Öffentlicher Protestbrief - Cottbuser Professoren fordern Stopp der Hochschulfusion

Auch nach dem Start der Lausitzer Hochschulfusion halten die Proteste an: Zwei Drittel der Professoren der am 1. Juli neu gegründeten Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) haben am Dienstag den Stopp des Fusionsprozesses gefordert. Sie hoffen noch auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Die Lage sei seit dem Zusammenschluss der beiden Universitäten deprimierend.

In einem Protestbrief haben 69 Cottbuser Professoren die Landesregierung zum Stopp des Fusionsprozesses der beiden Lausitzer Hochschulen aufgefordert. Das vom Landtag im Januar beschlossene Fusionsgesetz solle bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ausgesetzt werden, erklärten die Hochschullehrer nach Angaben der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) vom Dienstag. Gegen den Fusionsentscheid waren gleich mehrere Verfassungsklagen eingelegt worden, das Hauptverfahren lauft noch.

Studentenprotest gegen Hochschulfusion (Foto: dpa)
Vor allem in Cottbus protestierten Studenten und Lehrkräfte gegen die Fusion.

Professoren nennen Umsetzung der Fusion "deprimierend"

Die Professoren klagten, dass die Lage seit der am 1. Juli vollzogenen Verschmelzung der beiden Hochschulen deprimierend sei. Die alten Senate der Hochschulen müssten wieder eingesetzt werden. Die neu gegründete Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) war aus der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus und der Hochschule Lausitz entstanden.

Das Protestpapier wurde von zwei Dritteln der Cottbuser Professoren unterzeichnet. Die neue BTU in Cottbus und Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) hat zurzeit 228 Professorenstellen, von denen die Landesregierung mittelfristig 78 abbauen will.

Mitte Oktober war ein Volksbegehren von Gegnern der Hochschulfusion gescheitert.  Bei der sechsmonatigen Aktion hatten sich rund 18.000 Brandenburger mit ihrer Unterschrift für den Erhalt beider Einrichtungen eingesetzt. Für einen Erfolg hätten in den Ämtern und Rathäusern allerdings 80.000 Unterschriften abgegeben werden müssen.

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (dpa-Bild)
Sabine Kunst verteidigt die Fusion.

Wissenschaftssenatorin Kunst verteidigt die Fusion

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) hatte die Fusion der Hochschulen stets verteidigt und vorangetrieben. Ihr Argument: Die Lausitzer Hochschullandschaft soll durch die Verschmelzung angesichts von Fachkräftemangel und sinkenden Bevölkerungszahlen zukunftssicher und fit für den Wettstreit mit den Hochschulen in Berlin, Dresden und im sächsischen Freiberg gemacht werden.

Die Kritik an der Fusion hatte die beiden Universitäten bereits vorab gespalten: Während die Hochschule Lausitz auf den Reformkurs einschwenkt war, sprachen Reformgegner wie der BTU-Präsident Walther Zimmerli hingegen von einem "riskanten Experiment", das die Freiheit der Wissenschaft und die Hochschulautonomie verletze.

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