
Neu im Visier: "Red Devils" in Seelow - Brandenburger Polizei sieht Erfolge gegen Rocker
Seit Monaten geht die Polizei deutschlandweit gegen kriminelle Rockerclubs vor. Das zeigt offenbar Wirkung: Weniger Mitglieder und Straftaten verzeichnet zum Beispiel die Polizei in Brandenburg. "Die Logistik ist gestört", sagt LKA-Chef Volkland. Doch nun bereitet ein neuer Rockerclub in Seelow Probleme.
Brandenburgs Polizei geht nach eigener Einschätzung erfolgreich gegen kriminelle Rocker vor. "Wir beobachten eine starke Verunsicherung der Szene. Unser Vorgehen hat sie beeindruckt", sagte Dirk Volkand, Chef des Brandenburger Landeskriminalamts, am Sonntag dem rbb.
Die "Null-Toleranz-Linie" der Polizei habe sichtbare Auswirkungen auf das "Personenpotential" der Rocker: Die Zahl der Mitglieder sei von 400 (2011) auf 300 Personen (2012) gesunken - und dieser Trend setze sich weiter fort.
Auch die Zahl der Straftaten sei zurückgegangen, so Volkland. "Wir haben ihnen durch das Vereinsverbot ihre Logistik entzogen", besonders durch Beschlagnahme von Motorrädern und Bargeld. "Das hat die Szene deutlich durcheinander gewirbelt".
"Ein bunter Strauß von Eingriffen"
Doch die Szene organisiert sich derzeit neu, besonders in Seelow (Märkisch-Oderland). Dort hatten sechs Rocker Anfang August einen neuen Club gegründet: die "Red Devils". Die Gruppe gilt als Unterstützer der Hells Angels. Die Mitglieder feierten ihre Gründung vor zwei Wochen mit rund 80 anderen Rockern – die Polizei war dabei und kontrollierte damals jeden Gast. Dabei wurden auch gefährliche Gegenstände beschlagnahmt.
Seitdem steht die Gruppe unter der Beobachtung der Polizei. "Dieser Rockerclub ist polizeilich relevant. Wir als Brandenburger Polizei werden da sehr, sehr genau hinschauen. Wenn wir Verstöße gegen die Rechtsordnung feststellen, werden wir dort unnachgiebig einschreiten", sagte LKA-Chef Volkland.
Über ein Verbot werde derzeit nicht gesprochen. Im Moment werde "ein bunter Blumenstrauß von Eingriffsbefugnissen" genutzt: Strafverfolgungsrecht, Straßenverkehrsrecht und andere Maßnahmen der Gefahrenabwehr.
Fast alle Gründungsmitglieder stammen aus Seelow. Möglicherweise ist das der Grund, warum sich hier offenbar niemand Sorgen gemacht hatte - auch nicht der Bürgermeister. Jörg Schröder (SPD) versucht, Ruhe in die Diskussion zu bringen. "Man sollte [den Rockerclub] nicht zum ersten Thema der Stadt machen. Je mehr Bühne man ihnen gibt, desto bestätigter fühlen sie sich".
Sorgen macht er sich nun wegen des Stadtfestes: Die Polizei geht davon aus, dass auch Rocker beim Sicherheitsdienst beschäftigt sind.

Motorräder, Bargeld, Waffen
Anfang Juli hatte das Bundesinnenministerium die Rockergruppe Regionalverband Gremium Motorcycle Club (MC) Sachsen verboten. Das Brandenburger Innenministerium löste zudem zwei Gruppierungen der Hells Angels auf: "Hells Angels Motorcycle Club (MC) Oder City" und dessen Unterorganisation "Oder City Kurmark". Den Mitgliedern werden zahlreiche Straftaten zur Last gelegt.
Insgesamt 46 Clubs und Wohnungen wurden durchsucht, die meisten davon laut Ministerium in Eisenhüttenstadt, Beeskow und Storkow. Dabei wurden neben Motorrädern und Waffen rund 14.000 Euro sowie Testosteron-Ampullen sichergestellt. Den beiden Gruppierungen gehören laut Brandenburgs Innenministerium 31 Personen an.
Mitte Juli hatten Brandenburger Polizisten mehr als 140 Personen vor einem geplanten Rockertreffen in Brandenburg an der Havel überprüft. Dort wollten die "Red Devils" ein Treffen abhalten.
Selbstauflösung als Trick?
Der Chef der Eberswalder "Red Devils" war im Juli wegen Schutzgeld-Erpressung festgenommen worden. Die Polizei hatte den 27-Jährigen auf frischer Tat ertappt.
In den vergangenen Wochen und Monaten hatten sich zahleiche örtliche Rocker-Clubs in Berlin und Brandenburg selbst aufgelöst. Experten gehen allerdings davon aus, dass es sich um einen Trick handelt, damit Vereinsvermögen gerettet werden kann.


