Banner Schulanfang: Schulanfänger sitzen mit Schultüten und neuen Schulranzen nebeneinander (Quelle: dpa)

Kurz nach Schuljahresstart Streiks erwartet - Neue Schüler, neue Lehrer

Die Sommerferien sind zu Ende, mit dem Start ins Schuljahr 2013/14 drücken wieder rund 670.000 Kinder und Jugendliche in der Region die Schulbank - mehr als im Vorjahr. Auch neue Lehrer fangen an. Kurz nach dem Start gibt es in Berlin allerdings schon neue Lehrer-Streiks.

Zahl der Schüler in Berlin steigt

In Berlin steigt erstmals seit 16 Jahren die Zahl der Schüler. Nach ersten Prognosen werden ab August rund 400.000 Kinder und Jugendliche in den 1.037 öffentlichen, privaten und beruflichen Schulen lernen, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Allein an den öffentlichen und allgemeinbildenden Schulen seien es 3.800 mehr. Auch bei den Berliner Erstklässlern gibt es Zuwachs: von 27.833 im vergangenen Jahr auf nun 29.690. Der Trend der steigenden Schülerzahlen werde sich fortsetzen, prognostiziert die Senatsbildungsverwaltung - um fünf Prozent bis 2017.

Die Schulen sieht die Senatorin dafür gut gerüstet. Auch die Zahl der Lehrer steigt im Vergleich zum vergangenen Schuljahr - um rund 270 auf 26.480. "Berlin wächst, wir haben mehr Schülerinnen und Schüler in unserem Schulsystem", sagte Scheeres dem rbb. "Wir brauchen dieses Schuljahr 1.440 Lehrerinnen und Lehrer. Uns ist es gelungen, zur Zeit schon 1.370 Fachkräfte auszuwählen." Mit 70 Bewerbern liefen noch Gespräche.

Weniger Versetzunganträge in Berlin

Berlin sei als Arbeitsort nach wie vor attraktiv, sagte Senatorin Scheeres. Die Zahl der Versetzungsanträge sei um 47 auf 187 gesunken. Davon seien aber nur acht Kollegen tatsächlich gegangen. Von den neu eingestellten Pädagogen kämen rund 75 Prozent aus der Bundeshauptstadt.

Auch die Zahl der dauerkranken Lehrer sei laut Scheeres durch besseres Gesundheitsmanagement und individuelle Entlastungen auf 1.000 reduziert worden. Dem widerspricht die GEW allerdings laut "Tagesspiegel". "Das Gesundheitsmanagement ist nicht verbessert worden", sagte GEW-Chefin Sigrid Baumgart der Zeitung.

Die Landeselternsprecherin Lieselotte Stockhausen-Döring kritisierte, in Berlin gebe es dennoch zu wenig Lehrer. Es fehle eine Krankheitsreserve, sagte sie dem rbb. Den Trend der wachsenden Schülerzahlen habe man zu spät erkannt und auch zu spät darauf reagiert. So hätte man bereits früher mit der Sanierung und dem Ausbau von Schulen beginnen können.

Investitionen in den Neu- und Ausbau von Schulen

Neben Lehrern kommen laut Senatsbildungsverwaltung auch neue Erzieherinnen und Erzieher an die Berliner Schulen: Rund 250 nehmen mit Beginn des neuen Schuljahres ihre Arbeit auf. Dann seien 5.038 von ihnen an Berliner Schulen tätig. Damit steige ihre Zahl mit Beginn des neuen Schuljahres um rund 200 auf insgesamt 5.038. Hinzu kämen knapp 1.900 Erzieher von privaten Trägern.

Angesichts der steigenden Schülerzahlen sei die Zeit der Schulschließungen vorbei, betonte Senatorin Scheeres. Stattdessen müssten neue Schulen gebaut oder um flexible Teile ergänzt werden. Dafür sollen in den nächsten Jahren 580 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Für die Sanierung alter Gebäude kommen in kommenden zwei Jahren je 64 Millionen hinzu.

Die wichtigsten Themen in Berlin

  • Das Thema Inklusion – die Einbeziehung von behinderten Kindern in den Regelunterricht - gehe Berlin langsam an, so Scheeres. Um die Lehrer dafür zu schulen, würden in den Bezirken Pilotberatungszentren eingerichtet. Diese beraten dann Lehrer und Eltern.

    Dazu komme eine Ausbildungsoffensive für die Lehrer. Im Doppelhaushalt stünden dafür 2014/2015 insgesamt 3,5 Millionen Euro bereit. Dazu kämen zwei Millionen Euro für barrierefreien Ausbau der Schulen. Zudem besuchten schon 52 Prozent aller behinderten Kinder den Regelunterricht in Berlin.

  • Für sogenannte Brennpunktschulen werde ein Frühwarnsystem eingerichtet, das erkennen soll, "wann eine Schule kippt". Indikatoren dafür seien unter anderem steigende Gewalt an Schulen oder die Zunahme von Schulabbrechern oder dauerkranken Lehrern. Schulen in besonders schwierigen sozialen Gebieten sollen ab 2014 bis zu 100.000 Euro Unterstützung bekommen, um die Rahmenbedingungen zu verbessern.

  • Nachdem sich Eltern und Schüler jahrelang für eine bessere Qualität des Mittagessens stark gemacht hatten, soll es im neuen Schuljahr einen "Paradigmenwechsel vom Preis- zum Qualitätswettbewerb" geben, sagte Scheeres. Dafür wurde im Juni ein neues Gesetz beschlossen. Das sieht vor, dass Schüler und Eltern mitentscheiden können, welcher Caterer ihr Schule künftig versorgen soll. "Die Kinder werden ab 1. Februar 2014 besseres Essen auf den Tellerbekommen", betonte Scheeres.

