
Spree-Querung und Ostkreuz-Tunnelung - Kosten für geplanten letzten A100-Abschnitt verdoppeln sich
Die Verlängerung der A100 bis zum Treptower Park war schon heftig umstritten - auch wegen der immensen Kosten. Nun zeigen die Planungen für den zweiten Bauabschnitt bis zum Norden von Friedrichshain: Die geplanten Kosten werden sich verdoppeln. Und die Grünen erwarten sogar ein noch schlimmeres Szenario.
Noch ist der 17. Bauabschnitt gar nicht genehmigt, doch die neue Kostenschätzung dürfte die Debatte noch schwieriger machen. Bis zuletzt hatten die Planer gut 280 Millionen Euro für die gut vier Kilometer lange Strecke veranschlagt. Jetzt setzt die Verkehrsverwaltung die Kosten fast doppelt so hoch an. Das ist die Auskunft von Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine kleine Parlamentsanfrage der Grünen.
Demnach müssen für den Bau nunmehr 530 Millionen Euro veranschlagt werden. Als Grund dafür werden Kostensteigerungen seit der letzten Schätzung von 1999 angegeben. Aus Sicht der Grünen ist aber auch diese Schätzung nicht realisitisch.
Kritik von den Grünen: Senat hat offenbar keinen Überblick
Wie Verkehrsexperte Harald Moritz am Freitag dem rbb sagte, sind die Zahlen gezielt nach unten gerechnet. Er gehe davon aus, dass der Abschnitt letztlich eine Milliarde Euro kosten würde. Daher fordert er, aus der Planung auszusteigen und die Mittel für die Sanierung bestehender Autobahnen zu verwenden.
Sein Parteikollege Harald Moritz bemängelt, der Senat habe keinen Überblick über die wahren Kosten für den Bauabschnitt. Beim geplanten Tunnel unter der Neuen Bahnhofstraße und Gürtelstraße habe der Senat offenbar keinen Plan, so der Verkehrsexperte der Grünen-Fraktion am Freitag. Zum Bundesverkehrswegeplan habe die Senatsverwaltung eine sechsstreifige Autobahn mit einem Querschnitt von 25 Metern im Tunnel angemeldet. "Wie sechs Fahrstreifen inklusive Mittelstreifen, Standstreifen und Fluchtwege auf 25 Meter passen sollen, ist vollkommen schleierhaft", erklärte Moritz.
Der rot-schwarze Senat betrachtet den Ausbau als notwendige Investition, um die östlichen Stadtbezirke besser an den mittleren Straßenring und den künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld anzuschließen. Die Grünen lehnen den Autobahnbau dagegen strikt ab. Im Herbst 2011 kam es deshalb nicht zu einer rot-grünen Koalition.
Trasse von Neukölln über Treptow nach Friedrichshain
Der 17. Bauabschnitt soll eines Tages die A 100 vom Treptower Park bis zur Storkower Straße im Norden vom Friedrichshain verlängern. Den Senatsplänen zufolge führt die 4,1 Kilometer lange Trasse dann vom Treptower Park auf einer neuen Brücke über die Spree und taucht anschließend in einen Tunnel ab.
Dieser führt unter dem Bahnhof Ostkreuz hindurch und später über eine neu zu bauende Straße entlang des S-Bahn-Rings bis zur Storkower Straße. Eine Anschlussstelle stellt die Verbindung zur Frankfurter Allee her. Für diesen finalen Bauabschnitt gibt es bisher noch keinen Termin.
Bereits im Bau ist der 16. Bauabschnitt, der die Autobahn von der Grenzallee in Neukölln zur neuen Anschlussstelle Am Treptower Park verlängert. Die Strecke von einer Länge von 3,2 Kilometer führt durch die Bezirke Neukölln und Treptow-Köpenick.
Der neue Abschnitt soll den Ostteil der Stadt entlasten
In der derzeitigen Verkehrssituation wird der von Westen ankommende Verkehr auf den Autobahnring geleitet und so auf die Bezirke umgelenkt. Im Osten aber laufen bisher große Straßen sternförmig auf das Stadtzentrum zu – der Verkehrsfluss ist hier von Ampeln und Kreuzungen unterbrochen, erst im Zentrum verteilt er sich wieder. Zu den stark belasteten Straßen gehören die Karl-Marx-Straße in Neukölln und das Adlergestell in Treptow.
Von den östlichen Bezirken aus gibt es keine zügige Verbindung nach Süden, zum Beispiel an die nach Südosten führende A 113, und damit zum künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Die Ost-West-Verbindung führt bislang also mitten durch die Stadt. Der neue Bauabschnitt soll Abhilfe schaffen, indem er den Ring verlängert, den aus Osten kommenden Verkehr abfängt und die östlichen Bezirke an die A 113 anbindet.




