Schönow wurde 2003 zwangseingemeindet - Zehn Jahre Streit und kaum Fortschritt
Schönow wollte es nicht, von Anfang an nicht. Deshalb wurde die uckermärkische Gemeinde 2003 mit drei weiteren Ortsteilen zu Passow zwangsfusioniert - gegen ihren Willen, per Gesetz. Obwohl das Dorf eigentlich zu Schwedt gehören wollte. Das sorgt bis heute für Streit. Von Franziska Maushake
"Man hat uns einfach vergessen!" - das sagen viele Schönower heute, wenn es um die Belange ihres Ortes geht.
Seit der Zwangseingemeindung vor 10 Jahren gehört Schönow als vierter Ortsteil zur Uckermärkischen Gemeinde Passow. "Eine der ärmsten Gemeinden im Land", sagt Schönows Ortsvorsteher Stefan Hildebrandt. Die Nachteile für den neuen Ortsteil sind nicht von der Hand zu weisen, gibt auch der ehrenamtliche Bürgermeister von Passow, Wolfgang Henke, zu. Denn der Gemeinde Passow stehen pro Jahr lediglich 80.000 Euro zur Verfügung. Da müsse man Prioritäten setzen, so Henke. In den letzten Jahren flossen die möglichen Investitionen in die Sporthalle der Passower Schule und in die Sanierung der Schulstraße von Passow. Für Schönow blieb da nichts übrig.
Passow besteht aus vier Ortsteilen mit insgesamt knapp 1800 Bürgern. 1500 davon leben in Passow selbst. Bei der Prioritätensetzung sei somit auch die Gemeindevertretung ein Problem, sagt Stefan Hildebrandt: "Da ist es als kleines Dorf umso schwerer, seine eigenen Interessen durchzusetzen." Bis 2012 gab es nicht einmal ein gemeinsames Entwicklungskonzept.
Lieber nach Schwedt
Wäre es vor 10 Jahren nach den Schönowern gegangen, wären sie jetzt ein Ortsteil von Schwedt. Die Kinder gehen bereits in Schwedt zur Schule, der Großteil der Bürger arbeitet in der Oderstadt und auch die Verkehrsanbindungen sprechen für Schwedt. Allein der Weg zur Amtsverwaltung Oder-Welse bis ins 25 Kilometer enfternte Pinnow ist doppelt so lang, wie der Weg nach Schwedt. Fahre man mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei das sogar eine halbe Tagesreise, beklagen viele Schönower. Man werde neidisch auf die Schwedter, sagt Oliver Schröder aus Schönow. "Alle, die zu Schwedt gehören, bekommen ein Gemeindehaus, einen Sportplatz, die Straßen werden gemacht. Wir dagegen kommen uns hier vergessen vor."
Das Hauptanliegen Schönows aber ist die fehlende DSL-Anbindung. "Wir sind kaum arbeitsfähig! Wir sind ein bisschen schneller als ISDN. Wenn ich ein Foto wegschicke, dann kann ich erstmal eine rauchen gehen. Das dauert Stunden. Das ist eine Katastrophe!", sagt Schröder.
Die Unzufriedenheit der Schönower hat sich auch 10 Jahre nach der Gemeindegebietsreform so wenig geändert, wie die Zustände in Schönow selbst. Die einst selbständige Gemeinde wehrte sich schon bei den Vorbereitungen zur Reform im Jahr 2002 gegen die geplante Eingemeindung. Die Anhörung beim Innenausschuss des Brandenburger Landtages blieb damals ohne Ergebnis und die Zwangseingemeindung folgte.
Notgedrungen geeinigt
2008 wählten die Schönower eine neue Gemeindevertretung. Mit neuem Ortsvorsteher und neuem Elan machte sich Schönow an die anstehenden Herausforderungen und scheiterte schon bei der Antragstellung. "Passow bleibt der Hauptort der Gemeinde und ist als Entwicklungsort zu sehen", wurde den Schönowern laut Stefan Hildebrandt suggeriert. So wurde ein Antrag nach dem anderen abgelehnt und auch dem Wechselvertrag zu Schwedt wurde im August 2012 nicht zugestimmt.
Nachdem klar war, dass Schönow auch im zweiten Anlauf nicht zu Schwedt wechseln durfte, setzten sich Schönows Ortsvorsteher Stefan Hildebrandt und Passows Bürgermeister Wolfgang Henke im Sommer 2013 noch einmal zusammen.
So kam es, dass Passow mit allen vier Ortsteilen ein gemeinsames Entwicklungskonzept erarbeitete - als Marschrichtung für die nächsten fünf Jahre. In diesem Konzept wird auch Schönow berücksichtigt. Hildebrandt sagt, er hoffe, dass das Konzept im Januar 2014 vollständig vorliege und er damit eine "gewisse Planungssicherheit" erhalte. Ob die Entwicklungsvorschläge dann auch umgesetzt werden, hängt allerdings wieder einmal von den Finanzen ab.




