Korruptionsskandal um abgezweigtes Heizöl - Neue Vorwürfe gegen Ex-Stadtwerkechef Schwarz
Inzwischen geht es um mindestens 280.000 Euro, die der frühere Chef der Stadtwerke in Brandenburg an der Havel während seiner Amtszeit in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll. Nach seiner Verhaftung am Dienstag sind weitere Details bekannt geworden. Rund um den Korruptionsskandal wird inzwischen gegen knapp 20 Personen ermittelt.
Nach der Verhaftung des früheren Chefs der Stadtwerke Brandenburg an der Havel sind neue Vorwürfe gegen Wolfgang Michael Schwarz bekanntgeworden. Schwarz sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft, weil der Haftrichter in Rathenow eine Fluchtgefahr nicht mehr ausschließt. Einen Haftbefehl gegen den Stadtwerke-Manager gab es bereits seit Oktober, doch zunächst war der 55-Jährige gegen Auflagen auf freiem Fuß gesetzt worden.
Nun haben die Ermittler aber offenbar neue Details von einem der Firmenchefs erfahren, die in die kriminellen Machenschaften der Stadtwerke verstrickt sein sollen. "Insbesondere gehen wir jetzt davon aus, dass er in wesentlich höherem Maße eigennützig gehandelt hat", so der für Korruption zuständige Oberstaatsanwalt Frank Winter in Neuruppin gegenüber dem rbb.
Gesamtschaden könnte bei einer Million Euro liegen
Im Oktober sah es so aus, als habe Schwarz rund 70.000 Euro direkt für sich selbst verwandt. Inzwischen gehen die Ermittler von rund 280.000 Euro aus. Neue Erkenntnisse brachten offenbar die Aussagen anderer, gegen die ebenfalls ermittelt wird. Laut Oberstaatsanwalt Winter handelt es sich dabei um knapp 20 Personen.
Zu den Mitbeschuldigten zählen ein Bauunternehmer, der Geschäftsführer eines großen Elektrobetriebs und ein Mineralölhändler. Dieser soll dem Ex-Manager bescheinigt haben, dass Heizöl aus dem Besitz der Stadtwerke wertlos sei. Wenig später soll der Manager das Öl zum Preis von 800.000 Euro verkauft haben. Den anderen Firmenchefs wird vorgeworfen, den Stadtwerken Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen ausgestellt haben, die die Stadtwerke anschließend beglichen.
Die Korruptionsaffäre bei den Stadtwerken gilt als die größte in Brandenburg. Der Gesamtschaden ist allerdings auch nach über sechs Monaten der Ermittlungen noch nicht geklärt. "Wir gehen von einem strafrechtlich relevanten Schaden aus, der etwa bei einer Million liegt", so Oberstaatsanwalt Winter.
Ende März sollen die Ermittlungen beendet sein. Es erscheint derzeit wahrscheinlich, dass der ehemalige Manager sich früher oder später als Angeklagter in einem Betrugs- und Untreueprozess verantworten muss.
Mit Informationen von Lisa Steger




