Der damalige Chef der Treberhilfe, Harald Ehlert, am 22. Februar 2010 auf einer Pressekonferenz in Berlin (Quelle: dpa)
Der damalige Chef der Treberhilfe, Harald Ehlert, am 22. Februar 2010 auf einer Pressekonferenz in Berlin (Quelle: dpa)

Prozess gegen Harald Ehlert - Ex-Chef der Treberhilfe bestreitet Steuerhinterziehung

Er gönnte sich als Chef eines Obdachlosenvereins ein Luxusgehalt und nutzte einen Maserati als Dienstwagen. Jetzt steht Harald Ehlert, der ehemalige Chef der Berliner Treberhilfe, vor Gericht. Am ersten Prozesstag ließ er seinen Anwalt den Vorwurf der Steuerhinterziehung bestreiten.

Der ehemalige Chef der Berliner Treberhilfe, Harald Ehlert, hat über seinen Anwalt den Vorwurf der Steuerhinterziehung bestritten. Der Diplom-Pädagoge muss sich seit Montag vor dem Berliner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Ehlert die private Nutzung von Dienstfahrzeugen verschwiegen hatte. Ansonsten wäre der Treberhilfe aus Sicht der Anklage die Steuern sparende Gemeinnützigkeit aberkannt worden. Das Unternehmen hätte dann Gewerbe- und Körperschaftssteuer zahlen müssen.

Vor Gericht machte die Staatsanwaltschaft nun die Rechnung auf, dass die Treberhilfe knapp 570.000 Euro an das Finanzamt hätte abführen müssen. Ehlert wirft die Anklage vor, privat rund 43.000 Euro an Steuern hinterzogen zu haben. "Ich werde alles dafür tun, die Vorwürfe zu entkräften", sagte der 51-jährige Angeklagte am Rande des Prozesses. Nach einer Stunde Verhandlungsdauer wurde der Prozess vertagt.

Czaja sieht Kontrolle auf gutem Weg

Der Sozialsenator der Hauptstadt, Mario Czaja (CDU), Sozialsenator der Hauptstadt, sagte vor Prozessbeginn dem rbb, es sei einiges geschehen, um Auswüchse wie vor drei Jahren bei der Berliner Treberhilfe künftig zu vermeiden: Die Wohlfahrtsunternehmen müssten jetzt zum Beispiel die tatsächlich gezahlten Gehälter offenlegen. Auch sei in Arbeit, dass in Zukunft auch Kontrollen ohne konkreten Anlass möglich sein sollen.

Luxus-Gehalt für den Chef

Ehlert war vor drei Jahren durch die sogenannte Maserati-Affäre in die Schlagzeilen geraten. Als Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation, die vor allem aus Steuergeldern finanziert wurde, leistete er sich einen teuren Sportwagen als Dienstfahrzeug sowie ein Jahresgehalt von angeblich weit mehr als 300.000 Euro. Zudem leistete er sich eine Dienstvilla samt Bootshaus in Caputh bei Potsdam. Im Frühjahr 2010 erstattete die damalige Berliner Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Die Treberhilfe - gegründet im Jahr 1988 - musste 2011 Insolvenz anmelden. Aufgaben und Mitarbeiter hat der Evangelische Diakonieverein Zehlendorf übernommen. Der Name wurde in "Neue Treberhilfe" geändert. Sie kümmert sich weiterhin um Obdachlose und leistet Sozialarbeit. Sie war jahrelang die wichtigste Anlaufstelle, wenn es um Obdachlosenhilfe und Straßenarbeit ging.

Ein obdachloser Mensch sitzt vor einem Kino (© dpa-Bildfunk)
Ihnen soll eigentlich geholfen werden: Obdachlose in Berlin.

4,5 Millionen Euro Schulden

Ehlert war Geschäftsführer von 1990 bis 2010 und hatte gegen seine Kündigung und für eine Beschäftigung beim Nachfolger geklagt. Er scheiterte damit auch in zweiter Instanz. Insolvenz musste die Treberhilfe anmelden, weil sie im laufenden Geschäft 4,5 Millionen Euro Schulden angehäuft hatte.

Die Affäre löste eine breite Diskussion darüber aus, welche ethischen Standards und welche finanzielle Transparenz von einem gemeinnützigen Unternehmen zu verlangen sind.

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