Ein Baumhaus ist am 01.12.2013 in Berlin in den Kronen von Bäumen an der Neuköllnischen Allee zu sehen. (Quelle: dpa)

Umweltschützer fürchten erhöhtes Verkehrsaufkommen - Aktivisten beziehen Baumhaus gegen die A100

Der erste Bauauftrag für den Ausbau der Stadtautobahn A100 ist längst vergeben, doch einige Aktivisten geben noch immer nicht auf: Am Sonntag haben Umweltschützer in Berlin-Neukölln ein Baumhaus bezogen, um gegen das umstrittene Projekt zu protestieren. Die Aussicht auf Erfolg ist inzwischen allerdings nicht mehr groß.

Aktivisten der Umweltschutz-Organisation "Robin Wood" haben nach eigenen Angaben ein Baumhaus an einer Neuköllner Kreuzung bezogen. Damit wollen sie gegen den geplanten Ausbau der Autobahn 100 von Neukölln nach Treptow und Friedrichshain protestieren, wie eine der Besetzerinnen am Sonntag dem rbb sagte.

Das hölzerne Baumhaus in der "Protestpappel" sei etwa vier Quadratmeter groß und soll rund um die Uhr besetzt bleiben, so Katharina Riewe. Dort könnten zwei bis drei Leute schlafen. Außerdem sei das Baumhaus über Seile mit sieben weiteren Bäumen verbunden, die auf diese Weise ebenfalsl geschützt werden könnten. Die Aktivisten wehren sich gegen das Abholzen der Bäume und befürchten durch den Autobahnbau außerdem ein steigendes Verkehrsaufkommen.

Gut sichtbar und in luftiger Höhe: Der Protest von Umweltschützern.

Die A100 - einer Berliner Politikum

Anfang Oktober hatte Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) den ersten Bauauftrag für den Ausbau der Stadtautobahn vergeben. Die Tunnelarbeiten unter der Neuköllner Grenzallee soll ein Konsortium um den Baukonzern Hochtief übernehmen. Der Baubeginn ist für Ende des Jahres geplant.

Doch das 3,2 Kilometer lange Teilstück der Stadtautobahn A100 von Neukölln nach Treptow erregt noch immer die Gemüter. Erst vor gut einem Jahr hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass die Berliner Stadtautobahn A100 bis nach Treptow verlängert werden kann. Mit dem Urteil wies das Gericht die Klagen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg sowie mehrerer Anwohner und Umweltverbände ab, die das Großprojekt gänzlich unterbinden wollten.

Durch die eingereichten Klagen hatte sich der Baubeginn immer wieder verschoben. Auch die Kosten stiegen weiter. Doch nicht nur wegen drohender Mehrkosten ist die A100 zum Berliner Politikum geworden: Nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2011 scheiterte eine Koalition zwischen den Wunschpartnern SPD und Grüne, weil die Grünen einen Weiterbau der A100 als "rückwärtsgewandte Betonpolitik" strikt ablehnten. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit entschied sich daraufhin für die CDU als neuen Koalitionspartner.

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