Schild vom Haasenburg Kinder- und Jugendzentrum (Quelle: rbb)

Die Diskussion beginnt jetzt erst - Kontrolle war ein Schuss in den Ofen

Seit dem Sommer gibt es immer wieder erschütternde Vorwürfe gegen die Jugendheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg. Nun hat Bildungsministerin Martina Münch angekündigt, dass sie die drei umstrittenen Einrichtungen schließen will – die Konsequenz aus dem Bericht einer Expertenkommission, die gründlich gearbeitet und offene Fragen aufgeworfen hat. Ein Kommentar von Alex Krämer

Die Experten haben schnell gearbeitet, sie waren gründlich, haben sich die Sache nicht leicht gemacht, und sie haben einen Bericht abgeliefert, der differenziert und eindeutig zu gleich ist – keine ganz einfache Übung. Diese Kommission einzusetzen und ihren Ergebnisse abzuwarten, war eine richtige Entscheidung der Bildungsministerin – zumal der Bericht zeigt, dass es die von Martina Münch versprochene Unabhängigkeit tatsächlich gab.

Denn die Experten kritisieren nicht nur den Heimbetreiber Haasenburg. Sie machen zugleich klar, dass die Kontrolle der Heime durch das Landesjugendamt ein kompletter Schuss in den Ofen war: Auf Hinweise sei nicht ausreichend reagiert worden, Auflagen seien wirkungslos geblieben. Das heißt: Die ganz offensichtlich tatsächlich unhaltbaren  Zustände in den Haasenburg-Heimen hätten viel früher beendet werden können.

Es ist nur ein Kapitel beendet

Das ist in der Tat beschämend, da hat die Opposition im Potsdamer Landtag Recht. Beschämend auch für die Bildungsministerin, die politisch verantwortlich dafür ist und der man aber gleichzeitig zugute halten muss, dass sie sehr umsichtig agiert hat, seit die Vorwürfe öffentlich wurden.

Das Kapital Haasenburg ist also beendet. Eine andere Diskussion aber beginnt gerade erst: Wie gehen wir mit Jugendlichen um, bei denen ein Hilfsangebot nach dem anderen nichts bringt, wie sollen geschlossene Einrichtungen aussehen, braucht man sie überhaupt, und wenn ja, wie müssen sie beaufsichtigt werden? Das sind keine Fragen allein für Brandenburg, sondern für alle Bundesländer. Denn nur wenige Haasenburg-Bewohner stammten aus der näheren Umgebung. Tatsächlich kamen sie von überall her, aus Hamburg, Berlin, Bayern und zehn weiteren Bundesländern. Die ganz schweren Fälle nach Brandenburg in die Haasenburg, dieser manchmal vielleicht zu bequeme Ausweg ist künftig versperrt, neue Lösungen müssen her.

Diese Diskussion beginnt gerade erst – hoffentlich zumindest. Und hoffentlich bundesweit.

Beitrag von Alex Krämer

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Er hat als Erzieher in einem Heim der Haasenburg GmbH gearbeitet, doch er will anonym bleiben. Bereits 2010 hat er sich gemeinsam mit anderen Kollegen an das Landesjugendamt gewendet, um Missstände aufzudecken. Als er sich an der Gründung eines Betriebsrats beteiligte, wurde er entlassen. Nun wurde er von der Untersuchungskommission befragt und sprach mit dem rbb über seine Erfahrungen.