
Nach tödlichem Schuss auf Nackten im Neptunbrunnen - Ermittlungen gegen Polizisten abgeschlossen
Der Fall löste eine breite Debatte über Polizeimaßnahmen aus: Ein Polizist erschoss Ende Juni einen Mann, der sich im Berliner Neptunbrunnen selbst verletzt und dann den Beamten bedroht hatte. Die Ermittlungen gegen den Beamten sind zwar abgeschlossen. Aber ob es Notwehr war, ist weiter offen.
Rund vier Wochen nach dem tödlichen Schuss auf einen psychisch gestörten Mann im Berliner Neptunbrunnen sind die Ermittlungen wegen Totschlags gegen den Beamten, der geschossen hatte, abgeschlossen. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner am Mittwoch. Eine Entscheidung gebe es jedoch noch nicht, die rechtliche Bewertung dauere an. Nach früheren Angaben der Behörde deutet aus Sicht der Staatsanwaltschaft jedoch vieles auf Notwehr des Beamten.
Der Staatsanwaltschaft zufolge rauchte der Mann exzessiv Cannabis und nahm Amphetamine. Die psychischen Auffälligkeiten des 31-Jährigen könnten mit längerem Missbrauch dieser Mittel zusammenhängen. Im Blut des Toten seien synthetische Aufputschmittel festgestellt worden. Das habe das toxikologische Gutachten ergeben, so ein Sprecher am Mittwoch. Der Mann soll unter schizophrenen Störungen gelitten haben, zum Tatzeitpunkt aber nicht alkoholisiert gewesen sein.
Die Frage, weshalb mit scharfer Munition auf den Mann geschossen, warum auf den Brustkorb gezielt wurde oder warum keine anderen Maßnahmen ergriffen wurden, ist nach wie vor offen.
31-Jähriger reagierte nicht auf Forderungen der Polizei
Der 31-Jährige hatte sich Ende Juni laut Polizei in dem Brunnen mit einem Messer selbst verletzt. Eine Passantin war auf den Nackten aufmerksam geworden. Die Polizei wurde alarmiert.
Als die Beamten eintrafen, stand der Mann noch immer im Wasser, stach auf sich selbst ein und blutete bereits aus mehreren Wunden. Nach Darstellung der Behörden war einer der Polizisten zu dem Mann in den Brunnen gestiegen, der andere blieb davor stehen.
Auf die mehrfachen Forderungen, das Messer wegzulegen, habe der Mann nicht reagiert. Im Gegenteil sei er mit dem Messer weiter zu dem Beamten im Brunnen vorgerückt. Beide Beamten hätten nochmals gerufen, das Messer wegzuwerfen. Der Nackte habe den Angaben zufolge jedoch abermals nicht reagiert. In dieser Situation habe einer der Polizisten die Waffe gezogen und geschossen.
Ein Notarzt habe nach Polizeiangaben noch versucht, den Niedergeschossenen wiederzubeleben. Doch nach einer halben Stunde sei er in einem Rettungswagen gestorben. Die Kleidung des Mannes wurde laut Polizei auf einem Haufen neben dem Brunnen entdeckt.
Diskussion um Verhältnismäßigkeit von Polizei-Maßnahmen
Der tödliche Schuss löste eine breite Debatte um die Verhältnismäßigkeit polizeilicher Maßnahmen aus. Von Bürgern und Experten wurde vielfach kritisiert, dass der Schütze auf den Brustkorb und nicht auf die Beine gezielt habe. Ob der Schuss Notwehr und somit gerechtfertigt war, muss die Staatsanwaltschaft klären.
Außerdem wurde nach dem Vorfall die Frage gestellt, ob nicht auch Pfefferspray oder Elektroschock-Pistolen den Mann hätten stoppen können.
Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach sich in einem Zeitungsinterview für den Einsatz von Elektroschock-Pistolen aus. Es sei durchaus ratsam, erneut darüber zu diskutieren. "Allerdings ist völlig unklar, ob es dafür eine politische Mehrheit gäbe", zitierte die B.Z. den Senator.
Auch der frühere grüne Justizsenator Wolfgang Wieland sagte, dass mit diesem Fall eine Diskussion gestartet werden sollte, inwieweit bei solchen Fällen andere Hilfsmittel wie Pfefferspray zum Einsatz kommen sollten.


