Verzögerungen befürchtet - Hängepartie bei Charité-Sanierung

Eigentlich sollte die Sanierung des Charité-Bettenhauses in Berlin-Mitte in diesem Herbst beginnen. Doch das 185-Millionen-Euro-Projekt ist ins Stocken geraten: Bislang hat sich noch kein Generalunternehmer gefunden, der bereit ist, die Bauarbeiten für diesen Preis durchzuführen. Von Jan Menzel

Im Bettenhochhaus in der Luisenstraße ist der breite Treppenaufgang im Foyer mit rot-weißem Flatterband versperrt. Auf einem Plakat am Eingang steht etwas versteckt: "Im Herbst 2013 beginnen die umfangreichen  Umbau- und Sanierungsmaßnahmen". Doch von Handwerkern, Baugeräten oder Gerüsten ist nichts zu sehen oder zu hören.

Das  sorgt auch bei Mitarbeitern der Charite für Besorgnis. Die stellvertretende Personalratschefin Christine Brandt berichtet von der letzten Sitzung des Fakultätsrates:  "In dieser Sitzung wurde klar, dass bis September, noch kein Generalunternehmen gefunden wurde, das sich bereit erklärt hat, für das Kostenvolumen von 185 Millionen die Sanierung durchzuführen.“

Grünen-Experte: Mittel reichen nicht aus

Ein Generalunternehmer nicht in Sicht, dazu kommt noch die bange Frage: Reichen die vorgesehenen 185 Millionen Euro aus, um die Sanierung des maroden Bettenhochhauses zu stemmen? Den Gesundheitsexperten der Grünen im Abgeordnetenhaus Heiko Thomas überrascht das nicht. Thomas kritisiert seit langem, dass der Senat die Charite an einer viel zu kurzen Leine hält. Insgesamt sei zu wenig Geld im System, und die Charité leide darunter.

Die Charité Campus-Klinik am Standort Mitte (Quelle: dpa)
Der medizinische Betrieb ist in die provisorische Campus-Klinik umgezogen.

Verzögerungen bedeuten weniger Einnahmen

Verschärfend kommt hinzu, dass die Klinik in der Sanierungsphase ihres Bettenhauses mit geringeren Einnahmen kalkuliert, weil dann weniger Betten zur Verfügung stehen. Wenn nun womöglich die Bauarbeiten später beginnen und sich vielleicht auch die Fertigstellung verschiebt, hätte das unmittelbar Auswirkungen auch auf den Klinikbetrieb, fürchtet der Linken-Haushaltspolitiker Steffen Zillich: "Dann bedeutet das, dass der Verlust der Charité größer wird und dass die Charité diesen Verlust an anderer Stelle auf Kosten der Patienten und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgleichen muss."

Charité-Sprecher: "Das Verfahren läuft noch"

Diese Gefahr sehen auch die Mitarbeiter-Vertreter. In der letzten Sitzung des Fakultätsrates seien diverse Alternativszenarien durchgespielt worden, sagt Christine Brandt. Doch keines habe besonders vielversprechend geklungen. "Was machen wir, wenn sich niemand findet? Wie würde es weitergehen, wenn alles gegen die Wand fährt?", so lauteten die Sorgen der Mitarbeiter.

Charité und Senat wollen davon nichts wissen. Das Verfahren laufe noch, sagt ein Charité-Sprecher, und deswegen dürfe man auch öffentlich nichts sagen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass es bislang noch kein Bauunternehmen für die Sanierung des Bettenhochhauses gibt - und das, obwohl die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen sollen.

Beitrag von Jan Menzel

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