Blaszkiewitz zeigt sich "enttäuscht" - Politiker erfreut über Personalwechsel an der Zoo-Spitze

Für negative Schlagzeilen sorgte Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz in den vergangenen Jahren immer wieder. Dass der Aufsichtsrat ihn dennoch kurzerhand vor die Tür setzen würde, überraschte am Mittwoch dennoch. Die Politik ist froh: Jetzt sei der Weg frei für einen Neuanfang bei den Berliner Zoos. Die Linke jedoch setzt auch andere Akzente.

Die Ablösung von Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz stößt parteiübergreifend auf positives Echo.

Der Berliner Landesbeauftragte für den Tierschutz, Horst Spielmann, begrüßte die Entscheidung. Berlin sollte sich jetzt an erfolgreichen Zoos wie in Hannover oder Leizpig orientieren, forderte er. In Hannover habe ein neuer Direktor den Zoo mit weniger Tieren, aber artgerechten Gehegen aus den roten Zahlen geholt.

Auch Sprecher von SPD und CDU begrüßten den Wechsel an der Zoospitze. Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgegordnetenhaus, Danny Freymark, beispielsweise kritisierte im rbb-Inforadio, dass es in den vergangenen Jahren einen Stillstand im Zoo und im Tierpark gegeben habe. Ideen seien nicht umgesetzt worden.
Es müsse geprüft werden, ob Blaszkiewitz nicht bereits vor Juni 2014 abgelöst werden könne.
Freymark forderte, der künftige Chef müsse Managerqualitäten haben und Tier- und Artenschutz vereinbaren. Der Aufsichtsrat sollte aktiv einen Nachfolger suchen.
Der CDU-Politiker betonte, der Tierpark müsse attraktiver werden, beispielsweise durch eine Seilbahn oder einen erweiterten Streichelzoo. Es genüge nicht, einfach nur den Eintritt zu erhöhen.

Für die Linke ist jedoch im Hinblick auf die Zukunft des Tierparks nicht der Führungswechsel entscheidend. Wichtiger sei, wie viel Geld Rot-Schwarz bereit ist, in den Tierpark zu investieren.

Pop: Weg frei für einen Neuanfang

Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus bewerten die Entscheidung ebenfalls positiv. Fraktions-Chefin Pop sagte dem rbb, besonders der Tierpark brauche eine Modernisierung, damit wieder mehr Besucher kämen. Dem habe Blaszkiewitz zunehmend im Weg gestanden. Deshalb sei es richtig gewesen, den Weg für einen Neuanfang freizumachen, so Pop.

Die Tierschutzexpertin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, hatte jedoch am Mittwochabend bedauert, dass sich der Aufsichtsrat nicht zu einer sofortigen Lösung habe entschließen können.

Blaszkiewitz selbst zeigte sich sich enttäuscht über seine Ablösung. Er sei geknickt, sagte er der "Bild-Zeitung". Der Beschluss des Aufsichtsrates, seinen Vertrag Mitte des kommenden Jahres auslaufen zu lassen, sei für ihn überraschend gekommen. Er sei aber das gute Recht des Gremiums.

Vertrag läuft noch bis Mitte nächsten Jahres

Der Aufsichtsrat der Zoo AG hatte seine Entscheidung am Mittwoch nach stundenlanger Beratung bekanntgegeben. Der Vertrag von Blaszkiewitz, der Ende Juni 2014 ausläuft, werde nicht verlängert.

Aufsichtsratschef Frank Bruckmann dankte dem 59-Jährigen laut einer Mitteilung des Zoos für seine engagierte Arbeit. Zugleich betonte Bruckmann: "Wir möchten jetzt die Weichen dafür stellen, mit neuen Ideen und einer neuen Spitze beider Berliner Tiergärten die Herausforderungen der Zukunft zu meistern."

Das Gremium hatte die außenordentlichen Sitzung einberufen, nachdem in der Vorwoche Finanzvorstand Gabriele Thöne das Handtuch geworfen hatte. Sie wollte damit nach eigenen Angaben zu einem Neuanfang in der Unternehmensleitung beitragen. Politiker von SPD und CDU hatten danach gefordert, dass das Aufsichtsgremium Entscheidungen für eine neue Geschäftsführung trifft.

Reformstau und Frauenfeindlichkeit

Blaszkiewitz ist seit mehr als sieben Jahren Chef der beiden Berliner Tiergärten. Seit Jahren steht er in der Kritik. Tierschützer werfen dem Zoo-Direktor vor, die Tierhaltung in Zoo und Tierpark mit veralteten Methoden zu betreiben. Käfige und Gehege seien marode und zu klein.

Zudem kommt die Entwicklung neuer Konzepte für die beiden Tiergärten nicht voran. Für den Tierpark in Friedrichsfelde war schon 2011 ein Masterplan erarbeitet worden - umgesetzt wurde er nicht, fünf Millionen Euro des Senats wurden nicht abgerufen.

Kritik kommt auch von den Mitarbeitern. Sie bemängeln einen ruppigen Umgangston und Frauenfeindlichkeit des 59-Jährigen.

Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass Blaszkiewitz in internen Schreiben vor die Namen von Mitarbeiterinnen die Formel 0,1 gesetzt hatte. Diese steht in der Zoo-Welt für "Weibchen", bei einigen Arten auch für "Zuchtstuten". Frauensenatorin Dilek Kolat (SPD) hatte daraufhin erklärt, Blaszkiewitz habe sich als Führungskraft disqualifiziert. Der Zoo-Direktor sprach dagegen von einer Kampagne gegen ihn.