Roma in Berlin (Quelle: dpa)

"Menschenunwürdige Behausungen" - Berliner Senat will illegale Roma-Siedlung auflösen

Kein Trinkwasser, keine Müllentsorgung: In einer früheren Gartenkolonie in Berlin-Neukölln leben derzeit mehrere Roma-Familien unter slumähnlichen Verhältnissen. Der Berliner Senat bestätigte am Montag die Existenz dieser illegalen Siedlung. Der Senat will in den nächsten Monaten nach einer Lösung für die Bewohner suchen.

Der Berliner Senat hat die Existenz einer illegalen Roma-Siedlung in einer früheren Gartenkolonie im Bezirk Neukölln bestätigt. "Wir wissen davon und suchen für die Bewohner in den nächsten Monaten nach einer Lösung", sagte am Montag die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), Petra Rohland.

Bis Ende des Jahres sollen die ohnehin bereits zum Teil zerstörten Lauben laut Rohland "Schritt für Schritt" endgültig abgerissen werden. Es handele sich um "völlig menschenunwürdige Behausungen". Bis dahin zeige auch die Polizei verstärkte Präsenz. Die Bewohner sollen an anderen Orten untergebracht werden.

Die Gartenkolonie an der Aronstraße war 2010 aufgelöst worden, weil die Stadtautobahn A100 dort entlanggeführt werden soll. Nach Angaben von Rohland sollen die Bauarbeiten für die Verlängerung der Autobahn über das Gelände im kommenden Jahr beginnen.

Roma-Siedlung ist dem Bezirk Neukölln bisher nicht bekannt

Nach Angaben des Neuköllner Integrationsbeauftragten Arnold Mengelkoch ließ der Bezirk in der ehemaligen Kolonie bereits im vergangenen Jahr zwei Lauben räumen, weil ein Deutscher sie zu überteuerten Preisen illegal an Roma vermietet hatte. Von den aktuellen Entwicklungen sei im Bezirk bisher nichts bekannt, sagte Mengelkoch. Man werde sich aber jetzt mit zuständigen Bausenat in Verbindung setzen.

Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" leben in der früheren Kolonie derzeit mehrere Dutzend Roma-Familien sowie andere Rumänen und einige Deutsche. Die ehemaligen Schrebergärten werden als Slum beschrieben, in dem es weder eine Trinkwasserversorgung noch eine Abwasser- oder eine Müllentsorgung gibt. Viele der Roma würden für kümmerliche Stundenlöhne auf Baustellen, als Gärtner oder als Putzhilfen arbeiten und wollten schnell wieder eine richtige Wohnung finden.

Das Büro der Integrationsbeauftragten des Senats, Monika Lüke, verwies auf die Notfallübernachtungsmöglichkeiten, die für derartige Fälle über das Landesamt für Soziales und Gesundheit zur Verfügung gestellt würden. Diese seien aber bei vielen Betroffenen oft nicht bekannt, hieß es aus dem Bezirksamt Neukölln.

Berliner Aktionsplan zur Einbeziehung ausländischer Roma

Erst vor knapp drei Wochen hatte der Berliner Senat einen Aktionsplan zur Verbesserung der Situation der Roma in Berlin verabschiedet. Berlin sei das erste Bundesland, das solch einen Aktionsplan beschlossen habe, teilte Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) damals mit.

Der Schwerpunkt der Maßnahmen liege auf der gesundheitlichen Versorgung sowie der schulischen und beruflichen Eingliederung von Kindern und Jugendlichen. Zudem wolle der Senat durch gezielte Beratung und Maßnahmen den Missbrauch der prekären Situation der Zugewanderten zum Beispiel durch Mietwucher oder Frauen- und Menschenhandel unterbinden. Damit übernehme der Senat Verantwortung für die neuzugewanderten EU-Bürger, hieß es im Juli.

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