Polizisten bei einer Razzia in einem Berliner Rocker-Club (Quelle: dpa / Archiv)

Nach dem Kampf gegen Rockerbanden - Henkel fordert harten Schlag gegen kriminelle Großclans

Drogen, Prostitution, Schutzgelderpressung: Kriminelle Großclans haben dabei auch in Berlin immer öfter ihre Finger im Spiel. Innensenator Henkel will dem mafiösen Treiben einen Riegel vorschieben und dazu den "gesamten Instrumentenkasten" des Rechtsstaats einsetzen. Bei den Rockerbanden habe das ja auch funktioniert, so Henkel.

Im Kampf gegen kriminelle Großfamilien will Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) alle Register ziehen. "Gemeinsam mit der Justiz, Gewerbeaufsicht, Ausländerbehörde und Steuerfahndung werden wir dieses Problem bei der Wurzel packen", sagte Henkel.

Der Senator verwies auf das Vorgehen gegen kriminelle Rockerbanden. In diesem Bereich gebe es inzwischen Erfolge, wenn auch dafür sehr viel Personal gebraucht worden sei. Jetzt müsse auch im Bereich der kriminellen Großclans der "gesamte Instrumentenkasten" genutzt werden.

Eine extra Einsatztruppe brauche es jedoch nicht, zeigte sich Henkel zuversichtlich. "Mit dem, was wir haben, werden wir in der Lage sein, diese Clans mit der gleichen Härte zu bekämpfen - mit allem, was das Gesetz erlaubt."

Frank Henkel (Quelle: dpa)

"Es geht um alles, was Geld bringt"

Nach Angaben Henkels haben sich in Deutschland mafiöse Teilstrukturen gebildet, in denen die Mitglieder krimineller Clans agieren. Es gehe um Macht, Drogen, Schutzgelderpressung, Geschäfte im Rotlichtmilieu – "um alles, was Geld bringt". Es werde versucht, Wirtschaftsimperien aufzubauen und auf legale Bereiche auszudehnen.

Laut Berliner Staatsanwaltschaft lehnen Teile dieser arabischstämmigen Großfamilien den Rechtsstaat ab und leben nach eigenen Regeln. Probleme werden demnach mit Friedensrichtern an deutschen Gesetzen vorbei geregelt. Immer wieder stehen gewaltbereite Männer auch vor Gericht.

Die bundesweit bekannte Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich 2010 das Leben nahm, schrieb in ihrem Buch "Das Ende der Geduld" von bundesweit zehn bis zwölf arabischen Großfamilien mit einigen Tausend Mitgliedern. Sie konzentrierten sich auf Berlin, Bremen, Bremerhaven und das Ruhrgebiet.

In Berlin leben nach Angaben von Ermittlern sechs arabischstämmige Großfamilien mit weit mehr als 1000 Mitgliedern zum Teil bereits in dritter Generation.

Langer Atem nötig

Henkel wies darauf hin, dass die Probleme mit kriminellen Clans voraussichtlich nicht schnell zu lösen seien, da sie über Jahre entstanden seien. Da werde ein langer Atem gebraucht.

Der Senator unterstrich aber, dass es derzeit keine rechtsfreien Räume in Berlin gebe. Auch bei der Staatsanwaltschaft sei das Problembewusstsein gestiegen. "Die entscheidende Frage ist: Wie gelingt es, entsprechende Vermögenswerte abzuschöpfen? Da müssen Polizei und Staatsanwaltschaft ran."

SEK hebt Waffenarsenal in Buckow und Neukölln aus

Erst im Juli gab es erneut zwei Verhaftungen im Umfeld einer der arabischen Großfamilien in Berlin: Nach intensiven Ermittlungen konnten Polizei und Justiz zwei Tatverdächtige festnehmen die im Zusammenhang mit mehreren Messerattacken stehen sollen. Die 27 und 31 Jahre alten Männer wurden von einem Spezialeinsatzkommando in den Stadtteilen Buckow und Neukölln überwältigt. Vier Wohnungen und eine Garage wurden durchsucht. Dabei stellten die Polizisten 40 Messer und Macheten sicher.

Das heute 40-jährige Opfer war im März von vier Vermummten in Charlottenburg überfallen worden. Dabei stachen die Angreifer nach Angaben der Ermittler innerhalb von einer Minute 18 mal mit Messern vor allem in den Oberschenkel des Mannes. Danach waren die Täter in einem Auto geflüchtet, das auch von Mitgliedern einer mittlerweile verbotenen Rockergruppe genutzt wurde. Das führte die Ermittler unter anderem auf die Spur der Tatverdächtigen.

Mehrere Stiche ins Gesicht

Der 31 Jahre alte Haupt-Verdächtige verfügt nach Angaben von Oberstaatsanwalt Michael Storck über Beziehungen zu einer in Berlin polizeibekannten arabischen Großfamilie. Der 31-Jährige habe angegeben, bei einem Musiklabel zu arbeiten. Derzeit laufen laut Justiz Ermittlungen, ob ein Mitglied der Großfamilie Auftraggeber des Messer-Angriffs im März war.

Ein Clan-Mitglied hatte das damals 37-jährige Opfer nach Angaben der Ermittler bereits 2010 auf offener Straße in Charlottenburg schwer mit einem Messer im Gesicht verletzt. Im darauf folgenden Prozess, in dem es auch um Drogengeschäfte ging, hatte das Opfer laut Storck das Clan-Mitglied belastet. Um seine Aussage zu verhindern, seien dem Opfer nach Angaben der Ermittler 10 000 Euro angeboten worden. Dieses Angebot lehnte der Mann ab. Außerdem sei er massiv eingeschüchtert worden. Er wurde unter anderem in einen Kofferraum eingesperrt.

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