Das mit einem Gitter versehene Eingangstor der ehemaligen Strafanstalt Cottbus am 3.12.2013. (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 10.12.2013 | Beitrag von Phillipp Manske

Ausstellungseröffnung in Cottbus - Zuchthaus-Gedenkstätte: "Das hier ist ein authentischer Ort"

Fast 150 Jahre lang war das Zuchthaus Cottbus eine Strafanstalt. Seit seiner Schließung im Jahr 2002 zerfällt das Gebäude. Am Dienstag eröffnete der Menschenrechtsverein Cottbus in dem Komplex nun eine neue Dauerausstellung - als Erinnerung an einen Ort der Willkür und des Unrechts.

"2011? – Da war der Komplex eine Ruine." – Sylvia Wähling spricht über das Zuchthaus Cottbus. Fast zehn Jahre hatte das mehr als 150 Jahre alte Gefängnis damals bereits leer gestanden. "Vandalen sind hier durchgezogen und haben alles mitgenommen, was sie finden konnten", erklärt die Geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtsvereins Cottbus.

Seit Dienstag nun ist in einem Gebäude des Komplexes eine Ausstellung zu sehen. Auf knapp 500 Quadratmetern im Erdgeschoss des ehemaligen Hafthauses 1, dem Küchenbereich, setzt sich die Schau mit der NS-Zeit und den Jahrzehnten als DDR-Zuchthaus auseinander.

Herausgerissen und entsorgt

"Karierte Wolken - Politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933 bis 1989" lautet der Titel der Schau. Er deutet den Spagat an, den das Haus wagt: Eine Aufarbeitung von mehr als 60 Jahren Zuchthausgeschichte in zwei Diktaturen.

Zu sehen sind Nachbildungen der Zellen, Gegenstände aus dem Häftlingsalltag, Utensilien der Wachmannschaften und Dokumente, die die Verwaltungswillkür dokumentieren.

Multimedial und interaktiv sei der Ansatz, erklärt Sylvia Wähling. Dabei musste das Haus aufgrund der sehr wechselvollen Geschichte auf den Fundus anderer Museen zurückgreifen, ganz einfach weil nicht mehr allzu viel da war. "Bis 2002 wurde das Haus als Gefängnis betrieben. Und so hatte es 1990 umfangreiche Veränderungen gegeben, um für die Häftlinge rechtstaatliche Bedingungen zu schaffen."

Dabei sei im Prinzip nahezu alles herausgerissen und entsorgt worden, was an die DDR-Haftbedingungen oder gar die Nazi-Zeit erinnerte. In den Jahren des Leerstands seien dann bei illegalen Raubzügen auch noch fast alle verbliebenen Inneneinrichtungen sowie die Gegenstände des Haftalltags verschwunden.

Fördermittel in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro

Hier ein Museum zu eröffnen war 2011 nur schwer vorstellbar. Der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus hatte sich einige Jahre zuvor gegründet und war mit dem Ziel angetreten, den Gebäudekomplex dem Vergessen zu entreißen und an das Leid der Inhaftierten zu erinnern. "Dokumente und Ausstellungsstücke könnten auch woanders hängen, aber: Das hier ist ein authentischer Ort."

"Dokumente und Ausstellungsstücke könnten auch woanders hängen, aber: Das hier ist ein authentischer Ort."

Sylvia Wähling, Vorsitzende des Menschenrechtsvereins Cottbus

Für ihr Anliegen, aus dem Haus eine Bildungs- und Gedenkstätte zu machen, erhielten die Aktivisten Fördermittel und Unterstützungsgelder in Höhe von insgesamt rund 1,7 Millionen Euro, überwiegend vom Bund - aber auch Gelder vom Land, von der Stadt sowie von privaten Spendern.

Einer der Hauptgründe für die Einrichtung einer Gedenkstätte sei die besondere Stellung des Hauses als DDR-Haftort vor allem für politische Gefangene gewesen, betont Sylvia Wähling. Ende der 80er Jahre seien hier mehr als drei Viertel der Insassen aus politischen Gründen inhaftiert worden, oft wegen versuchter Republikflucht, also so genannte "Politische". Mit knapp 30 Häftlingsbiografien werde hier allerdings ebenso das politische Unrecht in der NS-Zeit dokumentiert.

"Firmen müssen Geschichte aufarbeiten"

Viele der Inhaftierten politischen Häftlinge in Cottbus waren für die DDR eine "Devisenquelle". Tausende von ihnen wurden gegen Zahlung von D-Mark in die Bundesrepublik entlassen.

Blick in die Ausstellung "Karierte Wolken-Politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933-89". (Quelle: dpa)
Neue Dauerausstellung im ehemaligen Gefängnis Cottbus

Ein Schwerpunkt für eine Erweiterung der Ausstellung ist das Thema Zwangsarbeit in der Haft für Unternehmen. So seien zu DDR-Zeiten von den Häftlingen Teile für den ostdeutschen Kamera-Hersteller Pentacon und die Sprelacart-Fabrik Sprela unter teils unmenschlichen Bedingungen hergestellt worden. Auf dieses Kapitel will der Verein bei der weiteren Entwicklung seiner Ausstellung stärker eingehen. "Die Firmen müssen allmählich ihre Geschichte aufarbeiten." Hier gehe es um Erinnerung und Aufarbeitung, aber nicht darum, mit dem Finger auf die Unternehmen zu zeigen.

150 Jahre Gefängnisgeschichte

Frauengefängnis und Freikaufsknast

1859 war das spätere Zuchthaus als Königliches Central-Gefängnis in Cottbus errichtet worden. Dort verbüßten bis 1945 nur Frauen ihre Strafe. Ab 1953 waren hier ausschließlich Männer inhaftiert. Viele der während der NS-Zeit inhaftierten Frauen hatten sich dem Widerstand gegen das Hitler-Regime angeschlossen. In der ersten Ausstellung des Hauses werden mehrere dieser Frauenschicksale vorgestellt.

Von 1945 bis 1989 war rund die Hälfte der insgesamt etwa 30.000 Häftlinge in Cottbus aus politischen Gründen inhaftiert, viele wegen versuchter oder geplanter "Republikflucht". Und: Hier konzentrierten die Strafverfolgungsbehörden der DDR vor allem die "kritische Intelligenz". Mehr als 5.000 sind hier gegen Devisen in den Westen verkauft worden.