Überlegungen für Zaun um Tiergarten (Quelle: rbb)

Sicherheit für Fanmeilen und andere Feste - Behörden streiten über festen Zaun um den Tiergarten

Zur Silvester-Party wird es ohnehin nichts mehr - aber zur Fußball-WM im nächsten Sommer wäre ein fester Zaun um Teile des Berliner Tiergartens "wünschenswert". Zu diesem Ergebnis kommen Polizei und Feuerwehr. Harald Büttner, Tiefbauamtsleiter in Mitte, würde am liebsten gleich loslegen. Doch noch es gibt ein Hickhack um die Entscheidung. Von Andrea Marshall

Berlin und seine Besucher feiern gerne Riesenpartys in der Stadtmitte – zu Silvester werden am Brandenburger Tor wieder Hunderttausende, wenn nicht über eine Million Feierwütige aus aller Welt erwartet. Auch die Fanmeilen zu den Fußball-Welt- und Europameisterschaften sind in der Regel Partyknüller. Doch nach dem Attentat auf den Boston-Marathon mit drei Toten in diesem Sommer und der Massenpanik bei der Love Parade in Duisburg im Jahr 2010 (21 Tote) ist ein Streit um die Sicherheit entbrannt.

Tiefbauamt verlangt Entscheidung

Bisher werden die Veranstaltungen durch einen provisorischen Metallzaun geschützt. Der Leiter des Tiefbauamts Mitte, Harald Büttner, drängt nun auf eine Entscheidung, ob um den östlichen Tiergarten ein dauerhafter Sicherheitszaun errichtet werden soll. Damit könnten die Kontrollen verbessert werden.

Es sei aber ein entsprechender Vorlauf nötig, wenn das Areal rechtzeitig zur Fußball-WM 2014 auf diese Weise gesichert werden soll, sagte Büttner am Donnerstag dem rbb. "Die Behörden für Ordnung und Sicherheit – und nicht allein das Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt Mitte – sind zu der Überzeugung gelangt, dass nur ein fester Außenzaun die Sicherheit bringt, die solche Großveranstaltungen erfordern. Wenn die Entscheidung darüber noch im Dezember fällt, dann wären wir in der Lage … das zu bewerkstelligen", sagte Büttner.

Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) fordert diesen dauerhaften Zaun schon seit über einem Jahr.  3,5 Millionen Euro würde ein 2,40 Meter hoher, fester Zaun für rund vier Kilometer Länge kosten. Ein mobiler Zaun, der mit schweren Betonsockeln befestigt würde, schlüge mit 2,8 Millionen Euro plus 1,2 Millionen Aufstellkosten zu Buche. Die Polizei hält den fest im Boden verankerten Zaun für sicherer. Auch die Feuerwehr ist für einen stabilen Zaun.

40. BMW Berlin-Marathon (Quelle: dpa)
Zaunbau zu Babel? Über den Tiergarten-Zaun wird mit vielen Zungen gesprochen.

Streit auf allen Ebenen

Doch nun gibt es einen Wirrwarr um die Entscheidung. Ein Konzept von Mittes Baustadtrat Spallek liegt seit Monaten zur Prüfung bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Deren Chef, Senator Michael Müller (SPD), sei gegen den Plan, heißt es in Medienberichten. Staatssekretär Boris Velter (SPD) wird mit den Worten zitiert, der Tiergarten sei 200 Jahre nicht eingezäunt gewesen – und auch jetzt sei eine Einzäunung überflüssig. Die Straße des 17. Juni sei schließlich eine Verkehrsader und keine Festmeile.

Den Vorwurf der Blockade durch die Stadtentwicklungsverwaltung weist deren Sprecherin Daniela Augenstein jedoch entschieden zurück. Der Bezirk habe sich nicht eindeutig positioniert, sagte Augenstein am Donnerstag rbb online. Bürgermeister Christian Hanke (SPD) habe sich noch gar nicht zu dem Thema geäußert. Und die Bezirksverordnetenversammlung habe sich mehrheitlich gegen den Zaun entschieden. Hanke war am Donnerstagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Senat verlangt weitere Angaben

Augenstein erklärte weiter, dass die Unterlagen für die Einzäunung unvollständig seien. Außerdem müsse eindeutig geklärt werden, ob ein Zaun in diesem Umfang tatsächlich aus Sicherheitsgründen erforderlich sei. Wenn alle Angaben vorlägen, würde die Möglicheit einer Einzäunung selbstverständlich zügig geprüft.

Die Senatssprecherin erinnerte auch daran, dass außer dem Zaun auch Strom- und Wasserleitungen unter dem Tiergarten installiert werden sollen. Dies ist vorgesehen, um zur Fußball-WM eine "Premium-Partymeile" anbieten zu können. "Dafür werden wir die Straße des 17. Juni ohnehin aufreißen", sagte Augenstein.

Innenverwaltung und Fußballbund wollen den Zaun

Die Innenverwaltung verwies am Donnerstag gegenüber rbb online wiederum darauf, dass Polizei und Feuerwehr in einem Gutachten den festen Zaun für "wünschenswert" befunden hätten. Innensenator Frank Henkel und sein Staatssekretär Bernd Krömer (beide CDU) teilten diese Auffassung.

Inzwischen hat auch der Deutsche Fußball-Bund klargemacht, dass es zur Fußball-WM 2014 und zum Champions-League-Finale 2015 nur dann Fanmeilen in Berlin geben soll, wenn bis dahin ein stabiler Zaun steht. Egal, ob fest im Boden verankert oder mobil.

Beitrag von Andrea Marshall

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