
Bekenntnis gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit - Hunderte Demonstranten ziehen durch Hellersdorf
Mehrere hundert Menschen haben am Donnerstag in Berlin-Hellersdorf friedlich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Im Anschluss wurde jedoch gegen 17 Menschen Strafanzeige gestellt. Die Demo wurde vom Netzwerk "Welcome Refugees" angemeldet und führte mitten durch Hellersdorf - in unmittelbarer Nähe des neuen Flüchtlingsheims.
In Berlin-Hellersdorf haben am Donnerstag mehrere hundert Menschen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Wie die Gruppe "Für eine linke Strömung" (FelS) zuvor mitteilte, wollten sie sich auf diesem Wege auch mit den Flüchtlingen solidarisieren, die seit einigen Wochen in einer ehemaligen Hellersdorfer Schule in der Carola-Neher-Straße untergebracht sind.
Die Veranstalter sprachen von mehr als 600 Demonstranten. Andere Beobachter des Protestmarsches gingen sogar von etwa 1.000 Teilnehmern aus. Die Demo-Route sollte vom Cecilienplatz bis zum Alice-Salomon-Platz verlaufen.
Der Demonstrationszug selbst sei ohne Ausschreitungen verlaufen, sagte ein Polizeisprecher am frühen Freitagmorgen. Im Anschluss habe die Polizei aber elf Menschen vorübergehend festgenommen. Gegen insgesamt 17 Teilnehmer sei Strafanzeige gestellt worden - hauptsächlich wegen verbotener Vermummung und Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Seit Monaten bekämpft die rechtsextreme NPD das neu eingerichtete Heim für Flüchtlinge, die vor allem aus Syrien und Afghanistan nach Deutschland kamen.
Am 19. August hatten rund 50 Asylbewerber unter Polizeischutz die neue Notunterkunft in einer ehemaligen Schule bezogen. Sowohl die NPD wie auch die rechtspopulistische Vereinigung Pro Deutschland hatten gegen die Belegung des Hauses protestiert. Immer wieder hatten sich den rechten Demonstranten aber linke Gegendemonstranten entgegen gestellt und ihre Solidarität mit den Flüchtlingen bekundet.
Aufgrund der steigenden Zahl von Flüchtlingen braucht Berlin zusätzliche Einrichtungen. Deshalb plant der Senat bis zum Ende des Jahres zwei neue Unterkünfte für 400 bis 500 Menschen. Ein Wohnheim soll im November in Köpenick eröffnen, ein weiteres im Dezember in Pankow.
Der Mehrheit der Berliner sind Flüchtlinge willkommen
Neue Zahlen zeigen, dass einer großen Mehrheit der Bürger Flüchtlinge willkommen sind. Fast drei Viertel der wahlberechtigten Berliner sind für eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag der rbb-Abendschau und der Berliner Morgenpost.
72 Prozent sagten, das Land Berlin solle weiter Flüchtlinge aufnehmen. 23 Prozent lehnten das ab. Ähnlich fallen die Antworten aus, wenn es um Asylbewerberheime geht. 73 Prozent sähen es als ein eher geringes oder gar kein Problem an, wenn in ihrer Nachbarschaft ein Asylbewerberheim errichtet würde. Für 23 Prozent wäre das ein eher großes oder sehr großes Problem.


