Mark Rackles, Staatssekretär für Bildung, Jugend und Wissenschaft in Berlin (Foto: SPD)
Inforadio | 12.08.2013 Interview mit Staatssekretär Mark Rackles (SPD)

"Verantwortlicher Umgang mit Steuergeldern" - Senat verteidigt temporäre Schulgebäude

Viele Schulen in Berlin klagen über Raumnot - die Schülerzahlen sind gestiegen. Der Senat will nun 14 Ausweichquartiere aufstellen, die bis zu 20 Jahre genutzt werden können. Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) lobt die günstigen Kosten.

Der Berliner Senat hat seinen Plan verteidigt, angesichts wachsender Schülerzahlen keine neuen Schulgebäude zu errichten, sondern so genannte modulare Ergänzungsbauten an bestehende Häuser anzudocken.

Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) sagte am Montag im rbb, man baue 14 dieser Gebäude in Bezirken, in denen ein besonders starker Anstieg der Schülerzahlen zu erwarten sei. Jeder Bau könne zehn bis 20 Jahre genutzt werden. Vom "Containercharme der 1970er und 80er Jahre" könne aber nicht die Rede sein: Die stapelbaren Gebäude seien hochmodern, sagte Rackles.

Das Gebäude der Clay Schule in Berlin-Pankow erinnert an einen Container (Quelle: Clay-Schule/Beier)
Berliner Eltern kritisieren seit Jahren marode Schulgebäude. Besonders betroffen ist die Clay-Schule in Pankow.

Flexibler Umgang

Rackles nannte das Vorgehen einen verantwortlichen Umgang mit Steuergeldern: Die Fertigbauten seien in einem Jahr und damit deutlich schneller und günstiger zu errichten als solide Schulgebäude, sagte Rackles. Bei letzteren dauere Planung und Bau drei bis vier Jahre. Für die Fertigbauten will der Senat den Bezirken 26 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Damit sei sichergestellt, dass nicht neue Schulen gebaut würden, die wieder geschlossen werden müssten, falls die Zahl der Schüler doch nur lokal und zeitlich begrenzt steige, sagte Rackles.

Zusätzlich würden bestehende Schulen saniert und neue an den Orten gebaut, an denen die Schülerzahlen voraussichtlich dauerhaft stiegen. Dafür gebe das Land in den kommenden Jahren 400 Millionen Euro aus.

Unterschiedliche Optik

Laut Bildungsverwaltung werden die Fertigbauten optisch an die bestehenden Gebäude am jeweiligen Standort angepasst. "Sie sehen dann aus wie ein Neubau", sagte Sprecherin Beate Stoffers dem rbb.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werde in Kürze einen Wettbewerb für die Bauten ausschreiben.

Eltern warnen vor Dauerzustand

Die Landeselternvertretung hatte die stapelbaren Fertiggebäude als Notlösung bezeichnet und gefordert, neue Schulen zu bauen. Der Senat müsse der Bildung wieder einen Wert geben, sagte Landeselternsprecherin Lieselotte Stockhausen-Döring dem rbb. Sie warnte davor, dass Provisorien oft zum Dauerzustand würden.

Kinderwagen mit Drillingen [dpa]
Die Kinderzahl in Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf ist erheblich gestiegen.

Mehr Schüler in Berlin

Hintergrund der Planungen sind gestiegene Schülerzahlen. Im Schuljahr 2013/14 liegt die Gesamtzahl der Schüler in Berlin erstmals seit 16 Jahren wieder höher als im Vorjahr. Rund 3.800 zusätzliche Schüler werden unterrichtet. Bis 2030 rechnet die Schulverwaltung mit 65.000 mehr Kindern und Jugendlichen bei derzeit 325.000 Schülern.

Dabei stellt sich die Lage in den einzelnen Bezirken unterschiedlich dar. Insbesondere in Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf gibt es bereits jetzt Platzprobleme, und es werden weiter steigende Schülerzahlen erwartet.

 

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