Gedenken an den Mauerfall vor 24 Jahren (Quelle: dpa)

Gedenkveranstaltungen - Berlin erinnerte an den Mauerfall vor 24 Jahren

An verschiedenen Orten in Berlin wurde dem Fall der Mauer am 9. November 1989 gedacht. Bei einer Andacht an der Mauergedenkstätte am Samstagmorgen war auch der Regierende Bürgermeister dabei. Kritik wurde an den Regelungen zur Entschädigung für Diktatur-Opfer laut. An der East Side Gallery wurde gegen die Bebauung dort protestiert.

In Berlin ist am Samstag an den Mauerfall vor 24 Jahren erinnert worden. Rund 350 Menschen kamen aus diesem Anlass in die Gedenkstätte Berliner Mauer. Darunter waren zahlreiche Zeitzeugen sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft. In der dortigen Kapelle der Versöhnung fand am Morgen eine Andacht statt, an der auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) teilnahm. Im Anschluss zündeten Wowereit und Besucher im Gedenken an die Opfer an der deutsch-deutschen Grenze Kerzen an.

Während der Andacht in der Bernauer Straße wurde besonders die internationale Bedeutung des Mauerfalls gewürdigt. Drei junge Frauen aus Australien, Großbritannien und Estland schilderten, wie ihre persönlichen Schicksale mit dem 9. November 1989 verbunden sind. Deutlich wurde dabei, dass durch die deutsche Teilung auch Familien im Ausland von Trennung betroffen waren.

Am 9. November 1989 war die Mauer nach Massenprotesten und Massenfluchten von DDR-Bürgern endgültig gefallen.

Im Vorfeld der Gedenkveranstaltung hatte Wowereit an den Wert der Freiheit erinnert. "Wir gedenken der Menschen, die an der Mauer ihr Leben oder ihre Gesundheit verloren haben", betonte Wowereit und fügte hinzu: "Der Mauerfall 1989 mahnt uns bis heute, wie hoch der Wert der Freiheit ist."  Er erinnerte daran, dass mit dem Mauerfall Berlin wieder zusammenwachsen konnte. "Menschliche und familiäre Bindungen, die unter vierzig Jahren Teilung so sehr gelitten haben, konnten sich wieder ungehindert entwickeln." Zugleich appellierte der Regierende Bürgermeister daran, die Erinnerungen an den Mauerfall und die Friedliche Revolution zu bewahren und an nachwachsende Generationen weiterzugeben.

Roland Jahn (Quelle: dpa)
Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen: Roland Jahn.

Roland Jahn: Entschädigung politischer DDR-Häftlinge erleichtern

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, forderte, die Entschädigung politischer Häftlinge aus DDR-Zeiten zu erleichtern und die Beweislast umzukehren. "Es darf nicht sein, dass die Opfer der SED-Diktatur, die krank aus dem Gefängnis gekommen sind, nachweisen müssen, warum sie in welcher Zelle krank wurden", sagte er der "Berliner Zeitung" (Online-Ausgabe am Samstag). Bei Zweifel sollte der Staat die Überprüfung vornehmen. Derzeit müssen die Opfer beweisen, dass physische oder psychische Schäden von der Haft herrühren.

Auch der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Rainer Wagner, übte demnach Kritik an diesem Zustand. "Bei Gesundheitsschäden von ehemaligen Häftlingen ist es immer noch sehr, sehr schwer, den ursächlichen Zusammenhang zu beweisen", sagte er der "Berliner Zeitung". "Das gilt vor allem für psychische Schäden. Viele sind nach der Untersuchung re-traumatisiert und kriegen ihren Antrag trotzdem nicht durch." Wagner fügte hinzu: "Unsere Forderung lautet Beweislastumkehr, so dass praktisch bewiesen werden muss, dass die Krankheit nicht aus der Haft kommt."

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur kritisierte, dass es die bestehenden Regelungen Diktaturopfern schwer bis unmöglich machten, für das erlittene Unrecht eine angemessene Entschädigung zu erhalten. Oftmals zögen sich die Antragsprozeduren über viele Jahre hin. Von den bisher eingereichten Anträgen sei auch 24 Jahre nach dem Mauerfall nur rund jeder vierte positiv beschieden worden.

Kundgebung "East Side Gallery retten" (Quelle: dpa)
Unterstützer der East Side Gallery nutzten den Gedenktag zum Protest.

Protestkundgebung in Friedrichshain

An der weltberühmten East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain gab es eine Kundgebung. Sie richtete sich gegen die Bebauungspläne dort. Mehrere Dutzend Menschen folgten dem Aufruf der Künstlerinitiative East Side Gallery, um gegen die Bebauungspläne an der Mauer zu demonstrieren. Seit Anfang des Jahres wird auf dem ehemaligen Todesstreifen gebaut. Bei den Bauarbeiten wurden auch Teile der Mauer entfernt.

Außerdem wurde am Samstagabend am Mauer-Gedenkort in der Bornholmer Straße im Berliner Bezirk Pankow eine Zeremonie nachgeholt: Der Ort heißt seit einiger Zeit Platz des 9. November. Nun wurde hier auch ein entsprechendes Straßenschild aufgestellt.


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Bildausschnitt des rbb online-Projekts berliner-mauer.de (Quelle: rbb online)

In eigener Sache - "The Berlin Wall" - Online-Doku zur Mauer jetzt auch auf Englisch

Am 9. November ist es 25 Jahre her, dass die Berliner Mauer fiel. Eine Website des rbb blickt mit 250 Videos zurück: vom Bau der Mauer im Sommer 1961 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Zum Durchstöbern zu Hause - und mobil zum Nachforschen vor Ort. Ab sofort steht die Multimedia-Dokumentation auch in englischer Sprache zur Verfügung.