
Mehr Personal, mehr Betreuung - Asyl-Aufnahmestelle Eisenhüttenstadt stockt auf
Ein Selbstmord, ein Hungerstreik, viel Frustration: Die Situation in der Asyl-Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt ist seit Wochen angespannt. Nun hat die Landesregierung Konsequenzen gezogen.
Nach dem Selbstmord eines Asylbewerbers im brandenburgischen Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt hat das Land Konsequenzen gezogen.
Wie Innenminister Woidke am Donnerstag im Innenauschuss des Landtages mitteilte, wird das Personal in der Einrichtung aufgestockt. So sollen sich zwei zusätzliche Sozialarbeiter um die Flüchtlinge kümmern und zwei weitere Verwaltungsmitarbeiter dafür sorgen, dass die Wartezeiten für die Asylbewerber verkürzt werden.
Außerdem wird die Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes künftig auch innerhalb des Lagers arbeiten. Ein Psychologe soll sogenannte Krisenintervention anbieten. Auf diese Weise soll frühzeitig erkannt werden, ob Flüchtlinge besondere Probleme haben.
Zahl der Asylbewerber steigt bundesweit stark an
Hintergrund ist der tragische Tod eines Flüchtlings Anfang Juni. Ein 20-Jähriger aus dem Tschad hatte sich in Eisenhüttenstadt das Leben genommen.
Von Eisenhüttenstadt werden die Flüchtlinge auf die Landkreise verteilt. Wegen der bundesweit gestiegenen Flüchtlingszahlen ist das Erstaufnahmelager allerdings überfüllt.
Am Mittwoch teilte das Bundesinnenministerium mit, dass der Zustrom von Asylbewerbern nach Deutschland derzeit so hoch ist wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Allein im Juli haben 9.516 Menschen Asyl beantragt, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Minister Hans-Peter Friedrich (CSU) nannte die Zahlen "alarmierend". Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt warf ihm deshalb populistische Stimmungsmache vor.
Insgesamt haben 2013 bisher 52.754 Menschen erstmalig Asyl beantragt. Das sind 90 Prozent mehr als in den ersten sieben Monaten des Vorjahres.
Bürgerkriege im Kaukasus und in Syrien lösen Flüchtlingswelle aus
Die Zahl ist allerdings auch starken Schwankungen unterlegen. Von jährlich deutlich über 100.000 in den 90er Jahren war sie bis 2008 fast kontinuierlich gesunken, steigt seitdem aber wieder von Jahr zu Jahr an.
Die meisten Flüchtlinge stammen aus der Russischen Föderation. So suchen nach Angaben von Hilfsorganisationen viele Folteropfer aus Tschetschenien in Deutschland Zuflucht. Ein Sicherheitsproblem wegen möglicher Kontakte zum islamistischen Terrorismus gibt es deshalb nach Angaben des Innenministeriums nicht generell, wohl aber in Einzelfällen. An zweiter Stelle stehen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien, deren Anträge zu 95 Prozent angenommen werden, gefolgt von Menschen aus Afghanistan, Iran, Irak und Pakistan.











