Ein Mann raucht im Coffeesho "Easy Going" in Maastricht (Niederlande) einen Joint. (Quelle: dpa)

Streit um Kreuzberger BVV-Beschluss - "Coffeeshop" ist beschlossen - und bleibt trotzdem fraglich

Der Senat ist strikt dagegen, die Bundesdrogenbeauftragte ebenfalls - doch der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will ihn trotzdem durchsetzen: den ersten "Coffeeshop" Deutschlands. Monika Herrmann, die grüne Bezirksbürgermeisterin, will mit der Initiative neue Wege beschreiten. Doch ob diese Wege auch zum gewünschten Ziel führen, ist derzeit nicht absehbar.

Mit dem Streit um das Flüchtlingscamp am Oranienplatz hat die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), zurzeit eigentlich mehr als genug Zündstoff auf dem Tisch. Trotzdem treibt sie ein weiteres kontroverses Thema voran: Um den illegalen Drogenhandel im Görlitzer Park einzudämmen, will sie in Kreuzberg den ersten "Coffeeshop" Deutschlands einrichten. Am Donnerstag stimmte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ihrem Plan mit großer Mehrheit zu. Herrmann erklärte daraufhin die Verbotspolitik der letzten Jahrzehnte für gescheitert. "Wir müssen jetzt ungewöhnliche Lösungen denken."
In dem geplanten "Coffeeshop" müssten die Kunden nachweisen, dass sie älter als 18 sind. Zudem sollen medizinisch geschulte Mitarbeiter und Sozialarbeiter die Kunden in Augenschein nehmen und ihnen Unterstützung anbieten.

Czaja lehnt einen Coffeeshop kategorisch ab

Vom Bund und vom Senat bekommt die Bezirksbürgermeisterin Gegenwind: Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) etwa lehnt "Coffeeshops" kategorisch ab. Die Einführung sei aus Gründen des Gesundheitsschutzes nicht denkbar. Der illegale Rauschgifthandel werde dadurch nicht aus der Welt geschafft.
Auch der Berliner Senat steht dem Vorhaben ablehnend gegenüber. "Aus meiner Sicht ist das der falsche Weg", zitiert die "Berliner Morgenpost" Innensenator Frank Henkel (CDU). Auch Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hält nichts von den Plänen. "Der Senat sieht darin keine Maßnahme, den Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel im Görlitzer Park einzudämmen", sagte er Anfang November im Abgeordnetenhaus. "Ich halte dieses Vorhaben für unrealistisch und falsch", betonte Czaja. "Cannabis ist keine harmlose Substanz."

Zudem könne eine Ausnahme vom zuständigen Bundesinstitut nur zugelassen werden, wenn ein entsprechendes öffentliches Interesse daran bestehe. Dieses liege hier aber nicht vor, so der Gesundheitssenator.
Dass im Görlitzer Park etwas geschehen muss, ist aber auch dem Berliner Senat nicht entgangen. Dem Innensenator zufolge gab es in den ersten neun Monaten dieses Jahres in der großflächigen Grünanlage 113 Razzien. Polizisten überprüften dabei 948 Menschen. Wegen Drogendelikten wurden 310 Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Hanfparade für die Legalisierung von Cannabis (Quelle: dpa)
Die Hanfparade fordert eine generelle Legalisierung von Cannabis.

Junge Liberale werben für Legalisierung von Hanf

Unerwartete Unterstützung erhielt Hermann hingegen von den Jungen Liberalen (JuLi), der Nachwuchsorganisation der FDP. "Der Konsum von Cannabis ist gesellschaftliche Realität. Der Erwerb von Hanf muss endlich legalisiert werden", forderte der Berliner JuLi-Landesvorsitzende Mitja Schulz am Freitag. Der rot-schwarze Senat solle seine Blockade aufgeben. Eine geprüfte Freigabe trenne die Märkte von harten und weichen Drogen, erhöhe die Qualität des Haschs und mache den Konsum so sicherer.

Der Coffeeshop soll zum einen Cannabis kontrolliert abgeben, aber vor allem wollen wir dort Beratungen anbieten. Wir wollen Gesundheitsschutz fördern. Wir wollen an die Leute ran, die problematische Konsummuster haben. Wir wollen Jugendschutz fördern. Dabei wollen wir nicht, dass es nur auf einen einzigen Standort begrenzt bleibt, sondern wir stellen uns mehrere dezentrale Standorte vor. Auch gerne mit den anderen Bezirken bezirksübergreifend, sodass das nicht nur ein Standort ist, der eine große Attraktion wird.

Jonas Schemmel, BÜ‘90/Grüne, Fraktionssprecher Friedrichshain-Kreuzberg

Die BVV-Mitglieder von Bündnis90/Die Grünen, SPD, Linken und Piraten hatten am Donnerstag geschlossen für das Modellprojekt in Kreuzberg gestimmt. Die vier Mitglieder der CDU-Fraktion nahmen an der Anstimmung nicht teil. Sie hatten zuvor unter Protest den Saal verlassen, weil angesichts der lautstarken Proteste von Unterstützern der Flüchtlinge am Oranienplatz die Flüchtlingsthematik in der Tagesordnung vorgezogen wurde - und alle Äußerungen ins Englische übersetzt wurden.

Gemeinsam mit Beratungsstellen und Anwohnern soll nun ein Antrag an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erarbeitet werden. Die Eröffnung eines "Coffeeshops" wäre nur mit Genehmigung der Behörde möglich.

"Coffeeshops" sind geduldete Verkaufsstellen für bestimmte Drogen. Bekannt sind die Haschisch-Cafés vor allem aus den Niederlanden. Da der Verkauf von Drogen in Deutschland grundsätzlich verboten ist und dieses Verbot auch für Behörden gilt, hofft der Bezirk auf eine Ausnahmegenehmigung aus öffentlichem Interesse.

Bislang habe es noch keinen Antrag und auch nie einen bewilligten Coffeeshop in Deutschland gegeben, sagte ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte am Donnerstag. Daher könne er die Erfolgsaussichten auch nicht einschätzen.

  • Wie ist die Ausgangslage am Görlitzer Park?

  • Wie reagiert bisher die Berliner Politik?

  • Welche rechtlichen Hürden für Coffeeshops gibt es?

  • Was ist legal, was nicht?

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