Obdachloser auf dem Weihnachtsmarkt (Quelle:dpa)

Kluft zwischen Arm und Reich wächst - Jeder Fünfte in der Region ist armutsgefährdet

"Deutschland war noch nie so gespalten wie heute", das ist das beunruhigende Fazit des neuen Armutsberichts. Und das gilt ganz besonders für Berlin und Brandenburg, denn hier sind überdurchschnittlich viele Menschen armutsgefährdet. Tendenz: steigend.

Die Kluft zwischen armen und reichen Ländern geht immer weiter auseinander, bundesweit sind 15,2 Prozent der Menschen von Armut bedroht. Das geht aus dem Armutsbericht 2013 hervor, den der Paritätische Wohlfahrtsverband am Donnerstag in Berlin vorgelegt hat.

In der Hauptstadt ist der Anteil der armutsgefährdeten Menschen mit 21,2 Prozent noch deutlich höher. Auch in Brandenburg ist mit einer Armutsquote von 18,3 Prozent nahezu jeder Fünfte betroffen. Die Ergebnisse beruhen auf dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes.

Wer ist arm?

Als von Armut bedroht gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Bei einem Singlehaushalt sind das derzeit weniger als 869 Euro im Monat, für eine vierköpfige Familie liegt die Grenze bei 1.826 Euro.

Die Amerikanisierung des Arbeitsmarkts

Brandenburg stieg damit in die Klasse der ärmsten Bundesländer ab. 2011 lag die Quote noch bei 16,9 Prozent. Obwohl die Arbeitslosigkeit sinkt, ist eine Trendumkehr nicht in Sicht - die Experten vom Paritätischen Wohlfahrtsverband führen das auf eine "Amerikanisierung des Arbeitsmarkts" zurück. Immer mehr Jobs seien unsicher und schlecht bezahlt und führten nicht zu ausreichenden Einkommen. Ausdrücklich begrüßt wurde vom Wohlfahrtsverband der im Koalitionsvertrag vereinbarte Mindestlohn.

Nach Angaben von Andreas Kaczynski vom Paritätischen Landesverband in Potsdam ist das Risiko, unter die Armutsgrenze zu rutschen, in Brandenburg stärker angestiegen als in allen anderen Bundesländern. Dafür verantworlich sei die demografische Entwicklung, große Unterschiede bei den Regionen innerhalb Brandenburgs und auch das Wegbrechen von Arbeitsfördermaßnahmen.

Vor allem für Langzeitarbeitslose werde es immer schwerer einen Job zu finden - gerade in Regionen, die von Abwanderung geprägt sind wie die Uckermark, die Lausitz oder die Region Frankfurt.

Berlin mit vielen prekären Arbeitsverhältnissen

Auch in Berlin hat sich die Situation verschlechtert, 2008 stand die Hauptstadt mit einer Armutsquote von 18,7 Prozent noch besser da, mittlerweile belegt sie mit 21,2 Prozent den drittletzten Platz unter den Bundesländern. Allerdings hat sich die besonders schlechte Entwicklung entschleunigt, denn die Quote stieg nur noch um 0,1 Punkte.

In Berlin gebe es viele prekäre Arbeitsverhältnisse, so der Verband. In der Kreativwirtschaft beispielsweise seien die Bedingungen für Singles vielleicht noch akzeptabel, für Familien aber schwer erträglich.

Deshalb müsse in Berlin und Brandenburg gegengesteuert werden, zum Beispiel durch spezielle Unterstützung für Langzeitarbeitslose.

Reichen Ländern geht es immer besser

Während sich die Situation in den armen Ländern immer mehr verschlechtert, geht es den reichen Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg immer besser. Dort sinkt die Armutsquote weiter und liegt mit 11,2 bzw. 11,1 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt, während sie bei den Schlusslichtern Mecklenburg-Vorpommern und Bremen weiter gestiegen ist und 22,9 bzw. 23,1 Prozent beträgt.

Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider: "Deutschland war noch nie so gespalten wie heute." Als Konsequenz forderte er die gezielte finanzielle Förderung notleidender Kommunen sowie ein Paket von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Erhalt der sozialen Infrastruktur vor Ort.

Von der im Grundgesetz geforderten Gleichheit der Lebensverhältnisse in Deutschland könne keine Rede mehr sein.