Das Rathausgebäude von Cottbus, ein Rotklinkerhaus mit dem deutsch-polnischem Schriftzug "Rathaus Radnica" (Quelle: imago)
Video: rbb AKTUELL | 06.09.2013

Anhörung im Landtag - Oberbürgermeister meutern gegen Kommunalreform

In Brandenburg sollen größere Landkreise entstehen. Und nach den Vorstellungen der Enquetekommission des Landtags würden dann auch drei der vier kreisfreien Städte diesen Sonderstatus verlieren. Doch die Oberbürgermeister von Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel wehren sich vehement.

Die Oberbürgermeister der vier kreisfreien Städte Brandenburgs haben sich am Freitag strikt gegen die geplante Kommunal- und Verwaltungsreform ausgesprochen.

Im Brandenburger Landtag ging es in einer Anhörung um die Frage, welche Konsequenzen ein Verlust der Kreisfreiheit hätte. Denn nach den Vorstellungen der Enquetekommission des Landtags würden Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) ihren Status als kreisfreie Städte verlieren. Stattdessen würden sie zu Kreisstädten, also Verwaltungssitz der sie umgebenden Kreise. Nur die Landeshauptstadt Potsdam soll den Plänen nach ihren Sonderstatus behalten.

Bürgermeister: Möglichkeiten würden eingeschränkt

Die Oberbürgermeister machten am Freitag klar: Sie sind strikt dagegen und fordern, die Kreisfreiheit für alle vier Städte zu bewahren.  Würden sie diesen Status verlieren, könnten sie nicht mehr im bisherigen Maß ihre übergeordneten Funktionen für das Umland wahrnehmen, so ein Argument.

Die Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel, Dietlind Tiemann (CDU)  erklärte, als bloße Bestandteile von Landkreisen drohten die Interessen der größten Städte zu kurz zu kommen.

Der Oberbürgermeister von Cottbus, Frank Szymanski (SPD) erklärte, die kreisfreien Städte würden in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt, wenn sie ihre Kreisfreiheit verlören. Die derzeitige Verwaltungsstruktur sei wichtig: "Wir können sehr bürgernah, sehr schnell entscheiden in allen kreislichen Aufgaben, und das ist gut für die Wirtschaftsförderung in unserer Stadt. Das ist gut für das kulturelle, für das soziale und das Sportangebot, das wir haben. Wenn wir tatsächlich diesen Status verlieren würden, hätte das keine Einspareffekte."

Frankfurts OB Wilke: Reform spart keine Kosten

Auch Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) kann bei dem geplanten Konzept keine Vorteile erkennen. Eine solche Reform mache Brandenburg nicht bürgernäher, nicht effektiver und spare auch keine Kosten, sagte er dem rbb.  

Frankfurt als Stadt habe außerdem ganz andere Problem, meinte Wilke. Denn Frankfurt wolle wieder mit Slubice zu einem Stadtraum werden und stehe dabei vor großen Herausforderungen: "Da geht es darum, die Infrastrukturen zusammenzulegen, also nicht für 60.000, sondern für 80.000 Leute, wenn wir die Slubicer dazu nehmen. Fernwärmesysteme werden verknüpft, öffentlicher Nahverkehr wird verknüpft. Das machen wir nicht aus Egoismus heraus, sondern wir wollen einfach für die Landesentwicklung unseren Beitrag leisten."

Mögliche Varianten einer Kommunalreform

  • Zwölf Kreise plus Potsdam

    Bei dieser Variante werden nur wenige Kreise "fusioniert": Im Norden Prignitz und Ostprignitz-Ruppin und im Süden Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz. Die Stadt Brandenburg an der Havel gehört dann zu Potsdam-Mittelmark, Frankfurt (Oder) zu Oder-Spree und Cottbus zum Kreis Spree-Neiße.

  • Acht Kreise plus Potsdam

    Diese Variante fasst deutlich mehr zusammen: Statt derzeit 14 Kreisen soll es danach nur noch acht geben. Nach diesem Modell sollen noch zusätzlich Oberhavel und Havelland zusammengelegt werden, außerdem die Uckermark und der Barnim sowie Märkisch-Oderland und Oder-Spree (zu dem dann auch Frankfurt (Oder) gehört).

  • Fünf Kreise plus Potsdam

    Das dritte Modell ist am radikalsten. Es fasst die bisherigen 14 zu insgesamt fünf neuen Kreisen zusammen, die alle an Berlin grenzen. Bei diesem Modell wird Teltow-Fläming einem Kreis im Südwesten zugeschlagen, genauso wie das Havelland. Dahme-Spreewald dagegen gehörte dann zu einem riesigen Kreis im Südosten - fast dreimal so groß wie das Saarland und damit deutlich größer als der größte Kreis in Mecklenburg-Vorpommern. Der Brandenburger "Südostkreis" hätte nach Hochrechnung des Gutachters im Jahr 2030 dann immerhin noch 73 Einwohner pro Quadratkilometer - zur Zeit wären es bei diesem Zuschnitt 85.

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