
Mehr Erstklässler – Schulen stellen Fertigbauten auf - Fürs Leben lernen im Modulbau
Für 30.000 Berliner Erstklässler hat am Montag der Ernst des Lebens begonnen. Doch da die Schülerzahlen steigen, platzen Schulen in einigen Bezirken aus allen Nähten. Nun sollen "modulare Ergänzungsbauten" her, um Abhilfe zu schaffen - zum Beispiel in Pankow.
Dass die Zahl der Schüler steigt - um insgesamt 3.800 im gerade begonnenen Schuljahr -, ist eigentlich eine erfreuliche Nachricht für die Stadt. Bis 2030 rechnet die Berliner Schulverwaltung mit 65.000 zusätzlichen Kindern und Jugendlichen an den Schulen. Doch schon jetzt schlagen viele Bezirke Alarm. Sie wissen nicht mehr, wo sie die Schüler unterbringen sollen.
Pankow baut – aber keine Schulen
Beispiel Pankow: Dort herrscht regelrechtes Baufieber. Wohin man schaut, es rollt der Bagger. Nirgendwo sonst in der Stadt wurde in den letzten drei Jahren soviel gebaut wie hier, sagt Bildungsstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz: Ein Viertel aller Wohnungen des Landes Berlin seien in dem Zeitraum in Pankow entstanden.
Neue Schulen wurden allerdings nicht errichtet, weshalb die Grundschulen in diesem Schuljahr noch voller sind als im vergangenen, so die Stadträtin: "Wir haben alle Raumkapazitäten ausgenutzt – leider bei manchen Schulen unter Einschränkungen, etwa der Horträume."
Die Situation wird sich in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen, da ist sich Zürn-Kasztantowicz sicher: Laut Senatsprognose wird Pankow stärker wachsen als alle anderen Berliner Bezirke. Und Schulplätze fehlen hier schon seit Jahren.
26 Millionen Euro für Fertigbauten
Doch auch in Lichtenberg oder Marzahn-Hellersdorf wird es eng für die Schüler. Der Senat will nun helfen. Ab dem kommenden Schuljahr sollen Fertigbauten finanziert werden. Knapp 26 Millionen Euro sollen in den kommenden zwei Jahren für so genannte "modulare Ergänzungsbauten" zur Verfügung gestellt werden. Diese sollen an bereits bestehende Grundschulen andocken. In Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf werden zudem stillgelegte Schulgebäude reaktiviert. Das geht schneller und dürfte günstiger sein als ein solider Neubau. Für den braucht man ab der Planung im Schnitt fünf Jahre.
"Besser als Hortbetreuung auf dem Flur"
Die Bezirke reagieren positiv auf diesen Vorstoß. Doch es gibt auch Kritik an den Fertigbauten. Landeselternsprecherin Lieselotte Stockhausen-Döring hält sie höchstens als Notlösung für akzeptabel, damit nicht etwa die Hortbetreuung auf den Flur ausweichen oder Bibliotheken aufgelöst werden müssen.
Für Stockhausen-Döring sind die geplanten Fertigbauten einfach nur "Container", wie es sie in der Stadt zu Dutzenden gibt. Viele waren als Provisorium während Sanierungsarbeiten aufgestellt worden. In Neukölln stehen einige schon seit über 20 Jahren.
Der Senat müsse endlich den Bau neuer Schulen voranbringen und der Bildung einen Wert geben, fordert die Elternsprecherin: "Im 19. Jahrhundert hat man Wert auf schöne Bildungstempel gelegt. Heute sind das allenfalls noch Zweckbauten oder eben mobile Unterrichtsräume."
Scheeres will 580 Millionen für Schulgebäude ausgeben
Der Senat scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben. In den kommenden Jahren sollen mehr Schulen gebaut und saniert werden. Insgesamt 580 Millionen Euro will Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zur Verfügung stellen. Doch noch muss das Abgeordnetenhaus darüber abstimmen.
Ob auch in Pankow neue Schulen gebaut werden, steht allerdings in den Sternen. Der Bezirk hat so gut wie keine Grundstücke dafür.





