Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke steht am 15.11.2013 auf dem Bundesparteitag in Leipzig auf der Bühne (Quelle: dpa)

Woidke übt Kritik an der SPD-Führung - "Den Osten gibt es noch"

Seit drei Monaten ist er brandenburgischer Ministerpräsident, am Freitag nun ist Dietmar Woidke (SPD) zu einem offiziellen Antrittsbesuch in Berlin unterwegs. Dabei wird auch über den gerade ausgehandelten Koalitionsvertrag gesprochen. Dem rbb sagte Woidke, man sei mit der Union zu guten Kompromissen gelangt. Gleichzeitig übte er aber auch Kritik an seiner Partei. Ostdeutsche Themen müssten künftig stärker betont werden.

185 Seiten ist der Koalitionsvertrag stark, den Union und SPD in dieser Woche vorgelegt haben, doch ob er tatsächlich umgesetzt wird, hängt zunächst einmal vom Mitgliedervotum ab, das die SPD bis zum 12. Dezember einholen wird.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kennt den Vertrag in- und auswendig, denn in den vergangenen Wochen hat er mit am Verhandlungstisch gesessen. Im Gespräch mit dem rbb hat er den Vertrag mit der Union am Freitag gegen Kritik verteidigt und die SPD-Mitglieder um ihre Zustimmung gebeten. Woidke sagte, dass man zu guten Kompromissen gekommen sei, zum Beispiel in der Energiepolitik und bei der Rente. Gleichzeitig äußerte der Landeschef aber auch Kritik am Wahlkampf seiner Partei. Künftig wolle er ostdeutsche Themen im SPD-Vorstand noch stärker zur Geltung bringen.

Den Koalitionsvertrag betreffend, hob Woidke vor allem den Ausbau erneuerbaren Energien hervor. Alternative Stromquellen blieben wichtig, aber auch die Bedeutung der Braunkohle sei durch den Ausstieg aus der Atomenergie gewachsen.

"Energie muss rund um die Uhr zur Verfügung stehen"

"Energie muss rund um die Uhr zur Verfügung stehen - und sie muss auch bezahlbar bleiben", sagte der Ministerpräsident. In den vergangenen Jahren habe es Entwicklungen bei den Strompreisen gegeben, "die doch vielen die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben haben". Es gebe Familien, die sich bald den Strom nicht mehr leisten könnten, aber auch Industrie-Arbeitsplätze seien betroffen. "Das ist vielleicht die größte Aufgabe, vor der die Große Koalition im Bund steht", sagte Woidke.

Rentenanpassung ist "mehr als überfällig"

Auch beim Thema Renten zeigte sich Woidke zufrieden mit dem Ergebnis der Verhandlungen. Da sei es auch in Ordnung, dass die Mehrkosten dafür überwiegend aus den Beiträgen finanziert werden statt aus Steuermitteln.

"Wir haben gesagt, wir wollen den Spitzensteuersatz erhöhen - das war in den Verhandlungen nicht durchzusetzen. Der Kompromiss, der jetzt auf dem Tisch liegt, ist aber eine ganz klare Verbesserung im Bereich der Renten, vor allem im Osten. Die Anpassung der Ost-Renten an das West-Niveau soll 2019 vollzogen werden. 30 Jahre nach Mauerfall ist das mehr als überfällig."

Woidke will ostdeutsche Themen in der SPD stärker betonen

Woidke kündigte an, er wolle die Stimme des Ostens in seiner Partei sein. Dafür werde er seine Position im Parteivorstand nutzen. "Den 'Osten' gibt es noch, es gibt die Menschen, die im Osten wohnen, es gibt die Biographien mit ihren Einschnitten, die sie zu verkraften hatten. Deshalb ist es angebracht, auch auf der obersten Parteiebene diese Themen immer wieder anzusprechen."

Woidke erneuerte auch noch einmal seine Kritik an der Parteiführung der SPD. Diese habe im Wahlkampf auch Fehler gemacht: "Für uns war es ein Riesenfehler, dass wir die eigenen Ost-Themen nicht thematisiert haben. Die standen auch im Wahlprogramm drin, deshalb war es für uns noch unverständlicher."

Ein Plakat 'Wir brauchen mehr Kita-Plätze' zum Beispiel sei an vielen Plätzen in der Bundesrepublik richtig aufgestellt, aber eben nicht in Teilen Brandenburgs, weil es dort schon viele Kita-Plätze gebe, sagte Woidke selbstkritisch. "Das sind kleine Fehler, die sich zusammensummiert haben - und wir werden diese Fehler nicht wiederholen."

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