
Pilotprojekt in Märkisch-Oderland - Der Notdienst kommt auch bei Schnupfen
Nächtliche Besuche vom Hausarzt wird es in Seelow und in der Märkischen Schweiz (Märkisch-Oderland) künftig nicht mehr geben. Stattdessen kommt der Rettungswagen - dieses Pilotprojekt hat die Kassenärztliche Vereinigung durchgesetzt, um Kosten zu sparen. Die Hausärzte haben große Bedenken gegen das Modell.
Wer in Seelow oder in der Märkischen Schweiz (Märkisch-Oderland) ab dem 1. Oktober medizinische Versorgung braucht, wird Besuch vom Notarzt bekommen - egal, wie klein das Problem ist.
Ein entsprechendes Pilotprojekt hat die Kassenärztliche Vereinigung mit dem Rettungsdienst des Kreises für ein Jahr vereinbart. Die Hausärzte haben dafür wenig Verständnis. Sie beklagen sich, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. "Die Sache stand schon fest, bevor wir zum ersten Mal davon gehört haben und ist dann durchgezogen worden", sagt eine Allgemeinmedizinerin aus Müncheberg dem rbb.

Notarzt könnte an wichtigerer Stelle fehlen
Die Mediziner befürchten, dass die Qualität der medizinischen Versorgung in Gefahr ist. So könnte ein Notarzt beispielsweise zu spät zu einem Herzinfarkt kommen, weil er anderswo durch eine Bagatelle beschäftigt ist.
Die Hausärzte bestreiten, mit der Versorgung auf dem Lande überfordert zu sein. Bisher habe man immer eine Lösung gefunden, betont ein Allgemeinmediziner aus Falkenhagen.
Notärzte seien als Angestellte eines Krankenhauses ihrem Arbeitgeber verpflichtet, so die Hausärzte. Sie befürchten, dass Patienten nun viel öfter als bisher ins Krankenhaus eingeliefert werden.
In MOL gab es bisher in der Nacht fünf Hausärzte in Bereitschaft und zwei Notärzte im Dienst. Sollte das Pilotprojekt ausgeweitet werden, sind Einsparungen fraglich, da ein einziger Rettungseinsatz mehr kostet als die zwölfstündige Bereitschaft eines Arztes.
Beitrag von Detlev Frye
