Dr. Gisela Glaser-Paschke, Leiterin der Zentrale für Tuberkulosebekämpfung analysiert Röntgenbilder von Tuberkulosepatienten. (Quelle: Imago)
Die Leiterin des Tuberkulose-Zentrums Gisela Glaser-Paschke

Was man heute über Tuberkulose wissen muss - "Es ist eine gefährliche Krankheit, wenn sie nicht behandelt wird"

Die Zahl der Tuberkulose-Patienten in Berlin steigt wieder. Übertragen wird die Erkrankung durch Tröpfcheninfektion. Die Symptome ähneln einem grippalen Infekt, können aber auch unspezifisch sein, wie die Leiterin des Berliner Tuberkulose-Zentrums, Gisela Glaser-Paschke, im Interview erklärt.

Was sind die typischen Symptome für Tuberkulose?

Die können sehr unspezifisch sein. Manchmal fühlt es sich an wie ein grippaler Infekt, man hat mehr als drei Wochen lang Husten, Fieber, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit und nimmt ab. Es gibt aber auch Tuberkulosen, die ganz wenige Symptome haben. Das ist dann sehr gefährlich, weil sie oft erst spät erkannt werden.

Wie überträgt sich die Krankheit?

Durch Tröpfcheninfektion. Das heißt, wenn man von einem Tuberkulose-Erkrankten angehustet wird oder gemeinsam längere Zeit in ungelüfteten engen Räumen verbringt. Das bedeutet aber nicht, dass man sich in der S-Bahn beispielsweise sofort anstecken würde. In der Regel muss man schon engeren Kontakt über mehrere Stunden mit einem Erkrankten haben, damit sich der Erreger überträgt. Und hinzu kommt: In mehr als 90 Prozent der Fälle kann das Immunsystem eine Infektion mit Tuberkulose abwehren und man erkrankt gar nicht. Nur bei geschwächten und bereits kranken Menschen ist die Gefahr groß.

Tuberkulose Test in einem Labor [Foto: dpa]
Tuberkulose-Test im Labor

Wie gefährlich ist die Krankheit heute eigentlich noch?

Es ist eine gefährliche Krankheit, wenn sie nicht behandelt wird. Weltweit ist Tuberkulose nach wie vor, die Infektionskrankheit, die am häufigsten zum Tod führt. In Deutschland ist das aber nicht so. Die Mortalitätsrate ist bei unseren guten hygienischen Verhältnissen verhältnismäßig niedrig. Und wir haben hier sehr gute Therapiemöglichkeiten. In der Regel ist ein Patient nach sechs Monaten Behandlung wieder gesund. Es sei denn, es liegt eine Medikamenten-Resistenz vor.

Was passiert dann?

Wenn jemand immun gegen die gängigen Medikamente ist, müssen andere Medikamente verwendet werden, die sehr viel teurer sind und auch mehr Nebenwirkungen haben. Die Therapiezeit dauert dann oft um die zwei Jahre. Diese Resistenzen haben sich in den vergangenen Jahren weltweit - aber auch in Deutschland - deutlich vermehrt.

Besonders schlimm ist es, wenn eine extreme Resistenz vorliegt. Dann helfen nur noch ganz wenige Medikamente, die es nicht als Tabletten gibt, sondern die injiziert werden müssen. Die Chancen, die Krankheit zu heilen, werden dadurch sehr viel geringer. Im schlimmsten Fall stirbt der Patient.

Wie kommt es zu dieser Zunahme der Resistenzen?

Wenn Tuberkulose behandelt wird, und es kommt zum Abbruch der Behandlung, dann kann es sein, dass sich das Bakterium so wandelt, dass es auf die verabreichten Medikamente nicht mehr reagiert. Die Gefahr besteht auch, wenn die Therapie nicht richtig durchgeführt wird, beispielsweise nicht mit allen notwendigen Medikamente oder nicht lange genug. Das passiert häufig in ärmeren Ländern, wo die medizinische Versorgung schlechter ist. Aber auch hier bei uns kann es sein, dass Wohnungslose die Therapie abbrechen.

Wie verbreitet ist die Tuberkulose heute?

Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass  jedes Jahr fast neun Millionen Menschen an einer Tuberkulose erkranken. Im Jahr 2010 waren es in Deutschland 4.330 Neuerkrankungen. Am schlimmsten ist die Situation im südlich der Sahara gelegenen Afrika, in Südostasien und in der westlichen Pazifikregion.

Die Fragen stellte Sandra Stalinski.

Mehr zum Thema

Dr. Gisela Glaser-Paschke, Leiterin der Zentrale für Tuberkulosebekämpfung analysiert Röntgenbilder von Tuberkulosepatienten. (Quelle: Imago)

Zahl der Erkrankten steigt - Das Berliner Tuberkulose-Zentrum ist überlastet

Jahrzehntelang war die Tuberkulose beinahe von der Bildfläche verschwunden -  jetzt steigt die Zahl der Erkrankten in Berlin wieder. Das Tuberkulose-Zentrum in Lichtenberg ist überlastet und fordert vom Senat mehr Personal. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wies im rbb darauf hin, dass das Zentrum dieses Jahr bereits eine zusätzliche Stelle bekommen habe. Von Sandra Stalinski