
Gutachten vom Betreiber fehlt noch immer - Flüchtlingsunterkunft in Hellersdorf wird weitergebaut
Der Bezirk braucht die Plätze dieser Notunterkunft im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Und für die Flüchtlinge wäre dann auch der benötigte Platz da. Doch bei einigen Anwohnern gibt es weiter große Vorbehalte gegen das Heim. Am Montag nun soll weiter gebaut werden. Der Bezirk will die Wogen glätten und die Bürger bei Informationsveranstaltungen aufklären.
Der Umbau an der umstrittenen Notunterkunft für Flüchtlinge im Berliner Stadtteil Hellersdorf soll am Montag fortgesetzt werden. Der Baustopp sei aufgehoben werden, sagte Baustadtrat Christian Gräff (CDU) am Sonntag der „Berliner Morgenpost“.
Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf habe diese Entscheidung getroffen, obwohl der Betreiber das verlangte Brandschutzgutachten noch nicht vorgelegt habe, sagte Gräff. Dieses müsse nun spätestens in 14 Tagen erbracht werden. Sonst könnten in der ehemaligen Schule keine Flüchtlinge untergebracht werden.

Unterkunft auf Fluren mit Notbetten
Das Land kann bereits jetzt die vielen Flüchtlinge in Berlin nicht mehr ordnungsgemäß unterbringen. Alle 30 Unterkünfte seien restlos überfüllt, hatte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) Ende Juli mitgeteilt. Einige Asylbewerber und ihre Familien müssen schon vorübergehend in Gemeinschafts- und Fernsehräumen oder Spielzimmern der Heime schlafen. Selbst in Fluren wurden Notbetten aufgestellt. Die Behörde hatte gehofft, in der kommenden Woche die ersten 60 bis 100 Flüchtlinge in Hellerdorf unterbringen zu können. Das dürfte sich erneut trotz des nun aufgehobenen Baustopps verzögern.
Die Berliner Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast hatte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Hellersdorf für einen toleranten und bunten Bezirk geworben. „Die Stadt muss für alle da sein. Das ist der Kernsatz, für die, die schon da sind, und für die, die hier bei uns Zuflucht suchen“, sagte sie.
Bürger sollen auf Veranstaltungen informiert und gehört werden
Gegen die Notunterkunft regt sich beträchtlicher Widerstand unter den Anwohnern. Auch die rechtsextreme NPD hatte Mitte Juli bei einer Informationsveranstaltung Stimmung gemacht.
Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) will in der zweiten Augusthälfte vier Diskussionsveranstaltungen ausschließlich für die Anwohner anbieten.
Allerdings ist Komoß plötzlich erkrankt. Aufgrund einer kurzfristig notwendig gewordenen Operation werde der SPD-Politiker voraussichtlich bis Mitte Oktober 2013 nicht im Dienst sein, teilte das Bezirksamt mit. Sozial-Stadträtin Dagmar Pohle (Linke) soll ihn vertreten.



