Hostel in Friedrichshain - Kurzfristige Unterkunft für Eisfabrik-Bewohner gefunden
Seit etwa zwei Jahren wohnen Obdachlose in der ehemaligen Eisfabrik in Berlin-Mitte. Am Freitag sollte das baufällige Gebäude eigentlich geräumt werden, einige Bewohner waren daraufhin vorübergehend in eine Kirche gezogen. Nun haben die Betroffenen, Caritas und Katholische Kirche offenbar eine Lösung für alle Obdachlosen gefunden - zumindest für das Wochenende.
Die Bewohner der ehemaligen Berliner Eisfabrik in Mitte kommen vorerst in einem Hostel in Friedrichshain unter. Das Bezirksamt Mitte hat sich bereiterklärt, den Betroffenen über das Wochenende die Unterkunft in einem Hostel zu finanzieren, teilte die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram am Samstagnachmittag mit.
Nach ihren Angaben handelt es sich um 20 Bulgaren, für die man bereits ein Hostel gefunden habe. Die Suche nach einer dauerhaften Unterkunft für die Bewohner bleibt allerdings schwierig. Am Montag soll erneut mit Betroffenen, Kirchenvertretern und dem Sozialstadtrat von Mitte, Stephan Dassel (Grüne), verhandelt werden, sagte Bayram.
Obdachlosenheim "keine echte Lösung"
Zuvor hieß es, dass die Obdachlosen vorerst in einer Obdachlosenunterkunft in Charlottenburg unterkommen. Darauf hätten sich die Betroffenen mit Vertretern der Caritas und der katholischen Kirche geeinigt, wie ein Sprecher des Erzbistums nach einem dreistündigen Treffen mitteilte. Mit dieser Lösung waren die meisten Obdachlosen jedoch unzufrieden. Es wurde bemängelt, dass man sozial Ausgegrenzte gegeneinander ausspiele, wenn man anderen Obdachlosen den Platz wegnehme. Auch Bayram bestätigte, dies sei für viele Betroffene "keine echte Lösung" gewesen.
Die frühere Eisfabrik am Spreeufer in Mitte wird schon seit fast zwei Jahren von Menschen aus Osteuropa genutzt. Weil die Räumung des baufälligen Gebäudes droht, waren 18 Bewohner in der Nacht zum Samstag kurzfristig in der katholischen Kirche St. Michael untergekommen.

In den Verhandlungen am Montag wollen die Bulgaren dem Vernehmen nach durchsetzen, dass eine Räumung der Eisfabrik zumindest bis Anfang Januar aufgeschoben wird. Darüber hinaus möchten sie eine Unterbringung in regulären Wohnungen erreichen.
Der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner, äußerte Verständnis für die Betroffenen. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Stadt werde durch diesen Fall eklatant deutlich.
Ein Sprecher der Polizei sagte am Samstag, der Anwalt des Eigentümers der Eisfabrik habe sich in einem Schreiben an die Polizei gewandt. Darin bitte er die Polizei, bei der Räumung des Geländes zu helfen.
Der Eigentümer hatte die Obdachlosen in dem Haus aufgefordert, bis zum Freitagmorgen das Gelände zu verlassen. Er war vom Verwaltungsgericht dazu verurteilt worden, die Gebäude aus Gründen der Sicherheit räumen zu lassen. Der Bezirk war gleichzeitig verpflichtet worden, die Obdachlosen nach der Räumung unterzubringen.
Obdachlose forderten eine reguläre Wohnung vom Bezirk
Hilfsangebote des Sozialamtes Mitte lehnten die Bewohner der Ruine in der Köpenicker Straße am Freitag allerdings ab. Nach Angaben von Mittes Sozialstadtrat Stephan Dassel (Grüne) konnte der Bezirk den Obdachlosen lediglich die Unterbringung in einer Notunterkunft oder aber die befristete Übernahme der Kosten anbieten. Die Obdachlosen und ihre Unterstützer hätten aber eine reguläre Wohnung verlangt. Das sei sozialrechtlich nicht möglich, betonte Dassel. Einige Obdachlose weigerten sich auch, ihre Personalien anzugeben. So sei nicht geklärt, ob sie EU-Bürger mit Anspruch auf Hilfe seien.
Streit um Abriss, Erhalt und Denkmalschutz
Um die Gebäude auf dem Gelände gibt es seit Jahren Streit. Zwar ist die einstige Eisfabrik als eine der ältesten ihrer Art anerkannt und große Teile tragen auch das Siegel des Denkmalschutzes. Da aber seit Jahren kaum in die Erhaltung investiert wird, ist der Verfall erheblich.
Seit Beginn der 90er Jahre wird in der Fabrik kein Eis mehr hergestellt, bereits wenige Jahre später begann der Abriss einzelner Gebäude, wurde aber nicht abgeschlossen. Ein Teil des Geländes an der Spree wurde von der TLG Immobilien verkauft. Ein Investor will hier nun den nahezu kompletten Abriss und einen Neubau. Initiativen, Bezirk und Stadt setzen sich dagegen für den Erhalt der noch vorhandenen Fabrikgebäude ein.





