Ergebnisse des Schulleistungsvergleichs vorgestellt - Der Osten kann besser rechnen - nur Berlin nicht

Lange Gesichter in Berlin – Freude in Brandenburg. Beim neuen Schulleistungsvergleich hat die Hauptstadt unterdurchschnittlich abgeschnitten, Brandenburg steht dagegen – wie die anderen ostdeutschen Länder – gut da.

In allen ostdeutschen Ländern sind Schüler gut in Mathematik und Naturwissenschaften. Nur nicht in Berlin. Das ist ein Ergebnis des neuen Schulleistungsvergleichs. Die Rede ist diesmal vom IQB-Ländervergleich von  Neuntklässlern, der am Freitag von der Kultusministerkonferenz veröffentlicht wurde.

Berlin liegt in allen Fächern unter dem Bundesdurchschnitt, und zwar zumeist recht deutlich. In Mathematik schnitten sie sogar am zweitschlechtesten ab: . Mit ihrem Rechen-Wissen liegen die Berliner im Schnitt zwei Schuljahre hinter den Spitzenreitern, den Schülern aus Sachsen.

Scheeres will Lehrer besser ausbilden

Schulsenatorin Sandra Scheeres nannte die Ergebnisse am Freitag enttäuschend und kündigte Konsequenzen an. Der Schwerpunkt müsse jetzt auf die Unterrichts-Qualität gelegt werden, so die SPD-Politikerin im rbb. Die Lehrer-Fortbildung werde bereits überarbeitet, damit könne schnell auf die Ergebnisse des Vergleichs reagiert werden.

Günter Ziegler, Mathematik-Professor an der Freien Universität Berlin, forderte im Gespräch mit dem rbb mehr Zeit für den Mathematikunterricht. "Lebendig wird Unterricht dadurch, dass Lehrer erzählen und Zusammenhänge herstellen." Es müsse ein "lebendiges Bild von dem Fach" entstehen. Dafür sei es wichtig, Lehrer regelmäßig fortzubilden. "Die Lehrer sind 40 Jahre an der Schule, wenn alles gut läuft - und in 40 Jahren verändert sich das Fach wahnsinnig."

Brandenburg hat Grund zur Freude

Brandenburg liegt dagegen deutlich im oberen Drittel: In Mathematik und Biologie belegt das Land den 3. Platz und in Chemie sowie Physik Platz 4. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) kommentierte das Ergebnis dann auch erfreut: "Allen Unkenrufen zum Trotz ist einmal mehr deutlich geworden: Wir haben starke und leistungsfähige Schulen im Land Brandenburg.“ Zudem seien die Leistungen seit dem ersten PISA-Test 2000 deutlich verbessert worden. Vom unteren Drittel, über das Mittelfeld hätten sich die Brandenburger deutlich hochgearbeitet.

Soziale Herkunft schlägt sich nieder

Die Studie belegt allerdings auch erneut die extrem hohe Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft in Deutschland. Und da werden im Fach Mathematik die Leistungsunterschiede zwischen Kindern aus Akademiker- und bildungsferneren Familien offenbar besonders in Brandenburg deutlich. Bei der Förderung von Kindern aus bildungsfernen Schichten tun sich in den Naturwissenschaften besonders Rheinland-Pfalz (Physik) und Sachsen (Biologie) hervor, während die Abhängigkeit von Herkunft und Schulerfolg in diesen Fächern besonders in Hamburg überdeutlich wird.

Verbindlich eingeführte Bildungsstandards bilden die Grundlage

Mitarbeiter des ländereigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität hatten für die Studie im Mai und Juni 2012 neunte Klassen in mehr als 1.300 Schulen im gesamten Bundesgebiet besucht.

In Mathematik wurden diesmal sechs Kompetenzformen aus dem gesamten Spektrum mathematischen Arbeitens untersucht, wie "Probleme mathematisch lösen" aber auch "Raum und Form" sowie "Daten und Zufall". In Biologie, Chemie und Physik ging es vor allem um Grundbildung, aber auch um fachübergreifendes Problemlösen.

Basis für die Aufgaben waren die von den Kultusministern für alle Bundesländer verbindlich eingeführten Bildungsstandards. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll und gelten für Lehrer als pädagogische Zielvorgabe. Damit wurden die alten, in den Bundesländern unterschiedlichen Lehrpläne an den Schulen abgelöst.

So haben die Länder abgeschnitten

Land Kompetenzstand Mathematik Fachwissen Biologie Fachwissen Physik Fachwissen Chemie
Baden-Württemberg 500 501 502 499
Bayern 517 505 515 512
Berlin 479 493 491 490
Brandenburg 518 532 529 530
Bremen 471 481 482 477
Hamburg 489 487 482 484
Hessen 495 489 496 492
Mecklenburg-Vorpommern 505 521 516 519
Niedersachsen 495
504 500 502
Nordhrhein-Westfalen 486 482 476 481
Rheinland-Pfalz 503 514 505 504
Saarland 489 498 497 497
Sachsen 536 541 544 542
Sachsen-Anhalt 513 529 534 538
Schleswig-Holstein 502 505 504 499
Thüringen 521 535 539 534
         
Mittelwert Deutschland 500 500 500 500
         

(Quelle: IQB-Ländervergleich 2012: Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe 1)

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