Die Universität am Neuen Palais in Potsdam (Quelle: dpa)

Eröffnung der "School of Jewish Theology" - Festakt zum Start der Jüdischen Theologie in Potsdam

75 Jahre nach den Novemberpogromen von 1938 wird zum ersten Mal an einer deutschen Universität Jüdische Theologie gelehrt: Am 19. November wird die "School of Jewish Theology" in Potsdam offiziell eröffnet. "Auf Potsdam fällt jetzt das Licht der Geschichte", freute sich der Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam.

Erstmals werden seit diesem Wintersemester Rabbiner und Kantoren an einer deutschen Universität im Rahmen eines Theologiestudiums ausgebildet. Insgesamt 47 Studenten hätten Mitte Oktober ihr Studium im neu gegründeten Institut für Jüdische Theologie an der Universität Potsdam aufgenommen, sagte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Johann Hafner.

"Auf Potsdam fällt jetzt das Licht der Geschichte, weil hier zum ersten Mal an einer staatlichen Universität die konfessionelle Befassung mit dem Judentum auf akademischem Niveau möglich wird." Die feierliche Eröffnung des Instituts "School of Jewish Theology" im Audimax der Universität findet am 19. November 2013 statt.

Ein Mitglied einer jüdischen Gemeinde verfolgt die Amtseinführung einer Rabbinerin (Quelle: dpa)
Alle Studenten können den Studiengang belegen - unabhängig von ihrer Religion

Zum Festakt im Auditorium Maximum auf dem Campus am Neuen Palais werden rund 400 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft sowie Angehörige verschiedener jüdischer Glaubensgemeinschaften aus dem In- und Ausland erwartet. Auch Bundeswissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) und der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman werden dabei sein. Die Festrede hält die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann.

Die Abraham-Geiger-Plakette wird verliehen

Für ihr besonderes politisches Engagement bei der Institutionalisierung der jüdischen Theologie an der Universität Potsdam werden Mitglieder des brandenburgischen Landtags mit der Abraham-Geiger-Plakette geehrt. Die ehrgeizigen Pläne für die jüdische Theologie hätten nur dank der politischen und finanziellen Unterstützung der Bundes- und Landespolitik umgesetzt werden können, betonte die Universität. Mit der Änderung des brandenburgischen Hochschulgesetzes wurde in diesem Jahr die Grundlage für einen Kooperationsvertrag der Universität Potsdam mit den jüdischen Gemeinschaften geschaffen.

"... ist die Emanzipation der Juden in Deutschland vollendet"

"Damit ist die Jüdische Theologie erstmals an einer deutschen Universität auf Augenhöhe mit den christlichen Religionen und dem Islam vertreten", sagte Professor Walter Homolka, Rektor des Rabbinerseminars des Abraham Geiger Kollegs. Denn nun sei die Jüdische Theologie ein eigenständiges Fach mit einem konfessionellen Einfluss auf die Berufung der Professoren. Bislang gebe es nur die Jüdischen Studien, die auch von vielen nichtjüdischen Wissenschaftlern gelehrt werden.

Mit der Gründung des Instituts werde eine Forderung Geigers aus dem Jahr 1836 nach mehr als 175 Jahren erfüllt, betonte Homolka: "Erst wenn die Jüdische Theologie gleichberechtigt mit den christlichen Religionen an den Universitäten vertreten ist, ist die Emanzipation der Juden in Deutschland vollendet." Homolka ist einer von sechs Professoren jüdischen Glaubens, die nun Jüdische Theologie in Potsdam unterrichten.

Der auch in Europa einmalige Bachelorstudiengang steht Studenten unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit offen. Jüdische Studierende können sich in Verbindung mit einer praktischen Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg für die liberale Glaubensrichtung oder mit dem konservativ ausgerichteten Zacharias Frankel College zum Rabbiner oder Kantor ausbilden lassen.

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