
Schulabbrecher in Berlin und Brandenburg - Setzen, Sechs!
Fünf Jahre nach dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern zieht der Deutsche Gewerkschaftsbund Bilanz und kritisiert das Bildungssystem. Die Quote der Schulabbrecher in Deutschland sei noch immer zu hoch. Berlin und Brandenburg stehen sogar schlechter als der Bundesdurchschnitt da.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten 2008 bei ihrem Bildungsgipfel in Dresden das Ziel ausgegeben, die Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss bis 2015 auf vier Prozent zu halbieren. Heute veröffentlichte der DGB seine "Fünf-Jahres-Analyse" und zieht eine eindeutige Bilanz: In Deutschland ist die Zahl der Schulabbrecher weiterhin deutlich zu hoch. Im Schuljahr 2011/12 betrug ihr Anteil 5,9 Prozent.
Berlin und Brandenburg stehen nicht gut da
Auch Berlin und Brandenburg können keinen guten Ergebnisse vorweisen: Die Zahl der Schulabbrecher in Brandenburg sinkt zwar, liegt aber weiter deutlich über dem Bundesschnitt. Im Schuljahr 2011/12 betrug der Anteil der Jugendlichen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verließen, laut Bildungsministerium 8,4 Prozent. Brandenburgs Bildungsministerium sieht sich dennoch auf einem guten Weg. 2008/09 war die Anzahl der Schulabbrecher noch gegen den Bundestrend auf 11 Prozent gestiegen.
Inzwischen zeigten viele Projekte erste Erfolge, sagte Stephan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums. "Wir haben inzwischen Oberschulen, an denen nahezu jeder Schüler seinen Abschluss macht", betonte er. Hilfreich sei beispielsweise die Vernetzung zu Firmen in der Region. "Die Kooperation und die Aussicht auf einen Lehrstelle schafft Anreize, durchzuhalten", so Breiding.
Die FDP-Fraktion im brandenburgischen Landtag bezeichnete das Ergebnis als "Armutszeugnis". Die rot-rote Landesregierung habe sich selbst das Ziel gesteckt, die Zahl der Abbrecher zu halbieren, mahnte Fraktionschef Andreas Büttner.
Große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland
Berlin steht mit einer Abbrecher-Quote von neun Prozent im Jahr 2012 noch schlechter da. Die Zahl ist sogar im Vergleich zum Jahr 2008 um ein Prozent gestiegen. Der Bildungsforscher Klaus Klemm, der im Auftrag des DGB die Fünf-Jahres-Analyse erstellt hat, bezweifelt, dass alle Ziele des Bildungsgipfels "in absehbarer Zeit" erreicht werden können.
Der Forscher verweist auf große Unterschiede zwischen den Bundesländern. So verlassen in Bayern nur 4,8 Prozent der Jugendlichen ihre Schule ohne Hauptschulabschluss. In Mecklenburg-Vorpommern sind es dagegen 11,9 Prozent. Insgesamt sind die Schulabbrecherzahlen im Osten deutlich höher als im Westen.



