Haasenburg Heim in Neuendorf am See (Quelle: dpa)

"Keine Gefährdungshinweise in Neuendorf" - Belegungsstopp für Haasenburg-Heime zum Teil aufgehoben

Ein Heim der Haasenburg GmbH in Brandenburg darf weiter Jugendliche aufnehmen. FDP und Grüne fordern einen Belegungsstopp- bis die Misshandlungsvorwürfe ausgeräumt sind. Bildungsministerin Münch bleibt bei ihrer Entscheidung und verweist auf rechtliche Gründe.

Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD) hält an ihrer Entscheidung fest, das Heim der umstrittenen Haasenburg GmbH in Neuendorf wieder mit Jugendlichen zu belegen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass dort Kindeswohl konkret gefährdet ist, sagte Münch am Freitag in einer Sondersitzung des Bildungsausschusses im Potsdamer Landtag. Dagegen gilt weiterhin am Standort Müncheberg der Mitte Juli ausgesprochene Belegungsstopp. Laut Münch kann dort auf Grund von Medienberichten und staatlichen Ermittlungen die "notwendige pädagogische Ruhe" für die Arbeit nicht gewährleistet werden.

Am Donnerstag hatte Münch entschieden, dass in Neuendorf ab dem 1. September wieder Jugendliche unter Auflagen aufgenommen werden können. Der dritte Standort der GmbH in Jessern ist zurzeit vom Träger außer Betrieb genommen.

Hintergrund sind Missbrauchsvorwürfe einiger Heimbewohner; die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt derzeit gegen Erzieher und den Betreiber. Münch hatte zunächst einen bis zum 31. August befristeten Belegungsstopp für alle drei Heime ausgesprochen. Zudem wurden drei Erzieher suspendiert. Die Haasenburg GmbH weist die Vorwürfe zurück.

FDP und Grüne fordern kompletten Belegungsstopp

Münch bekräftigte am Donnerstag noch einmal ihr "differenziertes Vorgehen" und erteilte damit Vertretern der FDP und der Grünen im Ausschuss eine Absage. Diese wollten über einen Antrag einen pauschalen Aufnahmestopp bis zum Abschluss der strafrechtlichen Untersuchungen erwirken. Münch sagte, sie verstehe das Ansinnen, ihr seien "jedoch rechtlich die Hände gebunden".

Kein Jugendamt, das mit der Haasenburg zu tun hatte, habe von bedenklichen Mängeln berichtet, betonte die Ministerin. Allerdings gebe es auch Kritikpunkte: Häufig würden die Zuständigkeit der Pädagogen wechseln und ob wirklich für alle Kinder und Jugendlichen die Haasenburg die richtige Einrichtung sei, bliebe "fraglich".
Die brandenburgische CDU-Fraktion kündigte indes an, in einem internen Ausschuss am Dienstag (3. September) Vertreter der Haasenburg anzuhören. Noch im September will eine von Münch eingesetzte Kommission einen Zwischenbericht zum Konzept der Heime vorlegen. Bisher hieß es, die Kritik an den Heimen beziehe sich überwiegend auf die Jahre vor 2010. Damals seien Auflagen und Beschäftigungsverbote erteilt worden.

Haasenburg Heim in Neuendorf am See (Quelle: dpa)
Anfang der Woche waren erneut drei Jugendliche geflohen

Wieder Flucht von Jugendlichen

Erst am Montag waren zum zweiten Mal Jugendliche aus dem Heim in Neuendorf am See weggelaufen. Ein Mädchen und zwei Jungen hatten das Heim nach Angaben des Jugendministeriums verlassen.

Inzwischen wurden alle drei wiedergefunden. Zwei wurden ins Heim zurückgebracht, der dritte Teenager ist in seiner Heimatstadt Hamburg.

Die beiden Jungen waren schon Anfang Juli einmal aus dem Heim geflohen. Sie waren es auch, die damals schwere Vorwürfe gegen Erzieher erhoben und von Demütigungen und Misshandlungen berichteten.

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