Alltag Schule: Schüler in einer Klasse
Video: Brandenburg aktuell |18.11.2013 | Beitrag von Robin Avram und Tina Rohowski

Expertenvorschläge präsentiert - Brandenburg stellt sich auf weniger Schüler ein

In Brandenburg werden immer weniger Kinder eingeschult. Ab 2017 wird sich dieser Rückgang wegen der demografischen Entwicklung und der Abwanderung aus der Mark deutlich bemerkbar machen. Höchste Zeit, um Maßnahmen zu ergreifen - Experten haben schon mal Vorschläge gemacht.

Der anhaltende Wegzug junger Brandenburger und die Alterung der Bevölkerung haben auch Auswirkungen auf die Grundschulen in der Mark. Künftig werden immer weniger Kinder eingeschult.

Um einen hochwertigen Unterricht auch weiterhin zu gewährleisten, sollen Grundschulen für ihren Bestand künftig grundsätzlich mindestens 90 Schüler haben. Das hat eine Kommission im Auftrag des Landesbildungsministeriums am Montag vorgeschlagen.

Daneben sollen aber auch kleine Grundschulen möglich sein. Die müssten dann aber mindestens drei jahrgangsübergreifende Klassen mit jeweils mindestens 15 Schülern anbieten, heißt es in dem Bericht. Sonst sei guter Unterricht durch qualifizierte Lehrer in ländlichen Regionen nicht mehr zu garantieren. Schon jetzt gibt es in Brandenburg Schwierigkeiten damit, Lehrer für die Arbeit im ländlichen Raum zu gewinnen.

Schulauflösungen in Zukunft nicht ausgeschlossen

Empfohlen wird auch ein Filialschulmodell - danach könnten in dünnbesiedelten Gemeinden die Schüler der 5. und 6. Klassen Fachunterricht an einem gemeinsamen Grundschulstandort bekommen. In Filialen in anderen Dörfern der Gemeinde würden dann die 1. bis 4. Klassen unterrichtet. Das soll helfen, weite Schulwege vermeiden. Die Lehrer sollen besser auf jahrgangsübergreifenden Unterricht vorbereitet werden, um diese Anforderungen abzufedern.

Der Demografie-Bericht nennt keinen Grundschulstandort in Brandenburg, dem die unmittelbare Schließung droht. Allerdings sind in den kommenden Jahren 10 bis 20 Schulauflösungen aufgrund sinkender Einschulungen nicht ausgeschlossen, hieß es.

Bildungsministerin Martina Münch (Bild dpa)
Ministerin Münch setzt auf langfristige Planung, um mit schwindenden Schülerzahlen umzugehen.

Damit könne das bestehende Schulnetz weitgehend erhalten bleiben, sagte Bildungsministerin Martina Münch (SPD): "Es geht darum, Schule insgesamt zu sichern." Ihr Haus will dazu bis Ende 2014 ein tragfähiges Konzept für die Grundschulen ausarbeiten, ab 2017 wird mit einem drastischen Rückgang bei den Einschulungen gerechnet.
Der ländliche Raum dürfe nicht ausbluten, betonte die Vorsitzende der Kommission, die ehemalige Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, Ute Erdsiek-Rave (SPD). Die Experten und Vertretern der Kommunen sowie Landtagsfraktionen wurde Ende September 2012 eingesetzt und haben ihre Empfehlungen in zwölf Sitzungen erarbeitet.

Kirchen beteiligen sich an Planung

Neben dem regulären Unterrichtsbetrieb sollen auch Fernunterricht, E-Learning und eine Zusammenarbeit von freien und öffentlichen Schulen in Brandenburg möglich werden. Die Grundversorgung solle aber weiter vom Staat gewährleistet werden und dürfe nicht den freien Schulen überlassen werden, so Erdsiek-Rave.
Die freien Schulen könnten nicht gleichrangig in die Grundversorgung mit einsteigen, betonte auch Münch. Die großen kirchlichen Träger hätten schon Interesse gezeigt, sich an den Planungen zu beteiligen. Sie wollen laut Münch auf weitere Schulgründungen in Regionen mit geringen Schülerzahlen verzichten. Brandenburg sei das einzige Bundesland, das sich bereits "frühzeitig und vorausschauend" mit den kommenden demografischen Problemen im Schulbereich auseinandersetze, sagte Erdsiek-Rave. Wegen sinkender Schülerzahlen nach 1990 wurden in Brandenburg bereits rund 200 von einst 650 Grundschulen und rund 230 von einst 450 weiterführenden Schulen geschlossen.

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