Ein Polizist klopft im Rahmen einer Razzia am 27.08.2013 an die Eingangstür der Rocker-Gaststätte "Germanenhof" im Stadtteil Hohenschönhausen in Berlin. (Quelle: dpa)

Rockerrazzia in Berlin und Brandenburg - Polizei findet keine Waffen bei den "Hells Angels"

Eine Großrazzia der Polizei in Berlin und Brandenburg hat am frühen Dienstagmorgen nicht das erhoffte Ergebnis gebracht: 280 Polizisten durchsuchten Wohnungen, Büros und Lokale von Mitgliedern der "Hells Angels". Gefunden wurde nicht viel, nur geringe Mengen an Betäubungsmitteln. Trotzdem zeigt sich das Berliner Landeskriminalamt zufrieden.

Die Polizei in Berlin und Brandenburg geht weiter gegen die Rocker-Kriminalität vor: Am Dienstagmorgen führten 280 Beamte an 13 Orten eine Großrazzia durch. Wohnungen, Büros und Lokale von Mitgliedern der Gruppe "Hells Angels" wurden durchsucht. Als Grund gab die Polizei Hinweise an, wonach Tatverdächtige im Besitz von Schusswaffen seien. Entdeckt wurden aber keine Revolver, Pistolen oder Schrotflinten, sondern nur geringe Mengen an Betäubungsmitteln, wie ein Polizeisprecher sagte.

Das Berliner Landeskriminalamt hat sich trotzdem zufrieden mit der Großrazzia gegen die Rockergruppe "Hells Angels" gezeigt. Die Leiterin des zuständigen Dezernats, Heike Rudat, sprach am Dienstag im rbb von einem Erfolg. Die Strafverfolger hätten bewiesen, dass sie auch im Rockermilieu bei dem Verdacht auf Waffen- oder Drogendelikte handlungsfähig seien. Rudat zeigte sich zudem zuversichtlich, dass die Polizei in Zukunft noch Beweismittel bei weiteren Durchsuchungen finden wird.

Etwa 300 Polizisten waren in Berlin und Brandenburg im Einsatz. Die Beamten durchsuchten von 5:00 bis 9:30 Uhr Wohnungen, Gaststätten und einen Autohandel in Eberswalde. Zugrunde lagen den Angaben zufolge 13 richterliche Durchsuchungsbeschlüsse.

Schwerpunkt in Berlin war der "Germanenhof"

Ein Schwerpunkt war dabei die Rockerkneipe "Germanenhof" in Berlin-Wartenberg. Hier hatte es in den vergangenen Jahren vermehrt Einsätze gegeben. So wurde dort vor gut einem Jahr ein führender Rocker angeschossen und lebensgefährlich verletzt.

In Berlin untersuchten die Beamten außerdem vier Wohnungen und das "Berliner Fußball Café" in Lichtenberg. In Brandenburg gab es Einsätze in ebenfalls vier Wohnungen und einem Autohandel in Eberswalde (Barnim), Teltow (Potsdam-Mittelmark) und Fredersdorf-Vogelsdorf (Märkisch-Oderland). Der Autohandel befindet sich in Eberswalde. An einzelnen Einsätzen waren auch Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) beteiligt.

Der Großrazzia waren umfangreiche Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Waffengesetz vorausgegangen, wie der Polizeisprecher berichtete. "Erwartet haben wir den Fund von Revolvern, Schrotflinten und Pistolen mit dazugehöriger Munition." Warum die Beamten dann doch keine Waffen entdeckten, blieb unklar. "Die Ermittlungen dauern an", hieß es. Es lagen zunächst auch keine Angaben vor, welche Drogen beschlagnahmt wurden.

Polizei-Razzia gegen Rocker in Brandenburg (Bild: dpa)
Im Juli wurden über 60 Objekte in Brandenburg und Berlin durchsucht

Brandenburg verbietet zwei Gruppierungen der Hells Angels

Zuletzt war es Anfang Juli in Berlin und Brandenburg zu einem Großeinsatz der Polizei gegen Rockergruppen gekommen. Dietmar Woidke, Brandenburgs damaliger Innenminster, verbot daraufhin zwei Gruppierungen der Hells Angels: "Hells Angels Motorcycle Club (MC) Oder City" und dessen Unterorganisation "Oder City Kurmark".

Von ihnen wurden 46 Clubs und Wohnungen durchsucht, die meisten davon laut Ministerium in Eisenhüttenstadt, Beeskow und Storkow. Dabei wurden neben Motorrädern und Waffen rund 14.000 Euro sowie Testosteron sichergestellt. Den beiden Gruppierungen gehören laut Brandenburgs Innenministerium 31 Personen an.

Woidke erklärte zum Hells-Angels-Verbot, von dem Verein gehe eine schwerwiegende Gefährdung des Rechtsordnung und der öffentlichen Sicherheit aus. Die Rockergruppierung versuche, ihre regionale Vormachtstellung in Brandenburg auszubauen und die Einflussgebiete konkurrierender Gruppierungen zu dezimieren.

Hintergrund

Die Hells Angels in Berlin und Brandenburg

In Deutschland geht das Bundeskriminalamt von etwa 8.000 Rockern aus - die Hells Angels haben Schätzungen zufolge rund 1.000 Mitglieder. In Berlin sind es laut Polizei etwa 500, insgesamt gehören in der Hauptstadt rund 1.000 Menschen der Rockerszene an.

In Brandenburg geht die Polizei von derzeit etwa 300 Rockern aus, rund die Hälfte von ihnen sind Hells Angels.

Die "Höllenengel" gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub weltweit. Sie wurden von Kriegsveteranen in Kalifornien 1948 gegründet. Der Name stammt von einer Bomberstaffel. Ihr Emblem ist der geflügelte Totenkopf. Aus der Gruppe von Harley-Davidson-Fans wurde eine straff geführte Organisation mit Mitgliedern in rund 30 Ländern. Der erste deutsche Ableger entstand 1973.

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