbeauftragten ins Camp schicken, um so einen Vorwand für die Auflösung des Camps zu haben. Dazu erklärte eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, die Landesbeauftragte für Infektionsschutz habe dem Gesundheitsamt von Friedrichshain-Kreuzberg angeboten, es bei einer Begehung des Camps am Oranienplatz zu begleiten. Es gehe darum, die hygienischen Zustände, über die sich auch viele Anwohner beschwerten, zu überprüfen. Auf die Bitte nach einem Termin habe der Bezirk bisher nicht geantwortet. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will das Flüchtlingscamp am Oranienplatz weiter dulden und sucht nach politischen Lösungen.

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