Ein leeres Klassenzimmer einer Schule (Quelle: dpa)

Koalition einigt sich auf Konzept - Schulen sollen Budget gegen Unterrichtsausfall erhalten

Brandenburgs Schulen sollen bei der Personalplanung selbstständiger agieren können. Zehn Millionen Euro wollen SPD und Linke zusätzlich aufbringen, um Unterrichtsausfälle auffangen zu können und zusätzliche Lehrstellen zu finanzieren. Mit dem Geld sollen die Schulen unter anderem einen eigenen Pool von Vertretungskräften aufbauen.

Brandenburgs rot-rote Regierungskoalition hat sich auf ein neues Konzept gegen den Unterrichtsausfall an Schulen verständigt. Ab 2014 sollen die Schulen im Land ein eigenes Budget erhalten, um einen Pool von kurzfristigen Vertretungskräften aufzubauen. Das kündigten die beiden Fraktionschefs, Klaus Ness (SPD) und Christian Görke (Linke), am Dienstag in Potsdam an. Dafür seien fünf Millionen Euro vorgesehen.

Klaus Ness (Quelle: dpa)
Hat sich mit seinem Kollegen von der Linken auf ein Konzept geeinigt: SPD-Fraktionschef Klaus Ness

Mit weiteren fünf Millionen Euro sollen 100 zusätzliche Lehrerstellen finanziert werden, um langfristige Ausfälle zu ersetzen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte in seiner ersten Regierungserklärung ein Plus von insgesamt zehn Millionen Euro für Bildung angekündigt. Damit sollte der Unterrichtsausfall begrenzt und dafür die sogenannte Vertretungsreserve im Land von drei auf 4,5 Prozent erhöht werden. Der tatsächliche Ausfall liegt laut Görke derzeit bei zwei Prozent.

Die Koalition sei davon überzeugt, dass mit den neuen Pools an den Schulen Unterricht häufiger mit passenden Fachlehrern vertreten werden könne, sagte Ness. Dazu könnten pensionierte Lehrer oder Referendare herangezogen werden. Die Schulen erhielten dadurch eine höhere Autonomie.

Wie groß der jeweilige Anteil der rund 800 öffentlichen Schulen im Land an den fünf Millionen Euro sein wird, müsse das Bildungsministerium klären, sagte Görke. Er betonte aber, dass es unterschiedliche Belastungen mit Unterrichtsausfall gebe und somit nicht jede Schule den gleichen Betrag erhalten werde.

Braucht Brandenburg 1.000 oder 1.200 neue Lehrer?

Vergangene Woche hatten sich SPD und Linke uneins darüber gezeigt, wie viele neue Lehrer das Land braucht. Und auch in der Frage der Mittel nannten sie unterschiedliche Ansätze.

Zum Herbst nächsten Jahres müssten allein 600 Lehrer neu eingestellt werden, um die künftigen Rentner zu ersetzen, sagte Görke von den Linken. Zudem wollten viele ältere Lehrer verkürzt unterrichten. Angesichts des hohen Krankenstandes unter den Lehrern seien ebenfalls mehr Einstellungen für Vertretungen nötig. Brandenburg müsse deutschlandweit an Universitäten um Lehrer werben und Vorverträge abschließen.

Ness hingegen kommt bei seiner Rechnung auf nur 1.000 Lehrer. Um den Bedarf zu decken, befürwortet er flexible Lösungen mit pensionierten Lehrern, um den Unterrichtsausfall zu senken. Er sprach sich außerdem dafür aus, Schulen ein eigenes Budget zu geben, mit dem sie bei Bedarf Vertretungen unkompliziert bezahlen könnten.