Ein Lehrer mit einer Schulklasse (Bild: dpa)

Lehrer-Bewertungsportal stößt auf geringes Interesse - Brandenburger Lehrer wollen nicht benotet werden

Kopfnoten, Halbjahreszeugnisse, Abizensuren: Schüler werden ständig geprüft und bewertet. Aber in Brandenburg haben auch Schüler die Möglichkeit, die Leistungen ihrer Lehrer zu beurteilen - über ein Internet-Bewertungsportal. Allerdings nur, wenn die Lehrer dies zulassen. Und das machen in Brandenburg die wenigsten.

Nur wenige Lehrer aus Brandenburg lassen ihren Unterricht von Schülern bewerten. Im Schuljahr 2012/13 haben nur rund zwei Prozent der Lehrer das Internet-Bewertungsportal des Instituts für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ) für anonyme Befragungen genutzt. Das geht aus einer Antwort von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen, Marie Luise von Halem, hervor.

Auch Schulleitungen lassen ihre Arbeit nur selten einschätzen. Marie Luise von Halem bezeichnete die schlechte Nutzung als "erschreckend" und sprach von vertanen Chancen.

Das geringe Interesse von Lehrern, ihren Unterricht von ihren Schülern benotet zu bekommen, hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Hatten sich im Schuljahr 2010/2011 von den insgesamt 18.161 Lehrkräften in Brandenburg statistisch nur 280 (1,5 Prozent) beteiligt, so waren es im Schuljahr 2012/2013 nur 98 Lehrer mehr (2,1 Prozent).

Alltag Schule: Schüler in einer Klasse
Brandenburgs Lehrer stehen der Benotung ihrer Leistung skeptisch gegenüber.

Lehrer tun sich schwer beim "Betreten von Neuland"

Das ISQ-Bewertungsportal für Berlin und Brandenburg soll eigentlich dazu dienen, die Unterrichtsqualität zu verbessern und auf die Bedürfnisse der Schüler zu reagieren. Laut Institut für Schulqualität bietet es Lehrern und Schulen die Möglichkeit, "Instrumente zur Selbstevaluation des eigenen Unterrichts online zu nutzen und dadurch schnell und unkompliziert eine Rückmeldung zum eigenen Unterricht zu erfahren."

Die Schüler können - sofern ihre Lehrer es zulassen - über das Onlineportal anonym den Unterricht bewerten.

Dass das Interesse daran bei den Lehrern jedoch so gering ausfällt, mag laut Brandenburgs Landesregierung daran liegen, "dass es verständliche Verunsicherungen beim Betreten von Neuland angesichts des erwarteten Feedback gibt". Doch verpflichtend werden die Lehrer-Evaluationen zukünftig wohl trotzdem erst einmal nicht.

Neben den Lehrern begegnen auch Schulleiter dem Bewertunsportal skeptisch. Auch sie lassen ihre Arbeit nur selten einschätzen, was Ministerin Münch offenkundig mißfällt: "Die Inanspruchnahme der Befragungsmöglichkeit durch die Schulleitungen entspricht bisher nicht den Erwartungen", heißt es in ihrer Antwort auf die parlamentarische Anfrage.

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