    Für mehr Qualität müssen die Eltern allerdings auch tiefer in die Tasche greifen. Ab Februar nächsten Jahres kostet das Schulmittagessen 37 Euro monatlich. Sozial schwache Familien brauchen dagegen weiterhin täglich nur einen Euro zu zahlen. Diese Unterstützung solle "unbürokratisch" erfolgen. So könnten Lehrer betroffene Familien darauf ansprechen oder umgekehrt.

Mehr Schüler auch in Brandenburg - und neue Lehrer

Auch Brandenburg verzeichnet zum Start des neuen Schuljahrs einen Schülerzuwachs: die Zahl steigt im Vergleich zum Vorjahr um gut 4.000 auf insgesamt 271.000. Auch Erstklässler sind es in diesem Jahr etwas mehr als im vergangenen Schuljahr: Gut 20.000 Kinder werden im Schuljahr 2013/2014 die ersten Klassen besuchen. In den nächsten Jahren rechnet Bildungsministerin Martina Münch (SPD) aber mit sinkenden Schülerzahlen. Es wird prognostiziert, dass sie sich bis 2030 auf knapp 10.000 Kinder pro Jahr fast halbieren. Der Grund dafür sind sinkende Geburtenraten. Deshalb müssten schon jetzt Strategien entwickelt werden, um die Schulversorgung im ländlichen Raum sicherzustellen, sagte Münch.

Neue Lehrer sollen in Brandenburg frischen Wind an die Schulen bringen. Für das beginnende Schuljahr werden 550 Lehrer neu eingestellt.

Kritik an Zahl neuer Lehrer in Brandenburg

Die Opposition im Brandenburger Landtag kritisiert die Zahl der neuen Lehrer allerdings als zu gering. Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Andreas Büttner, hält die Zahlen der Ministerin für geschönt. "550 neue Lehrerstellen sind die eine Seite der Medaille", sagte Büttner dem rbb. "799 Lehrer scheiden allerdings zu diesem Schuljahr aus. Das heißt, wir haben weniger Lehrer zur Verfügung bei steigenden Schülerzahlen, bei einem hohen Unterrichtsausfall." Um für die Zukunft gerüstet zu sein, müsse Brandenburg über den Bedarf einstellen. Auch die Gewerkschaft GEW verlangt 1.000 bis 1.200 neue Lehrer für dieses Schuljahr.

Bildungsministerin Martina Münch (SPD) wies diese Kritik allerdings zurück. Münch sagte am Montag im rbb, die meisten Lehrer, die in Brandenburg ausscheiden würden, arbeiteten in der Regel in Teilzeit. Die 550 Lehrer, die neu eingestellt würden, arbeiteten meist Vollzeit. Es seien jüngere Lehrer. Laut Münch können deshalb alle Lehrer, die den Schuldienst verlassen, ersetzt werden.

 

Die wichtigsten Themen in Brandenburg

  • Vor einem Jahr war in Brandenburg das Projekt "Schule für alle" gestartet. Bei der sogenannten Inklusion lernen Schüler mit und ohne Handicap gemeinsam. "Wir wollen, dass künftig jede Schule in der Lage sein soll, jeder einzelnen Schülerin und jedem einzelnen Schüler bestmöglich gerecht werden zu können – sowohl wenn Förderbedarf besteht, als auch bei besonderen Begabungen die Talente zu fördern", so Bildungsministerin Martina Münch. Im September sollen erste wissenschaftliche Erkenntnisse zu dem Projekt vorliegen.

  • Stichtag für die Einschulung soll weiterhin der 30. September bleiben. Diese Regelung ist umstritten, da so auch Fünfjährige eingeschult werden. Bis 2007 durfte nur eingeschult werden, wer bis 30. Juni sechs Jahre alt war. Dann wurde der Stichtag auf den 30. September verlegt. Ministerin Münch verwies auf Ausnahmemöglichkeiten: "Es ist möglich, ein Kind auch ein Jahr länger in der Kita zu lassen."

Verkehrskontrollen zu Schulbeginn

Autofahrer in Brandenburg müssen sich zum Schulbeginn auf intensive Verkehrskontrollen einstellen. Ab Montag führt die Polizei vor allem vor Grundschulen Geschwindigkeitsmessungen durch.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei einen Anstieg von verletzten Kindern bei Unfällen, an denen sie aktiv beteiligt waren. Bei 738 Unfällen wurden 521 Kinder verletzt, eines getötet. Ein Jahr zuvor waren es 727 Unfälle mit 467 verletzten Kindern.

Antenne Brandenburg und Verkehrswacht haben auch in diesem Jahr wieder die Aktion "Brandenburg passt auf" gestartet. Im Rahmen der Aktion werden an Grundschulen in Cottbus,  Brandenburg an der Havel, Potsdam und Frankfurt (Oder) unter anderem Malhefte mit Tipps für den sicheren Schulweg verteilt.

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Tafel im Klassenzimmer einer Schule (Quelle: imago)

Streit um neue Lehrer - GEW kritisiert Brandenburger Schulpolitik

Aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) tut Brandenburg zu wenig, um junge Lehrer an die Schulen zu bringen. Die 550 Lehrer, die zum neuen Schuljahr eingestellt werden, seien zu wenig, um den notwendigen Generationswechsel zu meistern, sagte GEW-Landeschef Günther Fuchs am Mittwoch.