Blick in einen Wohnraum in einer Flüchtlingsunterkunft in Würzburg (Quelle: dpa)

Umfrage der "Berliner Zeitung" - Jeder fünfte Berliner gegen Flüchtlingsheim in der Nachbarschaft

Seit Monaten wird in Berlin über Flüchtlingsheime gestritten. Eine Umfrage zeigt jetzt: Die überwiegende Mehrheit der Berliner hätte kein Problem mit einer solchen Unterkunft in unmittelbarer Nähe. Eine überraschend große Minderheit aber doch: 21 Prozent der Befragten würden sich von einem Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft gestört fühlen.
Jeder fünfte Berliner würde sich laut einer Umfrage von einem Flüchtlingsheim in seiner Nachbarschaft gestört fühlen. Dies geht aus einer Forsa-Analyse im Auftrag der "Berliner Zeitung" (Montagsausgabe) hervor.

Demnach gaben 21 Prozent der Befragten an, dass sie eine Unterkunft in der Nachbarschaft "stark" oder "sehr stark" stören würde, 65 Prozent sprachen sich hingegen dafür aus, dass Asylbewerber nicht in "Ghettos" am Stadtrand, sondern in den Wohngebieten untergebracht werden sollten.

Die Ablehnung den Asylbewerbern gegenüber ist laut der Studie im Osten und Westen der Hauptstadt nur leicht unterschiedlich. Während sich in Ost-Berlin 23 Prozent der Befragten von einem Flüchtlingsheim gestört fühlen würden, waren es im Westen der Stadt 19 Prozent. Am stärksten lehnten über 45 Jahre alte Berliner sowie CDU-Wähler die Unterbringung von Asylbewerbern in den Innenstadtkiezen ab.

Laut "Berliner Zeitung" gab etwa die Hälfte der Befragten an, dass die Einrichtung eines Asylbewerberheims Auswirkungen auf den Stadtteil haben würde. Am stärksten befürchteten die Menschen einen Anstieg von Kriminalität und Gewalt (29 Prozent), gefolgt von sozialen Spannungen (18 Prozent) sowie der Zunahme von Müll, Dreck und Lärm (16 Prozent). Für die Erhebung wurden zwischen dem 16. und 25. Juli 1.005 Menschen befragt.

Engagement für und gegen Flüchtlingsheim in Hellersdorf

In Berlin wird seit Monaten immer wieder um neue Flüchtlingsheime gestritten. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf will eine Bürgerinitative verhindern, dass Asylbewerber in einer ehemaligen Schule untergebracht werden. Ihre Internetseite wird bereits vom Verfassungsschutz beobachtet, weil sich in Kommentarbeiträgen rassistische Äußerungen befinden.

Als Gegenbewegung fanden sich im Internet Unterstützer des Asylheims zusammen. Die Facebook-Seite zählt bereits gut 6.700 Unterstützer - mehr als dreimal so viele wie die Seite der Bürgerinitiative.

Auch gegen eine Notunterkunft in Charlottenburg hatte sich Widerstand geregt. Dort gab es eine Unterschriftenaktion gegen das Heim in der Soorstraße. Erst ein Informationsabend konnte die Wogen etwas glätten. Später engagierten sich Anwohner, um die Asylbewerber zu unterstützen.

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