Angermünde in der Uckermark hat von der Gemeindegebietsreform 2003 profitiert (Bild:dpa)

In Angermünde funktioniert das Projekt Großgemeinde - "Das hat man uns nicht zugetraut"

Durch die Gemeindegebietsreform wurde Angermünde 2003 flächenmäßig zu einer der größten Städte Deutschlands. Ohne ihre 22 Ortsvorsteher könnte die Bürgermeisterin ihre Gemeinde kaum regieren. Die meisten Bürger aber sind mit der neuen Struktur zufrieden. Von Franziska Maushake

Wo andere Gemeinden durch die Gemeindegebietsreform vier bis zehn neue Ortsteile dazu bekamen, hatte Angermünde plötzlich 22 Gemeinden mehr. Die Verwaltung stand wortwörtlich vor einer riesigen Aufgabe. Was anfangs für viel Skepsis gesorgt hat, ist heute aber Alltag geworden, sagt Birgit Ritter, die stellvertretende Bürgermeisterin von Angermünde.

Die zehn Jahre seien schnell vergangen, sagt sie lächelnd. Das Schwierigste damals war die Umstellung vieler Gemeinden von einem ursprünglich selbständigen Haushalt hin zu einem abhängigen Ortsteil. "Wir hatten Sorge, weil wir auf einmal fünf Dorfstraßen hatten. Wir mussten Straßen umbenennen und Ortsvorsteher ermitteln. Das war die beste Idee überhaupt. Denn auf die Ortsvorsteher sind wir auch heute noch angewiesen", sagt Ritter.

Ortsvorsteher machen Riesengemeinde beherrschbar

Die 22 Ortsvorsteher sorgen dafür, dass Angermünde verwaltungstechnisch überhaupt beherrschbar ist. Sie stehen in engem Kontakt mit der Verwaltung und melden sich, wenn es in ihrem Ortsteil Probleme gibt. Das Wichtigste überhaupt in Angermünde ist somit die Kommunikation. Per E-Mail oder Telefon ginge das aber recht unkompliziert. Die Zusammenarbeit sei gut, so Ritter weiter. Auch das Engagement der Ortsvereine sei grandios, so Ritter. "Das, was da kulturell, sportlich und für die Kinder auf die Beine gestellt wird, könnten wir als Verwaltung niemals umsetzen."

Dabei gelingt es dennoch nicht, alle Wünsche zu erfüllen. Hinzu kommt, dass die Entfernungen riesig geworden sind. Konnten die Gemeinden früher selbständig und schnell handeln, müssen sie sich heute auf lange Wege und Wartezeiten einstellen. Denn seit 2003 wird in Angermünde alles in Ausschüssen besprochen: Im Bildungssauschuss, Bauausschuss, Kulturausschuss oder der Stadtverordnetenversammlung.

Verfügungsfonds für Ortsvorsteher

Nach zehn Jahren ist in den Ortsteilen aber kaum Unmut bei den Bürgern zu merken - weil viel passiert ist. Die Straßen wurden erneuert, DSL-Kabel verlegt und die Altstadt Angermündes liebevoll restauriert. Seit 2010 ist die Stadt staatlich anerkannter Erholungsort.

Angermündes Bürger fühlen sich wohl. "Generell ist alles besser geworden", sagt beispielsweise ein Schmargendorfer. "Unsere Dörfer sind ordentlich, sauber und gepflegt."

Das Geheimnis der Zufriedenheit liegt dabei aber nicht unbedingt an der Schnelligkeit der Beschlüsse. Ganz im Gegentei - bei der Größe drehen sich die Verwaltungsmühlen sogar sehr langsam. Es sind Angermündes Eingliederungsverträge, die besonders sind. Sie beinhalten sogenannte Verfügungsfonds.

Das heißt, dass jeder Ortsvorsteher über einen bestimmten Geldbetrag verfügt, um ihn im Laufe des Jahres in seiner Gemeinde zu verteilen. "Das kommt allen Bürgern zu Gute, insbesondere aber wird das Geld für das kulturelle Leben eingesetzt, wie Dorffeste und Sportveranstaltungen, aber auch die Unterstützung der Senioren, der Kinder und der Vereine", sagt Gerhard Scholze, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Angermünde. "Das kann keine Verwaltung machen - das muss aus dem Ort heraus passieren", so Scholze weiter.

Größer soll's bitte nicht mehr werden

Mit der Größe von 22 Gemeinden hat Angermünde allerdings ein Maß erreicht, das nach Meinung vieler ausreicht. Die Wege für Schulkinder und Eltern sollten nicht weiter werden, auch die Möglichkeiten der Verwaltung sind ausgeschöpft. Das Schwierigste sei, nicht den Überblick zu verlieren, sagt Birgit Ritter. In dieser Stadt scheint es also keine Frage der Größe zu sein, ob die Gemeindegebietsreform Erfolg hat oder nicht. Angermünde jedenfalls schaut zuversichtlich in die Zukunft.

Beitrag von Franziska Maushake